Innenpolitik im Netz

"Solange es Faymann gibt, wird es auch Failmann geben"

Rainer Schüller, Saskia Jungnikl, 18. November 2011, 15:12
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    foto: derstandard.at

    Diese Leute stecken hinter "Werner Failmann", dem satirischen Kanzler-Double auf Facebook und Twitter: Einer ist PR-Agenturbesitzer, einer Unternehmensberater und Hobbykabarettist und einer ist politisch tätig und war vor Jahren im Landesvorstand der SPÖ Wien.

Das Social Media-Double des Bundeskanzlers macht ein Teil-Outing und Experten analysieren die Auftritte der Innenpolitik auf Facebook und Twitter

"Das Grundprinzip eines erfolgreichen persönlichen Twitter-Accounts ist, dass einem das Twittern auch selbst Vergnügen bereitet", schreibt einer, der es wissen muss. Der Politologe Hubert Sickinger ist einer der aktivsten österreichischen Twitteranten, mit knapp 4.000 Followern und über 14.000 Tweets.

Und er bringt mit dem Satz auf den Punkt, woran der Kanzler momentan scheitert. Denn so intensiv der Kanzler – und Österreich – auf seinen Einstieg in die Welt des Web 2.0 vorbereitet wurde, so verloren scheint er nun darin. Die Troika der neuen Selbstdarstellung mit Twitter, Facebook und YouTube ist kein weiterer Werbekanal, zumindest nicht, wenn es einem nur darum geht. Wobei der Kanzler das twittern und facebooken auch einem Team von neun Leuten überlässt – mit einem Budget von kolportierten und unwidersprochenen 200.000 Euro.

Failmann, das erfolgreiche Satire-Double outet sich zum Teil

Weit größere Resonanz erzielt Werner Failmann, der auf Facebook mit rund 6.000 Freunden um fast 2.000 mehr zählt als der echte Kanzler. Noch dazu befinden sich unter den überschaubaren "Friends" Faymanns auch einige Marionetten-Accounts, hinter denen keine realen Personen stehen und die immer wieder mit unkritischen Jubelmeldungen auffielen, wie das Magazin Datum herausfand. Ein aufgelegter Elfmeter für Failmann, der diese "Peinlichkeit auf Kosten der Steuerzahler" über Twitter weidlich auskostete.

Doch wer steckt hinter Failmann? Diese Frage stellt sich seit Wochen nicht nur die SPÖ-Zentrale, sondern auch eine Gruppe von Twitter-Usern wie ORF-Anchorman Armin Wolf oder Falter-Aufdecker Florian Klenk, die unter dem Hashtag #CSIFailmann der wahren Identität des falschen Kanzlers nachspüren. DER STANDARD hat sich nun mit Werner Failmann getroffen. Es stellte sich dabei heraus, dass hinter dem Account eine Dreier-Gruppe steckt, die unter der Zusicherung ihrer Anonymität zumindest ihre Berufe bekanntgaben: Einer ist PR-Agenturbesitzer, einer Unternehmensberater und Hobbykabarettist und einer ist politisch tätig und war vor Jahren auch im Landesvorstand der SPÖ Wien.

"Ich finde Faymanns Umgang mit Medien unerträglich. Seine Kleingeistigkeit ist für uns nur schwer zu ertragen und darum war es unsere Idee, dies in satirischer Form zu kritisieren", gibt ein Mitglied der Gruppe als Grund für die Failmann-Aktion an. Außer Zeit, Energie und Kreativität würde man für die Einträge auf Facebook und Twitter keine Aufwendungen haben. "In Wahrheit ebnen Faymann und Co. durch ihr Versagen Strache die Tür zum Kanzleramt, was wir mit allen Mitteln verhindern wollen", sagt Failmann Nummer 3. Was Faymann in den sozialen Netzwerken besser machen könnte? "Er sollte einfach einmal beginnen Politik zu machen. Wie man die verkauft ist sekundär", meint Nummer 2 unironisch. An ein Aufhören denken sie nicht, demnächst werde auch eine CD auf den Markt kommen. "Solange es Faymann gibt, wird es auch Failmann geben."

Was Persiflagen mit dem Boulevard gemein haben

"Politikerpersiflagen auf Twitter sind ein Selbstläufer'", erklärt Social Media Expertin Judith Denkmayr Geschäftsführerin der Social-Media-Agentur "Digital Affairs" den Erfolg Failmanns. Reichweitenstark seien diese Accounts aus demselben Grund, warum auch Boulevardzeitungen hohe Auflagen erzielen: "Man fühlt sich in seinen schlimmsten Annahmen über die handelnden Personen bestätigt."

Österreichische Politiker könnten grundsätzlich stark von den Social Media Plattformen profitieren, so Denkmayr. Man könne mit einer potentiell großen Anzahl an Menschen in Kontakt treten, diskutieren und deren Meinungen und Stimmungen erfahren, um Inputs für die eigene Aufgabe zu bekommen. Zusatzeffekt: "Man hat auch die Möglichkeit zum Agenda Setting, zur Darstellung der eigenen Ansichten, ohne die Interpretation durch die Vertreter der Medien - und auch ganz ohne dafür Inserate schalten zu müssen."

Strache als Facebook-Kaiser

Der erfolgreichste österreichische Politiker auf Facebook ist im Moment FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, der bereits über 100.000 Freunde gesammelt hat – er ist damit auch der führende Politiker unter den rechten Parteien Europas, wie eine britische Studie kürzlich feststellte. Was diesen Erfolg im Vergleich zu Faymanns Auftritt ausmacht, erklärt Denkmayr so: "Strache bringt sich selbst ein, der Auftritt ist glaubwürdig und bringt für die Zielgruppe adäquaten, inhaltlichen Mehrwert. Beim Faymann-Auftritt hingegen fehlt der inhaltliche Mehrwert gegenüber anderen Kanälen."

Twittersphäre mit Politiker-Mangel

Im Unterschied zu Facebook ist die innenpolitische Debatte auf Twitter noch überschaubarer. Hier läuft die Debatte Zeit unter 200 bis maximal 2000 Usern, erklärt Julian Ausserhofer, Forscher des Studiengangs Journalismus und Public Relations an der FH Joanneum. Gemeinsam mit Axel Maireder und Axel Kittenberger, zwei Kollegen an der Uni Wien, arbeitet er im Moment an einer Netzwerk- und Diskursanalyse der innenpolitischen Twittersphäre in Österreich. Die Zahl der wirklich aktiven Twitter-User mag klein erscheinen, dies bedeute jedoch nicht, dass sie irrelevant wäre, denn im Zentrum des Netzwerks stünden Menschen, die die öffentliche Meinung prägen: Journalisten, professionelle Kommunikatoren und (noch wenige) Politiker.

Die Grünen sind im Moment auf Twitter am stärksten vertreten, jedoch kaum jemand aus der Parteiführung. Auch bei den anderen Parteien sind es meist die Kommunikatoren und Hinterbänkler, die twittern. Das BZÖ nimmt vor allem über Stefan Petzner aktiv an den Diskursen teil. Die SPÖ ist mit Christoph Matznetter und Hannes Swoboda vertreten, die in den Diskussionen aber nur Nebenrollen spielen. Bei der ÖVP und FPÖ sind so gut wie keine politischen Mandatare aktiv auf Twitter. Ausnahme-Erscheinungen bei der ÖVP sind ÖAAB-Chef Lukas Mandl und der ÖVP-Online-Verantwortliche Gerhard W. Loub.

Nachholbedarf

Im internationalen Vergleich zwitschert die heimische Innenpolitik sehr leise. In Skandinavien, Großbritannien, Australien oder den USA und vielen andern Ländern würden weit mehr Politiker Twitter nutzen. In Kanada gäbe es sogar Listen von Politikern, die noch nicht über einen Twitteraccount verfügen. "Vielen Politikern muss klar werden, dass Social Media nicht als geekiges Randthema abzuhaken sind. Soziale Medien sind ein gesellschaftliches Massenphänomen und deshalb muss man sich auch mit ihnen befassen." Man sollte soziale Medien nicht einfach als weiteren PR-Kanal verstehen. "Persönlichkeit, Emotion, Humor, auch Selbstkritik, sind wichtig, damit Menschen Interesse und Spaß daran haben, Politikern zu folgen und mit ihnen auch zu kommunizieren." Und was hat der Bürger davon? "Es können Meinungen und Ideen in Diskussionen eingebracht werden, an denen sich zentrale Akteure und Multiplkatoren des politischen Systems beteiligen. Das ist ein niederschwelliger Zugang zu Personen, an die man sonst nur schwer herankommt." (Rainer Schüller, Saskia Jungnikl, derStandard.at, 18.11.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 169
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Briefmarkenkleber
10
21.11.2011, 18:58
Fake und Web 2.0 sind kein Widerspruch

Die größte Groteske ist die Art der Berichterstattung.
Revanchismus.

Hansjacob
00
20.11.2011, 21:37

"In Wahrheit ebnen Faymann und Co. durch ihr Versagen Strache die Tür zum Kanzleramt, was wir mit allen Mitteln verhindern wollen"

Ich öffne den Weg und ebne die Tür...

hcl3
03
20.11.2011, 15:36

österreicher -finanziert mit krediten aus sp- nahen quellen
krone- sp-nahe quelle mit eigendynamik
heute- gehört -höchstwahrscheinlich- sp parteilich organisierten

alleine für diese massenverblödungsmaschinerie müsste jede-r der sozialdemokratienahe steht sofort die partei verlassen und sich der direkten demokratie widmen

dolstnaretna hasenstück
05
20.11.2011, 14:31
Faymann ist extrem schwach, seine MitarbeiterInnen sind extrem schwächer.

Karin Stadler2
00
22.11.2011, 12:07

Beängstigend. Aber genau so ist es.

van Wellen
00
24.11.2011, 00:23
Nur weil er Freunde sucht?

http://tinyurl.com/faycebook

Karin Stadler2
00
24.11.2011, 01:29

Die fake Freunderl sind nur ein kleines Symptom.

Schon mal was von Organisationspsychologie gehoert?

CentralAI
02
20.11.2011, 12:01
Was ist das?

Schön, Failmann zeigt auf, was die Österreicher längst wissen. Der politische Diskurs versumpft in Trivialitäten. Anstatt sinnvoller Maßnahmen mit langfristiger Auslegung setzten unsere „Führungseliten“ auf Aktionismus und Einmalaktionen (Zuckerl).

Darüber hinaus ist die Kommunikation zwischen Bürger und Politiker praktisch zum erliegen gekommen. Wozu brauche auch da einen Facebookauftritt des Kanzlers?

Es ist schlimm genug, dass Österreich keinen transparenten politischen Prozess gibt (alles hinter verschlossener Türe), aber jetzt diskutieren wir auch noch in einem proprietären und abgeschlossenen Medium wie facebook über die flache Politikerpersönlichkeit Faymann?

SPÖ, Eure Wähler sind zuallererst in der Realität!

aiuto
01
20.11.2011, 11:58
es ist einfach zum Jammern,

dass die Republik jetzt von diese Politclowns Faymann und Spindelegger international vertreten wird. ... und dabei könnte Österreich sich da ohne weiteres in Szene setzen.

rogerpig
11
20.11.2011, 11:15
Wer zahlt das TeamKanzler?

das ist die Frage die mich interessiert.

Das hat System
01
21.11.2011, 11:39

DU!!

Das zahlst du mit dem was sie dir vom Gehalt abziehen bzw. mit den 20% MEHRWERTSTEUER!

maki
13
20.11.2011, 13:33

natürlich der Steuerzahler!

FerdlGriesgram
02
20.11.2011, 10:54

Was die Frau Feigl anfasst, hat halt Hand und Fuß. Da quaken nicht mal mehr die Enten, wenn der Werner reden tut.

momodeluxe
00
20.11.2011, 10:49

da war der vorige bk viel moderner, der die "internetgeneration" gleich zu schätzen wußte.

http://www.misik.at/podcasts-... n-noch.php

spookster
36
20.11.2011, 07:51
Kritik!

"In Wahrheit ebnen Faymann und Co. durch ihr Versagen Strache die Tür zum Kanzleramt, was wir mit allen Mitteln verhindern wollen"

Was Strache beflügelt, ist die Schwäche der SP.
Da die SP, sich in diversen TV Diskussionen verständnisvoll in Belangen (die das Metier der FP sind) gibt, kann es einem auch nicht wundern, dass die früheren SP Wähler massenhaft abwandern.

Früher noch gab es eine klare Linie z.B. im Thema Zuwanderung, jetzt hat man sich viel zu sehr an die FP angebiedert nur weil es gerade so schön populistisch ist auf Zuwanderer (insebonders aus dem islamischen Raum) hinzudreschen, ohne etwas genauer hinzusehen.

yotix
 
23
19.11.2011, 23:22

Mit Neonazis über Juden und Türken zu schimpfen ist "inhaltlicher Mehrwert"?

Ich frage mich beinahe, aus welcher politischen Richtung der "Failmann" kommt und welche Ziele er damit verfolgt: Letztlich lobt er nur die Rechtsextremen, und torpediert den (allerdings lächerlich patscherten, stinkfaden) SP-Auftritt.

Vermutlich die beste Lösung wäre, ihm und seiner Agentur heimlich den Faymann-Facebook-Auftritt als Auftrag zu geben. Mit NDA (Stillschweigeabkommen). Oder?

Dr. Fu Man Chu
01
19.11.2011, 20:54

am anfang war die luxusgütermehrwertsteuer

Da_Burgenlandla
 
03
19.11.2011, 20:21
wie tickt die spö?

Wie sie am Land land tickt, zeigt zum Beispiel diese Geschichte:

"Der Nebel, Norbert Darabos, sein Bürgermeister und die Schuldenbremse - Ein wahre Geschichte vom flachen Land an der Grenze, dort wo der Novembernebel oft besonders dicht ist. Nicht dicht genug aber für Norbert und seinen Bürgermeister um ihre Angelegenheit zu verschleiern."

http://bit.ly/norbert_im_nebel

Eine Geschichte auch zum Thema Gerechtigkeit und gleiche Chancen, welches gerade vom Kanzler Faymann propagiert wird.
http://gerechtigkeit.spoe.at/

Po Polos
00
19.11.2011, 19:24

Irgendwie habe ich schon immer geahnt, dass der Faymann einen Vogl hat!
Zuerst dachte ich an Niko Formanek, aber der Schmähstadl ist zumindest das Bindeglied.

Poldi Schrumpl
412
19.11.2011, 18:37
frage an die kampfposter hier:

bekommts ihr die wochenendarbeit von der spö wenigstens zusätzlich bezahlt?

Cape Of Green Hope
32
19.11.2011, 18:20
Marionetten-Accounts...

...da hab ich den Verdacht, dass diese eher von Failmann und Co eingerichtet wurden, um etwas Pfeffer in die Sache zu bringen. Oder von diversen politischen Wettbewerbern.

ceiberweiber.at
10
19.11.2011, 20:18
und es gibt den verdacht

dass failmann sehr wohl akkordiert ist mit faymann - die überschrift zu diesem artikel widerlegt es nicht gerade. hab so eine vermutung eben auf einer der spö-pinnwände bei facebook gelesen. aber egal, mit auch nur irgendwie künstlich stimulierter debatte disqualifizieren die sich eh....

BrunoKreisky83
224
19.11.2011, 17:58
Faymann-Bashing ist Schwachsinn

Bankenabgabe, Mindestsicherung, Ortstafeln, Alleinverdienerabsetzbetrag, Abschaffung der Studiengebühren, Erhöhte Stiftungsbesteuerung, Aktienbesteuerung ab Tag 1- nicht nach 1 Jahr-
Das sind alles sozialdemokratische Kernforderungen- bei denen Jahrelang nix weitergegangen ist- Und er hat sie durchgesetzt- Ich finde dieses Werner Faymann Bashing absoluten Schwachsinn- Strache hat gefakte Personen in seinem Facebook-Account- die Grünen haben gefakte Basisdemokratie- das BZÖ täuscht eine ganze Partei vor- Also warum immer dieses Faymann-Bashing?

hcl3
01
20.11.2011, 15:38

aha das ist wohl auch der grund weshalb die rudaspartie grad alle parteileute absägt
welche o.g. forderung formuliert und in den raum gestellt haben

CentralAI
11
20.11.2011, 12:14
Der Rest stinkt noch!

Bankenabgabe -> Zahlt der Kunde, d.h. Schwachsinn

Mindestsicherung -> nur marginale Verwaltungseinsparungen, teils nicht nachvollziehbare Einschränkungen für die ganz Schwachen in unserer Gesellschaft, das Urteil dürfen Sie sich selber bilden

Ortstafeln -> kein Kommentar zu diesem NICHT-Thema

Alleinverdienerabsetzbetrag -> Eine sinnvolle Reform wurde wieder unterlassen

Abschaffung der Studiengebühren -> Eine sinnvolle Reform wurde wieder unterlassen

Erhöhte Stiftungsbesteuerung -> Stimmt

Aktienbesteuerung -> kompletter Unsinn, trifft nur die Kleinaktionäre, bevorzugt professionelle Trader, d.h. Aktionismus

Was hat er gemacht, er hat eine EINZIGE zum Himmel stinkende Ungerechtigkeit beseitigt? Super Leistung fürs Geld

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