25.000 Todesfälle im Jahr durch Antibiotikaresistenzen

18. November 2011, 11:07

Die EU will Antibiotikaresistenz bekämpfen - Falsche Anwendung und Missbrauch sollen verhindert werden

Brüssel - Die EU-Kommission will mit einem Maßnahmenpaket die Resistenz gegen Antibiotika in den nächsten fünf Jahren stärker bekämpfen. 25.000 Todesfälle in der EU pro Jahr sind auf arzneimittelresistente Bakterien zurückzuführen und kosten den Gesundheitssystemen sowie Unternehmen rund 1,5 Mrd. Euro, schätzt die Kommission. "Wir müssen rasch und entschlossen handeln, wenn wir nicht die Möglichkeit verlieren wollen, bakterielle Infektionen bei Mensch und Tier mit Antibiotika zu behandeln", sagte EU-Gesundheitskommissar John Dalli in Brüssel. Deutliche Kritik übte Dalli am Antibiotika-Missbrauch durch Landwirte.

Falsche Anwendung und Missbrauch verhindern

Die medizinische Revolution durch Antibiotika vor 70 Jahren sei durch resistente Bakterien ernsthaft gefährdet, betonte Dalli. Ziel sei es nicht nur, neue Antibiotika-Medikamente zu entwickeln, sondern auch die falsche Anwendung und den Missbrauch zu verhindern. "Neue Antibiotika sind nur eine kurze Lösung, wenn wir sie falsch verwenden." Bei Landwirten gebe es eine exzessive Praxis, Antibiotika einzusetzen und oftmals illegal ohne ärztliche Begleitung eingesetzt.

Die zwölf geplanten Maßnahmen sollen die weitere Ausbreitung der Antibiotikaresistenz verhindern und neue antibiotische Behandlungsmöglichkeiten schaffen. Die EU-Kommission will unter anderem die EU-Rechtsvorschriften für Tierarzneimittel und Fütterungsarzneimittel verschärfen, die Infektionsprävention und -kontrolle in Krankenhäusern stärken und die Forschungszusammenarbeit fördern. Außerdem sollen die Überwachungssysteme für Antibiotikaresistenz ausgebaut werden und die Öffentlichkeit stärker für das Thema sensibilisiert werden.

Es sei von "entscheidender Bedeutung, dass wir die nächste Antibiotikageneration entwickeln", betonte EU-Kommissarin Forschungskommissarin Maire Geoghegan Quinn. In den vergangenen drei EU-Forschungsprogrammen habe die Union rund 600 Mio. Euro in diesem Bereich investiert.

Umsichtige Verschreibung und Hygienemaßnahmen

Österreich, Irland, Großbritannien und Frankreich konnten im vergangen Jahr die Antibiotikaresistenz senken, erklärte Marc Sprenger, Direktor des Europäischen Zentrums für Krankheitskontrolle (ECDC). Damit sei klar, dass einer "der schwerwiegendsten Gesundheitsprobleme" unserer Zeit gelöst werden kann. Unter anderem durch die umsichtige Verschreibung von Antibiotika und die Einhaltung von Hygienemaßnahmen durch medizinisches Personal, vor allem das Händewaschen. Der Spardruck im Spitalsektor in den EU-Mitgliedsstaaten dürfe nicht zu einer Abnahme der Hygiene führen, warnte Sprenger.

Laut den am Donnerstag veröffentlichten Daten des ECDC nimmt beispielsweise EU-weit die Antibiotikaresistenz von Krankheitserregern zu, die in Krankenhäusern häufig zu Lungenentzündung und Harnwegsinfektionen führen. Auch können resistente Bakterien über die Nahrungsmittelmittelkette oder durch direkten Kontakt vom Tier auf den Menschen übertragen werden. (APA)

Share if you care
7 Postings

(Meine Meinung)
Die leichtfertige Verschreibung von Antibiotika hat 2 Gründe

- Patienten wollen (und können - Fernbleiben von der Arbeit für 5-7 Tage) einfache Infektionen nicht auskurieren. Man geht zum Hausarzt und will etwas verschrieben bekommen
- weil Ärzte Patienten nicht vertrauen (können), dass diese wiederkommen falls die Infektion schwerer wird, nachdem man sie ohne Medikamente nach Hause schickt, verschreiben sie lieber gleich etwas.

-->Es ist also kein rein medizinisch-hygienisches Problem denke ich.

Wo gibt es die Referenz zu den 25.000 Todesfällen in der EU. Würde ich gerne nachlesen.

Österreich konnte in den letzten Jahren in einigen Bereichen die Antibiotikaresistenzen senken oder stabilisieren, in anderen sind sie gestiegen.

Mit "Bereichen" sind hier nicht bestimmte Spitäler oder sowas gemeint, sondern bestimmte Bakterienstämme, die gegen bestimmte Antibiotika resistent sind.
Und es stimmt schon, dass Antibiotika in der Tierzucht nichts verloren haben. Aber mindestens genauso wichtig ist Händehygiene, vor allem im Krankenhaus (nicht so selbstverständlich, wie man glauben würde!) und der zurückhaltende Gebrauch vor allem neuer und breit wirksamer Antibiotika. Nicht zuerst breit behandeln und dann "deeskalieren", sondern zuerst intelligent behandeln und die Behandlung nach Einlangen der mikrobiologischen Befunde modifizieren, lautet die Devise.

heutzutage

bekommt man ja wegen jeden Schei* gleich Antibiotika verschrieben, und sei es nur wegen 3x husten ...
Insofern überrascht das ganze nicht.

Hast du schon recht, nur so lange ein Brathendl in 35 Tagen!! Lebenszeit im DURCHSCHNITT 3 mal!!! mit Antibiotika behandelt wird wundert mich gar nix. Eigentlich hat man ja Antibiotika zur Wachstumsförderung verboten, jetzt melden unsere AMA Gütesiegel Bauern eben den ganzen Bestand als krank und dem Veterinär bleibt eben nix anderes übrig...Resultat - jetzt wird mehr Antibiotika verwandt als jemals zuvor. Wenn man sich die Haltungsbedingungen in den meisten AMA Gütesiegel Ställen so ansieht wundert es einen aber ohnehin nicht mehr. Wenn da ein Tier krank ist muss es ja beinahe alle erwischen vor lauter viel Platz! Berlakovitsch prima!! Besondes bedenklich ist ja daß die Viecherl unsere abgelaufenen Antibiotika erhalten - also die selben!

Also ich kenne keinen Tierarzt, der die abgelaufenen Antibiotika von der Apotheke holt...

Fazit, beim nächsten Husten nicht zum Arzt sondern zum Hendlbäter - all inclusive sozusagen, und natürlich alles AMA Gütesiegel sicher!!!

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.