g.tec: "Sind extrem auf Forschung bezogen"
Auf technische Schnittstellen zwischen dem Gehirn und
dem Computer hat sich die steirisch-oberösterreichische Firma g.tec
spezialisiert. Das Unternehmen ging 1999 als Spin-Off aus der
Technischen Universität Graz hervor und hat sich seither als
wichtiger Technologielieferant für Forschungsinstitutionen etabliert,
die sich mit Hirnforschung auseinandersetzen. Im Zuge des
"CyberRat"-Projekts arbeitet man beispielsweise in einem
internationalen Forschungsnetzwerk an einem neuen Zugang zu
neuronaler Reizverarbeitung.
Brain-Computer-Interface
"Wir haben vor zwölf Jahren mit nur einem Gerät und der
dazugehörigen Software begonnen", so Gunther Krausz, Leiter der
Forschungs- und Entwicklungsabteilung von g.tec. Beim Vertrieb dieses
Geräts, das auf Ideen der beiden Geschäftsführer Christoph Guger und
Günter Edlinger beruhte, habe sich "ein gewisser Erfolg eingestellt",
so der Wissenschafter. Hier handelte es sich um einen Verstärker für
Signale, die bei der Messung von Hirnströmen abgeleitet werden und um
ein Programm, das die Verarbeitung dieser Signale in Echtzeit leisten
konnte - also ein sogenanntes Brain-Computer-Interface (BCI).
Marktführerschaft
BCI-Anwendungen seien auch "bis heute einer der Schwerpunkte
geblieben". Im Lauf der Jahre habe man sich eine gewisse
Marktführerschaft auf dem Gebiet erarbeitet, so Krausz, der darauf
verweist, dass das Unternehmen aktuell über 26 Mitarbeiter und
Niederlassungen in Graz und Schiedlberg (OÖ) verfügt. "Wir haben
mittlerweile mehrere Verstärkertechnologien entwickelt, es gibt eine
Vielzahl an Softwarelösungen zum Aufzeichnen, Analysieren und
Verarbeiten dieser Signale und eine Vielzahl von Elektroden und
Sensorensystemen."
Auf Forschung bezogen
"Unsere Firma ist extrem auf Forschung bezogen", so der
Entwicklungsleiter. Man versuche auf Konferenzen und Messen
festzustellen, welche Geräte sich die Wissenschafter wünschen und
versuche sich dann an deren Umsetzung. Zu solchen Themen würden dann
kleine Teams gebildet, die ein Produkt von der Idee bis zur
Marktreife begleiten. "Wir sind hier sehr präsent, publizieren
Papers, machen Vorträge, präsentieren Poster zu unseren
Forschungsprojekten und versuchen engen Kontakt zu den Forscher zu
halten". So könne man auf veränderte Anforderungen "gut und schnell
regieren", so Krausz.
CyberRat
Der zweite Bereich sei Forschung im Rahmen von internationalen
Projekten, in die die Firma eingebunden ist. Aktuell sei man in etwa
zehn derartigen Projekten engagiert, die jeweils ein spezifisches
Thema behandeln, wie das etwa im Projekt "CyberRat" der Fall sei. Neu engagiert sich das Unternehmen in der Messung von sogenannten
ECoG-Signalen. Hier werden Elektroden operativ in die Oberfläche des
Gehirns eingebracht, um dort Signale zu registrieren. Das käme
beispielsweise bei Epilepsie-Patienten zur Anwendung, wo vor
Operationen genaue Funktionslandkarten des Gehirns erstellt werden.
Trockenelektroden
Der Markt habe auch vermehrt "Trockenelektroden" gefordert,
verweist Krausz auf die jüngste Innovation des Unternehmens. Das sind
Elektroden, die die Ableitung von Gehirnströmen ohne
leitungsförderndes Gel ermöglichen. Diese Entwicklung sei nun
marktreif. Nach wie vor sei man auch der einzige Anbieter weltweit,
der ein Brain-Computer-Interface anbietet, das auch zu Hause oder in
einer Pflegeeinrichtung eingesetzt werden kann. Hier könnten
schwerstbehinderte, gelähmte Menschen sich quasi mit der Kraft der
Gedanken verständigen, indem sie lernen, Buchstaben auf einem
Bildschirm auszuwählen. (APA)