Spin-Off der TU Graz bietet Brain-Computer-Interface für zu Hause

18. November 2011, 11:18
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g.tec: "Sind extrem auf Forschung bezogen"

Auf technische Schnittstellen zwischen dem Gehirn und dem Computer hat sich die steirisch-oberösterreichische Firma g.tec spezialisiert. Das Unternehmen ging 1999 als Spin-Off aus der Technischen Universität Graz hervor und hat sich seither als wichtiger Technologielieferant für Forschungsinstitutionen etabliert, die sich mit Hirnforschung auseinandersetzen. Im Zuge des "CyberRat"-Projekts arbeitet man beispielsweise in einem internationalen Forschungsnetzwerk an einem neuen Zugang zu neuronaler Reizverarbeitung.

Brain-Computer-Interface

"Wir haben vor zwölf Jahren mit nur einem Gerät und der dazugehörigen Software begonnen", so Gunther Krausz, Leiter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung von g.tec. Beim Vertrieb dieses Geräts, das auf Ideen der beiden Geschäftsführer Christoph Guger und Günter Edlinger beruhte, habe sich "ein gewisser Erfolg eingestellt", so der Wissenschafter. Hier handelte es sich um einen Verstärker für Signale, die bei der Messung von Hirnströmen abgeleitet werden und um ein Programm, das die Verarbeitung dieser Signale in Echtzeit leisten konnte - also ein sogenanntes Brain-Computer-Interface (BCI).

Marktführerschaft

BCI-Anwendungen seien auch "bis heute einer der Schwerpunkte geblieben". Im Lauf der Jahre habe man sich eine gewisse Marktführerschaft auf dem Gebiet erarbeitet, so Krausz, der darauf verweist, dass das Unternehmen aktuell über 26 Mitarbeiter und Niederlassungen in Graz und Schiedlberg (OÖ) verfügt. "Wir haben mittlerweile mehrere Verstärkertechnologien entwickelt, es gibt eine Vielzahl an Softwarelösungen zum Aufzeichnen, Analysieren und Verarbeiten dieser Signale und eine Vielzahl von Elektroden und Sensorensystemen."

Auf Forschung bezogen

"Unsere Firma ist extrem auf Forschung bezogen", so der Entwicklungsleiter. Man versuche auf Konferenzen und Messen festzustellen, welche Geräte sich die Wissenschafter wünschen und versuche sich dann an deren Umsetzung. Zu solchen Themen würden dann kleine Teams gebildet, die ein Produkt von der Idee bis zur Marktreife begleiten. "Wir sind hier sehr präsent, publizieren Papers, machen Vorträge, präsentieren Poster zu unseren Forschungsprojekten und versuchen engen Kontakt zu den Forscher zu halten". So könne man auf veränderte Anforderungen "gut und schnell regieren", so Krausz.

CyberRat

Der zweite Bereich sei Forschung im Rahmen von internationalen Projekten, in die die Firma eingebunden ist. Aktuell sei man in etwa zehn derartigen Projekten engagiert, die jeweils ein spezifisches Thema behandeln, wie das etwa im Projekt "CyberRat" der Fall sei. Neu engagiert sich das Unternehmen in der Messung von sogenannten ECoG-Signalen. Hier werden Elektroden operativ in die Oberfläche des Gehirns eingebracht, um dort Signale zu registrieren. Das käme beispielsweise bei Epilepsie-Patienten zur Anwendung, wo vor Operationen genaue Funktionslandkarten des Gehirns erstellt werden.

Trockenelektroden

Der Markt habe auch vermehrt "Trockenelektroden" gefordert, verweist Krausz auf die jüngste Innovation des Unternehmens. Das sind Elektroden, die die Ableitung von Gehirnströmen ohne leitungsförderndes Gel ermöglichen. Diese Entwicklung sei nun marktreif. Nach wie vor sei man auch der einzige Anbieter weltweit, der ein Brain-Computer-Interface anbietet, das auch zu Hause oder in einer Pflegeeinrichtung eingesetzt werden kann. Hier könnten schwerstbehinderte, gelähmte Menschen sich quasi mit der Kraft der Gedanken verständigen, indem sie lernen, Buchstaben auf einem Bildschirm auszuwählen. (APA)

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g.tec

  • Auf technische Schnittstellen zwischen dem Gehirn und
dem Computer hat sich die steirisch-oberösterreichische Firma g.tec
spezialisiert.
    foto: gtec

    Auf technische Schnittstellen zwischen dem Gehirn und dem Computer hat sich die steirisch-oberösterreichische Firma g.tec spezialisiert.

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