Fafus und Tafus

18. November 2011, 17:00
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Über zwei Unholde im Straßenverkehr

Sie sollten diese Kolumne nicht lesen. Sie enthält derbe Worte, behandelt ein windiges Thema und ist angesichts der Finanzkrise von sagenhafter Unerheblichkeit. Haben Sie aufgehört zu lesen? Gratuliere! Nein? Sie pfeifen auf meine Ratschläge? Nun denn, Sie haben es so gewollt.

Kürzlich überquerte ich in der Dämmerung den Heldenplatz, als plötzlich ein wie aus dem Nichts kommendes Geschwader jugendlicher Fahrradfahrer an mir vorüberbrauste. Ehe der Hintermann des Geschwaders im Halbdunkel rund um das Bundeskanzleramt verschwand, hob er den Hintern und furzte beherzt auf seinen Sattel. Offenbar handelte es sich um einen Fahrradfurzer (Fafu), jene Art Mensch, die dem ety-mologischen Irrglauben aufsitzt, das Fahrrad hieße nicht Fahrrad, weil man mit ihm fährt, sondern auf ihm einen fahren lässt.

George Clooney hätte das gefallen, Clooney hat sich gerade in einem Rolling Stone-Interview als großer Furz-Fan geoutet ("Even the idea of a fart makes me laugh"). Ist ja auch schön, dass ein Star, der sich eine Villa am Comer See leisten kann, immer noch Freude an den kleinen Dingen des Lebens hat. Was aber soll unsereins von der Episode am Heldenplatz denken? Ja, wenn der Führer 1938 von den Wienern nicht mit Kollektivjubel, sondern mit Kollektivflatulenzen empfangen worden wäre, dann hätte die Sache wenigstens politische Relevanz. Aber so?

Ich erwähne sie einzig deshalb, um zu warnen: Im Wiener Straßenverkehr toben sich nämlich neben den Fafus die noch weitaus gefährlicheren Tafus aus, Leute, die im Taxi das tun, was der Fafu auf dem Fahrrad tut. Dirk Stermann berichtet in Sechs Österreicher unter den ersten fünf von einer Taxifahrt, bei der der Chauffeur ungeniert ein paar von der Pfanne rollen ließ und das Ergebnis auch noch sachkundig kommentierte ("A klassischer Eierschaas"). Kein Wunder, dass die Wiener Taxifahrer in internationalen Umfragen eher schlecht abschneiden.

Den Tafu-Chauffeuren wird man allenfalls zugute halten, dass auch Tafu-Fahrgäste nicht ohne sind. Es ist kein Spaß, wenn ein mit reichlich Ganslfett und drei Litern Wein abgefüllter Heurigenbesucher auf dem Heimweg einen Gruß aus Darmstadt ins Taxiinnere schickt. Die Gemeinde Wien sollte gegen derartige Exzesse vorgehen. Vielleicht, indem sie neue "Erlaubniszonen" vorschreibt. Natürlich nur solche im Freien.   (DER STANDARD, Printausgabe, 19./20.11.2011)

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