Nicht einmal Erich von Däniken glaubt an den Weltuntergang

18. November 2011, 19:05
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... und von Florian Freistetter hätte das ohnehin niemand vermutet - sein Blog ist derweil beliebter denn je

Wien - Ende 2008 schrieb Florian Freistetter ein paar Zeilen zum ersten Trailer des Katastrophenfilms "2012" von Roland Emmerich in seinem hier schon mehrfach zitierten Blog "Astrodicticum Simplex". Ein Randthema, doch binnen kürzester Zeit hatte dieser Eintrag zehntausende Aufrufe. "Mir war dann irgendwie peinlich, dass dieser Drei-Zeilen-Artikel mein populärster Eintrag ist", sagt der österreichische Astronom, der in Deutschland als Wissenschaftsautor tätig ist. 

So hat Freistetter in seinem Blog mittlerweile zahlreiche Artikel zu diversen Fragen rund um das gehypte Szenario vom Weltuntergang am 21. Dezember 2012 geschrieben, einzelne davon mit weit über einer halben Million Seitenaufrufen - stets faktenbezogen und gegen pseudowissenschaftliche Halbwahrheiten (oder schlicht haarsträubenden Unsinn) ankämpfend. "2012 ist quasi zur Mutter aller Verschwörungstheorien geworden, die viele bis dahin existierenden derartigen Theorien in sich aufgenommen hat", sagt Freistetter. 

Stimme der Vernunft

Und so allmählich geht das Thema weit über die Blogosphäre hinaus. Damit hat sich Freistetter langsam eine Art Marktführerschaft auf der - im Vergleich zu esoterischen Veröffentlichungen - notorisch unterbesetzten Seite der wissenschaftlicher Betrachtungen des Phänomens 2012 erarbeitet; "Markt" unter Anführungszeichen, mit dem Blog wird schließlich kein Geld gemacht. Der Astronom versteht, wenn Wissenschafter dem Nicht-Thema durch seriöse Betrachtung nicht noch weitere Bedeutung schenken wollen. "Andererseits bekomme ich unzählige E-Mails von Leuten, auch von Kindern, die das Thema aufschnappen und nicht wissen, ob das ernst zu nehmen ist", und "panische Angst" hätten. "Insofern ist es schon wichtig, dass man sich als Wissenschafter dazu aktiv äußert und die Leute auch die Chance haben, zumindest ein paar vernünftige Dinge zu hören zwischen all dem Unsinn, der von den Leuten verteilt wird, die mit dem Thema Geld verdienen wollen."

Die zahlreichen Spekulationen über das Wie und Warum des vermeintlichen Weltuntergangs - ein unbekannter Planet, sonderbare Planetenkonstellationen, Polsprung, Erdbebenhäufungen, etc. - hält Freistetter für "Standard-Szenarien des Weltuntergangs". Schon zum Millennium 1999 sei "der ganze gleiche Mist aufgetaucht, der für 2012 prophezeit wird". "Das einzig wirklich Originäre am 2012-Thema ist der Maya-Kalender" - doch die besondere Bedeutung des Datums 21. 12. 2012 stamme nicht aus der Maya-Forschung, sondern ist "nur auf diesem esoterischen Mist gewachsen und hat immer mehr schon bestehende Theorien in sich aufgenommen". Freistetter kurz und knapp: "Die Mayas haben nichts prophezeit, es gibt keine Maya-Prophezeiung."

Unerwartete Unterstützung ...

In dem Punkt stimmt Freistetter sogar jemand zu, mit dem er nicht oft einer Meinung sein dürfte: Erich von Däniken. "Das ist alles Quatsch", meint der Schweizer "Prä-Astronautiker" zur 2012-Sache. Mit dem Datum 21. Dezember 2012 gebe es ein grundsätzliches Problem: Durch verschiedene Kalenderreformen in der Vergangenheit bzw. durch eine etwaige Ungenauigkeit beim Geburtsdatum von Jesus Christus könnte das Ende der Zeitaufzeichnung der Maya falsch auf unseren Kalender übertragen worden sein.

Ganz davon abgesehen, dass der Stichtag - auf welches Datum genau er auch immer fallen werde - ohnehin kein Ende bedeutet. Der Kalender der Maya beruhe auf einem mehrschichtigen Zahnradsystem, bei einem Auslaufen würde also einfach wieder eine neue Umdrehung beginnen. "Ein Rad bleibt ja auch nicht einfach stehen", sagt von Däniken.

... mit Abstrichen

Im Detail klaffen die Vorstellungen zwischen dem Schweizer und dem österreichischen Skeptiker dann aber doch auseinander. Denn von seiner Grundthese, dass Außerirdische einst bei der Entstehung der ersten menschlichen Hochkulturen ihre Hände mit ihm Spiel hatten und eines Tages zurückkehren werden, rückt von Däniken nicht ab. "Das ist in allen Religionen überliefert, wann steht allerdings in den Sternen", meint er.  Dennoch werde diese Wiederkehr mit einem gehörigen Schock für die Menschheit einhergehen, müsste dann doch sowohl Wissenschaft als auch Religion völlig neu interpretiert werden. "Es wird ein geistiger Weltuntergang sein", produziert der Autor schließlich doch noch eine Prophezeiung. (red/APA)

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    Maya-Apokalypse nein, Rückkehr der astronautischen Götter ja: Erich von Däniken bleibt lieber sich selbst treu, als der Mode zu folgen.

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