Therapieresistente Depression effektiver behandeln

18. November 2011, 13:39
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Stufenschema soll Mediziner unterstützen, Depressionspatienten zu behandeln

Wien - Etwa jedem vierten Depressionspatienten hilft eine einfache medikamentöse Behandlung nicht oder nur unzureichend. Neue Leitlinien sollen die Behandlung effektiver machen und die Ärzte unterstützen, therapieresistente oder chronisch depressive Patienten zu behandeln. Sie wurden von der Österreichischen Gesellschaft für Neuropsychopharmakologie und Biologische Psychiatrie (ÖGPB) bei einer Pressekonferenz anlässlich ihrer 13. Tagung im Messezentrum Wien präsentiert.

Viele Suizide durch Depressionen ausgelöst

Die "Volkskrankheit Depression" ist in allen Industrieländern im Vormarsch. In Österreich sind etwa 400.000 Menschen betroffen, so ÖGPB-Präsidentin Susanne Lentner. Die Krankheit sei nicht nur die häufigste Ursache für Frühpension und Arbeitsunfähigkeit, sondern auch für 70 bis 80 Prozent der Suizide verantwortlich. Bei fast der Hälfte der Betroffenen werde die Krankheit nicht erkannt, entweder weil die Allgemeinmediziner nicht ausreichend geschult sind oder die depressiven Menschen gar nicht erst zum Arzt gehen, sagte Michael Bach, Primar am Landeskrankenhaus Steyr (OÖ).

Nur jeder zehnte Patient überhaupt erhält eine Therapie, die von den Zulassungsbehörden als effektiv eingestuft wird, ergänzte Siegfried Kaspar von der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Medizinischen Universität Wien. Er beklagte, dass der Depression oft nachgesagt werde, die Krankheit gebe es nicht, sie sei eine Erfindung der Psychiater und wenn man sie heilen wolle, funktioniere es nicht. Das sei für den Therapieerfolg nicht gerade förderlich, so Kaspar.

Leitlinien bei komplexen Fällen

Leitlinien in Form eines Konsensus-Statements der ÖGPB sollen den Medizinern helfen, den besonders komplexen Fall der therapieresistenten Depression zu behandeln, also jene Fälle, in denen mindestens zwei unterschiedliche Antidepressiva nicht die erwünschte Wirkung brachten. Studien zeigten, so Bach, dass es sich auszahlt, wenn sich die Ärzte an ein solches Schema halten, der Behandlungserfolg würde von 60 auf 70 bis 75 Prozent steigen. Er merkte an, dass sich eine verbesserte Therapie auch volkswirtschaftlich auszahlen würde: "Der teuerste Weg ist, nicht zu behandeln, der zweitteuerste, eine schlechte Behandlung und die drittteuerste Möglichkeit: eine gute Behandlung."

Die Leitlinien der ÖGPB schlagen vor, zunächst die Dosis des Medikaments zu erhöhen, und, wenn damit kein Erfolg zu verzeichnen ist, ein zweites Antidepressivum gleichzeitig zu verabreichen. Als nächsten Schritt sollen die Ärzte Zusatzbehandlungen mit anderen Medikamenten oder Therapieformen wie Psychotherapie, Schlafentzug und Elektrokrampftherapie versuchen. Einfach ein anderes Antidepressivum mit unterschiedlicher Wirkungsweise zu probieren sei laut Studien nur in wenigen Fällen erfolgreich. (APA)

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