Lichtbildkunst sorgte in Paris für Warteschlangen. Zwischendurch gastierte der Hype auch in Wien
Der Ansturm anlässlich der Paris Photo (bis 13. 11.) überrasche ihn
jedes Jahr aufs Neue, schildert Johannes Faber. Gefühlt hätten sich die
Menschenmassen heuer in Zweierreihen um das Grand Palais gezwirbelt, und
das bei einem Eintrittspreis von 25 Euro. Aber das ist eben Paris, und
wenn die internationale Metropole der Fotografie Mitte November ihr
jährliches Lichtbildkunst-Brimborium veranstaltet, dann ist
leidenschaftliches Schlangenstehen nur ein petit Nebeneffekt. Bien sûr
wird auch gekauft, und das nicht zu knapp. Der aus Wien angereiste
Vintage-Galerist ist zufrieden, sehr zufrieden sogar.
Gedeihlich versteigerten zeitgleich auch die Auktionshäuser ihre Ware,
Sotheby's (11. 11., 1,87 Mio. Euro) ebenso wie Christie's mit drei
Auktionen (5,91 Mio.). Den höchsten Zuschlag der Woche erteilte
Christie's für Henri Cartier-Bressons legendäres Motiv Derrière la gare
Saint-Lazare (1932, Abzug von 1946): Der Pfützenhüpfer - das einzige
jemals von ihm beschnittene Bild - gefiel einem anonymen Käufer bis zu
433.000 Euro. In Wien hält Faber indes einen Abzug von 1960 für
wohlfeile 38.000 Euro bereit.
Cartier-Bresson in Wien
Seit der Gründung der HCB-Fondation im Jahr 2003 stiegen analog zu
zahlreichen in Kooperation mit Museen veranstalteten Ausstellungen - u.
a. im deutschen Wolfsburg (bis 13. 5. 2012) und in Wien (Kunst Haus, bis
26. 2. 2012) - vor allem das Angebotsvolumen und im Falle von
Signature-Motiven auch der Wert.
Im Zuge der aktuellen Westlicht-Auktion
(12. 11.) blieben wiederum zwei weniger bekannte Abzüge unverkauft.
Insgesamt schlug sich die Herbstsause von Peter Coeln mit 482.000 Euro
und einer Verkaufsquote von 83 Prozent beachtlich. Den höchsten Zuschlag
bewilligte der amerikanische Handel für zwei Daguerreotypien (36.000),
gefolgt von Ex-Albertina-Kuratorin Monika Faber, die sich im Auftrag
eines anonymen Sammlers eines der zeitgenössischen Abbilder von Oskar
Kokoschkas Alma-Puppe für 24.000 Euro sicherte. (Olga Kronsteiner / DER STANDARD, Printausgabe, 19./20.11.2011)