Steiermark

Gemeinden kämpfen mittels Befragungen gegen Zusammenlegung

18. November 2011, 13:33

In sieben Gemeinden in der Oststeiermark wird die Bevölkerung über die "Eigenständigkeit der Gemeinde" befragt

Graz - In der Steiermark hat die "Reformpartnerschaft" aus SPÖ und ÖVP angekündgit, bei den Gemeinden sparen zu wollen. Jetzt kämpfen die Regierungsparteien mit Gegenwind. Am kommenden Sonntag gibt es in sieben Gemeinden des Bezirkes Hartberg eine Volksbefragung, aus einer Kleinstgemeinde liegt bereits das Ergebnis einer Meinungsbefragung vor: 80 Prozent stimmten für die Eigenständigkeit.

Lopatka unterstützt Gemeinden

Ausgeklügelt wurde die Befragung von ÖVP-Bürgermeistern unter Patronanz der Bezirkspartei mit dem Obmann und Nationalratsabgeordenten Reinhold Lopatka. Der Ex-Finanzstaatssekretär ist der Meinung, dass kein Weg an der "Einbindung der Betroffenen" vorbeiführt und bekennt sich klar zum "Bottom up"-Prinzip: "Die Bürgermeister wollen sich auf die Meinung der Bevölkerung stützen, wenn sie der Landesregierung ihre Pläne vorlegen sollen". Dass es auch bei negativen Ergebnissen letztlich doch zu Zusammenlegungen kommen könnte, schließt Lopatka im nicht aus. Es sei auch ein zweites Plebiszit zu einem späteren Zeitpunkt nach der Aufklärungs- und Diskussionsphase denkbar, wie schon einmal in Niederösterreich passiert.

Bürgermeister: "Unterschwellige Drohung"

Sechs der sieben Befragungsgemeinden - Kaindorf, Hartl, Hofkirchen, Tiefenbach, Dienersdorf und Ebersdorf - bilden die "Ökoregion Kaindorf", dazu kommt noch Großhart. Fritz Loidl, Bürgermeister der mit knapp 1.500 Einwohnern größten Gemeinde Kaindorf, formuliert das Unbehagen: "Wir verstehen nicht, dass wir mit dem Kommunalen Entwicklungskonzept noch nicht fertig sind, und schon werden wir aufgefordert, bis Ende Jänner zu melden, mit wem wir fusionieren wollen." Dazu komme die unterschwellige Drohung, dass jene, die sich nicht meldeten, künftig vom Land schlechter behandelt werden würden. Dabei lägen noch nicht einmal Grundlagen vor.

Betonter als einige seiner Kollegen ist Loidl darauf bedacht, "neutral" informiert zu haben. Er habe den zweiten Teil der Frage, ob man für eine Zusammenlegung sei, und damit dafür, "dass unsere Gemeinde die Eigenständigkeit verliert", entschärft durch die Formulierung "...und damit die ursprüngliche Gemeinde die Eigenständigkeit verliert." Wobei, wie Beobachter vermuten, Kaindorf als Zentralgemeinde von Zusammenlegungen eher profitieren würde und hier daher mit einer Pro-Mehrheit gerechnet werden kann.

Erste Befragung in Siegersdorf

Bereits Ende Oktober wurde in der 300-Seelen-Gemeinde Siegersdorf eine "Meinungsumfrage", wie es Bürgermeister Maximilian Haas (ÖVP) formuliert, durchgeführt. Das Ergebnis bei einer Beteiligung von knapp 93 Prozent: 80 Prozent plädierten für den Erhalt der Eigenständigkeit. Über Kooperationenin Verrechnungssystem, Fuhrpark und Gemeindedienst sei das Einsparungspotenzial schon ausgeschöpft, ergänzt Haas. Er wartet im Gegenzug mit Sparungsvorschlägen für die Länderebene auf, etwa durch Abschaffung der Landesgesetzgebung oder die Zusammenfassung auf drei Bundesländer.

Seitens der Reformpartnerschaftsspitze hielt man sich bisher zurück: Sowohl SPÖ-Landeshauptmann Franz Voves als auch von ÖVP-Vize Hermann Schützenhöfer wollten im Vorfeld das regionale Aufbegehren nicht kommentieren. Dass man mit Befragungen zu einem so frühen Zeitpunkt am Beginn des Prozesses nicht glücklich ist und Folgewirkungen fürchtet, ist aber klar. (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 59
1 2
V995
00
20.11.2011, 16:09
sparen sollen halt immer die anderen

ny15228
 
00
20.11.2011, 12:50
Hr. Lopatka

Jetzt wo sie nichts mehr sagen haben, sind sie ploetzlich wieder für den Bürger. Hoffentlich sind keine Eisenbahner dabei. Die haetten sie ohne die Bürger zu befragen verkauft. Wenn ein Angebot von der Landesregierung kommt, ist sicher alles anders.

Kontrahent1
00
20.11.2011, 11:48
Ganz typisch und zu erwarten:

Jeder ist FÜR Einsparungen, aber nicht in seinem Umfeld. Dabei gibt es nichts Sinnvolleres für den Anfang, als diesen Fleckerlteppich von Gemeinden zu straffen. Es kann ja ein Bürgerbüro in jeder Gemeinde bleiben, mit zwei/drei Mitarbeitern.

Nichtschweiger
 
01
20.11.2011, 09:08
Eine eigene Gemeinde für 400 Leute und weniger???

Und dann schütteln sie wieder unverständlich den Kopf wenn jemand meint man müsste Sparen weil man über die Verhältnisse gelebt hätte!

DAS IST EIN BEISPIEL FÜR EIN LEBEN ÜBER DEN VERHÄLTNISSEN.

Frage: Wären die 400 Leute bereit sich den Bürgermeister aus ihrem Einkommen zu finanzieren?

speeds1
02
20.11.2011, 08:40
Neuaufteilung der Länder

Burgenland kommt zu Niederösterreich und STMK
Salzburg kommt zu Tirol Kärnten und Oberösterreich.
Wobei Salzburg die Landeshauptstadt wird.(OOE)
Wien und neu Niederösterreich fusionieren.

nuts1
10
20.11.2011, 08:33

alles zusammenlegen udn zu bezirken machen jeder bezirk kann seine "idnetität" beibehalten, politisch jedoch wird alles zentralisiert
billiger
einfacher
auf allen eben langfristig besser
..

Märkte schaffen Werte
10
19.11.2011, 20:33

Das Konzept der Kleinregionen finde ich grundsätzlich gut. Nur sollte man nicht nur die Infrastruktur (Bauhöfe, Abfallwirtschaftszentren etc.) bündeln, sondern auch die Verwaltung. Ein Gemeindeamt für eine handvoll Klein- und Kleinstgemeinden ist völlig ausreichend. Die Gemeinden können dann zur Identitätsstiftung auch erhalten bleiben.

Nils2005
01
19.11.2011, 17:08
ich würde nicht nur bei den gemeinden ansetzen ...

Bezirke waren vielleicht einmal sinnvoll, aber die meisten Kompetenzen wurden schon an die Gemeinden übertragen, weiter sind in einem riesigen Land wie Österreich 9 Bundesländer auch nicht gerade sehr sinnvoll ... Andere Länder wie etwa die Niederlande oder Dänemark haben schon große Land und Strukturreformen durchgeführt und diese sparen sich dadurch enormes Geld, warum nicht auch in Österreich??? Wir haben in Ö. einen riesigen Verwaltungsapperat der Unsummen verschlingt egal wohin man schaut ... warum brauchen wir viele mini Gemeinden, dann noch einen Bezirk darüber, darüber noch das Land und auch noch den Bund ... oder eine GKK für 9 Bundesländer + Beamten + Eisenbahner ...
Also ich finde in ganz Ö. sollte dringend gehandelt werden ...

bratak
00
19.11.2011, 17:01
" ... Aufklärungs- und Diskussionsphase denkbar, wie schon einmal in Niederösterreich ... "

es gab mal eine Aufklärungs- und Diskussionsphase in NÖ?!?!?!?

wieso auch nicht
01
19.11.2011, 16:43

Natürlich will keiner die eigene Identität verlieren. Aber die Realität ist, dass die Kleingemeinden (auch solche mit vierstelligen Einwohnerzahlen) schon oft genug das Problem haben einen Bürgermeister zu finden.

Und dieser Bürgermeister muss dann nebenberuflich alle Agenden übernehmen die auch ein hauptberuflicher Bürgermeister hat. Und während sich der Bürgermeister in der Stadt auf eine umfangreiche Verwaltung und Juristen stützen kann, hat der kleine Bürgermeister vielleicht gerade einmal eine Sekretärin mit einer HAK-Ausbildung (wenn überhaupt).

Das sind reale Probleme.

aberpram
01
19.11.2011, 19:40
Kompetenzproblem

So ist es. In manchen kleinen Gemeinden besteht schlicht und einfach ein Kompetenzproblem. Die Welt ist nicht gerade einfacher geworden, und als Laie (das sind fast alle Bürgermeister) steigt man nicht mehr überall so einfach durch. Wo sollen kleine Gemeinden die Juristen/Ökonomen etc. hernehmen um eine Kommune effizient und rechtskonform zu führen?

erdbär
01
19.11.2011, 23:51
richtige aussagen von beiden vorpostern

diese probleme sind den bgm der kleingemeinden eh bewusst.
der protest richtet sich hauptsächlich dagegen, dass die landeschefs nicht sagen, was sie vorhaben. warum sind die zu feig, ihre (fix fertig im voves-büro liegenden) pläne rauszurücken?

aberpram
02
19.11.2011, 12:36
wie wäre eine elegantere Lösung:

Die identitätsstiftenden Gemeinden und ihre Bürgermeister genauso wie die Länder und die Landeshauptleute beibehalten, ihnen aber dafür einfach die Kompetenzen entziehen.
Die jetzigen Gemeindekompetenzen auf Bezirksebene (dann gebe es nur noch ca 100 gesetzgebende Gebiete statt bisher über 2000) und die Landeskompetenzen teils an den Bund, teils ebenfalls an die Bezirke.
Die Bürgermeister sollten eine neue Rolle als Mittler zwischen den Bürgern und der dann etwas entfernteren Behörde dienen, quasi als Ombudsleute.
Statt über 2000 vielköpfigen Gemeinderäten und 9 Landtagen gäbe es 100 Bezirkstage, die sich um Kanalgebühren und Widmungen oÄ kümmern, während Überregionales (z.B. Tierschutz) an den Bund übergeht.

Meinungen?

site:°~+*-||!#.\>
00
20.11.2011, 01:29
Ihre Lösung ist vollkommen richtig.

Weil immer von Identität die Rede ist – was auch immer das sein soll – die Gemeinden und Länder bleiben doch nach einer Reform bestehen, aber eben ohne Kompetenzen.

Also, die Verwaltung der 2357 Gemeinden auf die 84 Bezirke/BHs zusammenlegen, wobei Bezirke unter 50.000 EW auch zusammengelegt werden sollten, und große Städte/Statutarstädte natürlich erhalten bleiben.

Die Gemeinden wählen einen ehrenamtlichen Vertreter/Bgm. der ihre Interessen im Bezirk vertritt.

Die gesamte Gesetzgebung (wer braucht 2357 Hunde-VO) und Landeskompetenzen gehen an den Bund - und die Landes-Reg. werden komplett abgeschafft. Zur Erhaltung der "Identität" kann man EINEN Landeshauptmann persönlich wählen, der das Land im NR vertritt.

> Milliardeneinsparung.

Chien de Pique
10
19.11.2011, 16:05

Ich würde eher die Aufgaben der Bezirke auf die zu gründenden Großgemeinden übertragen (bzw. teilweise an das Land), und vom Bund eher Verantwortlichkeiten an die Länder. Der Sinn der Bezrike erschließt sich mir nicht wirklich udn ihre Grenzen sidn zeimlich willkürlich; teilweise liefe das natürlich fast auf dasselbe hinaus.
Ihr Vorschläg ist aber jedenfalls viel differenzierter und durchdachter als die meisten zur Föderalismusreform.

Mazzesinsulaner
 
02
19.11.2011, 18:56

Ich würde noch radikaler gehen. Ehemalige Gemeinde-Gesetzgebung zu den Bezirken und Abschaffung sämtlicher Bundesländer. Mittelbare Bundesverwaltung geht vom Land auch an die Bezirke (wie jetzt zB Passwesen in den BHs).

In Frankreich gehts ja auch, die haben ca 100 Departements (Bezirke), die nächste Ebene ist bereits die Republik.

Die Gemeindeämter werden zu dislozierten Servicecenter (Exposituren) der BHs. Der Vorstand so eines Servicecenters darf natürlich weiterhin Bürgermeister heißen und div. Feuerwehrfeste eröffnen. Die Gemeindebediensteten sind halt jetzt Bedienstete der BH.

byron sully
00
20.11.2011, 14:16

bezüglich frankreich: die nächste ebene sind die 26 regionen.

aberpram
02
19.11.2011, 19:36
genau DAS wärs!

möge es doch etwas Hirn regnen, damit unsere Regierung auch auf solche Ideen kommt...

Pareidolic
01
19.11.2011, 11:40
Genial

"Einbindung der Betroffenen" - wobei betroffen natürlich nur diejenigen sind die das Geld bekommen, nicht diejenigen die das Geld zahlen, sobald es um die Gemeinden geht.

franzauer
02
19.11.2011, 10:58
Verfassung

Das Recht geht vom Volk aus. Wem passt das nicht ???

?und
01
19.11.2011, 15:32
all denen die in den wasserköpfen der gesellschaft blubbern

rasenmähermann
01
19.11.2011, 01:27

Das war ja wieder einmal absehbar. Nein sagen kann jeder Depp, um etwas Neues zu schaffen braucht es hingegen Hirn und Mut.

anton-aus-tyrol
 
26
18.11.2011, 19:32

Gaaanz langsam macht sich endlich oben ein Reformwille breit. Die Steiermark ist ein echter Vorreiter. Von allen Seiten wurden und werden die Bemühungen gelobt, aber ein paar Dorfplatzhirsche und Bierbankbürgermeister proben den Aufstand. Angst vor Machtverlust oder dergleichen.

An den Stammtischen werden sicher schon kräftig die massiven Unterschiede zum Nachbardorf in 20 Meter Entfernung. Angefangen vom unterschiedlichen Klima, über ganz ein anderer Dialekt (Stichwort Motorboot) bis hin zu "eigentlich san de eh ois Zuagraste"!

Bravo Ihr Bürgermeister-Tr*ttel!!!

waniwiadawödua
03
18.11.2011, 19:15
hilfe!

ich seh´meinen kirchturm nicht mehr.

schlitzohrlinski
03
18.11.2011, 18:43
Lopatka: Der Standort bestimmt den Standpunkt!

Opportunistischer geht es nicht mehr Hr. Lopatka!

Shame on you!

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 59
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.