25.000 Todesfälle im Jahr durch Antibiotikaresistenzen

Die EU will Antibiotikaresistenz bekämpfen - Falsche Anwendung und Missbrauch sollen verhindert werden

Brüssel - Die EU-Kommission will mit einem Maßnahmenpaket die Resistenz gegen Antibiotika in den nächsten fünf Jahren stärker bekämpfen. 25.000 Todesfälle in der EU pro Jahr sind auf arzneimittelresistente Bakterien zurückzuführen und kosten den Gesundheitssystemen sowie Unternehmen rund 1,5 Mrd. Euro, schätzt die Kommission. "Wir müssen rasch und entschlossen handeln, wenn wir nicht die Möglichkeit verlieren wollen, bakterielle Infektionen bei Mensch und Tier mit Antibiotika zu behandeln", sagte EU-Gesundheitskommissar John Dalli in Brüssel. Deutliche Kritik übte Dalli am Antibiotika-Missbrauch durch Landwirte.

Falsche Anwendung und Missbrauch verhindern

Die medizinische Revolution durch Antibiotika vor 70 Jahren sei durch resistente Bakterien ernsthaft gefährdet, betonte Dalli. Ziel sei es nicht nur, neue Antibiotika-Medikamente zu entwickeln, sondern auch die falsche Anwendung und den Missbrauch zu verhindern. "Neue Antibiotika sind nur eine kurze Lösung, wenn wir sie falsch verwenden." Bei Landwirten gebe es eine exzessive Praxis, Antibiotika einzusetzen und oftmals illegal ohne ärztliche Begleitung eingesetzt.

Die zwölf geplanten Maßnahmen sollen die weitere Ausbreitung der Antibiotikaresistenz verhindern und neue antibiotische Behandlungsmöglichkeiten schaffen. Die EU-Kommission will unter anderem die EU-Rechtsvorschriften für Tierarzneimittel und Fütterungsarzneimittel verschärfen, die Infektionsprävention und -kontrolle in Krankenhäusern stärken und die Forschungszusammenarbeit fördern. Außerdem sollen die Überwachungssysteme für Antibiotikaresistenz ausgebaut werden und die Öffentlichkeit stärker für das Thema sensibilisiert werden.

Es sei von "entscheidender Bedeutung, dass wir die nächste Antibiotikageneration entwickeln", betonte EU-Kommissarin Forschungskommissarin Maire Geoghegan Quinn. In den vergangenen drei EU-Forschungsprogrammen habe die Union rund 600 Mio. Euro in diesem Bereich investiert.

Umsichtige Verschreibung und Hygienemaßnahmen

Österreich, Irland, Großbritannien und Frankreich konnten im vergangen Jahr die Antibiotikaresistenz senken, erklärte Marc Sprenger, Direktor des Europäischen Zentrums für Krankheitskontrolle (ECDC). Damit sei klar, dass einer "der schwerwiegendsten Gesundheitsprobleme" unserer Zeit gelöst werden kann. Unter anderem durch die umsichtige Verschreibung von Antibiotika und die Einhaltung von Hygienemaßnahmen durch medizinisches Personal, vor allem das Händewaschen. Der Spardruck im Spitalsektor in den EU-Mitgliedsstaaten dürfe nicht zu einer Abnahme der Hygiene führen, warnte Sprenger.

Laut den am Donnerstag veröffentlichten Daten des ECDC nimmt beispielsweise EU-weit die Antibiotikaresistenz von Krankheitserregern zu, die in Krankenhäusern häufig zu Lungenentzündung und Harnwegsinfektionen führen. Auch können resistente Bakterien über die Nahrungsmittelmittelkette oder durch direkten Kontakt vom Tier auf den Menschen übertragen werden. (APA)

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