Differenzen mit Prammer über Geheimhaltung der Akten

18. November 2011, 10:57

Parlamentspräsidentin will "Lesezimmer" für Geheimakten - Ausschuss lehnt ab und will alle Akten auf DVD brennen

Wien - Der Korruptions-Untersuchungsausschuss hat am Freitag seine Beweismittel-Bestellung auf den Weg geschickt. Vor allem die Justiz ist damit gefordert, ihre Ermittlungsakten über die aktuellen Korruptionsaffären ans Parlament zu übermitteln. Außerdem will sich Ausschuss-Vorsitzende Gabriela Moser kommende Woche mit Nationalratspräsidentin Barbara Prammer (SPÖ) treffen, um Differenzen über die Geheimhaltungspolitik im Ausschuss auszuräumen. Die Abgeordneten wollen nämlich sämtliche Unterlagen auf DVD brennen und lehnen darüber hinaus gehende strengere Geheimhaltungsbestimmungen ab.

Prammer hatte am Montag darauf gepocht, dass besonders sensible Akten nicht (wie alle anderen Unterlagen im U-Ausschuss) als "vertraulich", sondern als "geheim" eingestuft werden. Diese Unterlagen dürften dann nicht auf DVD an die Parlamentsklubs verteilt, sondern lediglich in einem eigens dafür eingerichteten Leseraum eingesehen werden. Die Abgeordneten lehnen das ab. Moser argumentierte, dass die Regierung nur für Informationen, die die Sicherheit der Republik gefährden, eine Einstufung als "geheim" vorsehe. Außerdem habe die Staatsanwaltschaft bei einem Gespräch am Donnerstag keine Einwände gegen die elektronische Vervielfältigung gehabt.

Telekom zuerst

Laut Moser ist der Ausschuss mit der Justiz übereingekommen, dass besonders sensible Daten (in begründeten und dokumentierten Fällen) vorerst nicht ans Parlament übermittelt werden müssen. Als Entgegenkommen an die Staatsanwaltschaft werde sich der Ausschuss zum Auftakt auch nicht wie geplant mit den Zahlungen der Telekom an den Lobbyisten Peter Hochegger beschäftigen. Stattdessen werden die anderen Telekom-Themen vorgezogen: Die mutmaßliche Manipulation des Börsenkurses durch das Management im Jahr 2004, mögliche Kickback-Zahlungen beim Erwerb ausländischer Beteiligungen und der Verdacht, die Telekom könnte Politiker für die Erarbeitung von gefälligen Gesetzesentwürfen bestochen haben.

Moser hofft, den "Dissens" zwischen Prammer und dem U-Ausschuss kommende Woche ausräumen zu können. Die ersten bei Ministerien, Rechnungshof und Landesregierungen "bestellten" Akten erwartet der Ausschuss noch im Dezember, 80 Prozent der angeforderten Unterlagen kommen laut Moser von der Justiz. Die ersten Zeugenladungen werden laut Moser wohl Ende Dezember/Anfang Jänner beschlossen. Die Zeugenbefragungen werden demnach Ende Jänner beginnen und sollen, wie Moser betonte, trotz der laufenden Ermittlungen der Justiz "sicher" medienöffentlich stattfinden.

Gegen Lesezimmer

SP-Fraktionsvorsitzender Hannes Jarolim bestätigte, dass der Ausschuss sämtliche Daten auf elektronischem Wege zur Verfügung gestellt haben möchte und ein Lesezimmer für geheime Akten ablehnt. Er verwies darauf, dass die Staatsanwaltschaft Unterlagen, deren Veröffentlichung etwa laufende Ermittlungsschritte gefährden würde, ohnehin nicht sofort ans Parlament übermitteln müsse. Man habe mit der Justiz vereinbart, dass derartige Unterlagen erst nach Abschluss der heiklen Ermittlungen nachgeliefert werden. Sein VP-Kollege Werner Amon stellte einmal mehr klar, dass der U-Ausschuss keine geschwärzten Akten akzeptieren werde.

Nationalratspräsidentin Barbara Prammer sagt dem Korruptions-Untersuchungsausschuss für kommende Woche Gespräche über die Geheimhaltungspolitik zu. "Das sind alles Fragen, die sich völlig unaufgeregt zur Zufriedenheit aller Beteiligten klären lassen", so Prammer am Freitag. Es müsse garantiert sein, dass vertrauliche Informationen auch vertraulich bleiben. Ob es dazu einen eigenen Leseraum für besonders geheime Akten brauche oder nicht, das müsse man noch im Detail klären: "Das lässt sich so pauschal nicht beantworten." (APA)

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16 Postings
alecs garwin
01
20.11.2011, 12:02
und gleich beginnt es wieder

widerlich zu werden...

Wieviel Demokratie ist es bitte?
11
20.11.2011, 01:43
Die kleine Feinzwirnkostümierte

spricht irgendwie nur noch mit gespaltener Zunge und handelt entsprechend bigott.

Vierteljährlich kommt von ihr *out of the blue* - eintagsfliegenmäßig - irgendein mit wichtiger Miene in die Landschaft getröteter, hingeschlotzter Demokratiebabblevorstoß, mit dem sie superrevolutionäre, supertransparente Superdemokratieoptimierungen fordert, weil sie während irgendwelcher Reisen zu irgendwelchen reifen, erwachsenen Parlamenten, irgendwelche nice details gefunden hat, die sie hier angeblich etablieren will, aus denen aber eh nie etwas wurde und nie etwas wird und gleichzeitig kollaboriert sie mit Typen wie Graf und vernagelt alles, wo sie nur kann.

I call that major league schizo.

Note: tiny irrlichternde Nervensäge auf dem Radar.

ad vocem
03
19.11.2011, 17:06
Ja, eben!

"Moser argumentierte, dass die Regierung nur für Informationen, die die Sicherheit der Republik gefährden, eine Einstufung als "geheim" vorsehe."

Würde das gemeine Konsum- und Stimmvieh endlich mal erfahren, wie in dem Land systematisch Korruption und Mißwirtschaft betrieben wird, während es sich selber angesichts der Steuerlast bucklig hackelt, dann wäre die Sicherheit der Republik in der Tat gefährdet ...

donna corleona
10
19.11.2011, 10:28

LESEZIMMER für Geheimakten - ein absolut lächerlicher Vorschlag !!!
Informationen würden dadurch nicht mehr oder weniger vertraulich behandelt!
Die Arbeit der Mitglieder des U-Ausschusses würde erheblich erschwert. Das ist nicht im Interesse der Öffentlichkeit!!

somussesnichtsein
03
19.11.2011, 09:40
frau prammer

lassen sie die nicht schönen scherze mit der geheimhaltung oder nehmen sie den hut!

jeder bürger hat ein recht zu erahren welche gaunereien da betrieben worden sind und noch betrieben werden.

Saurer Zivi
01
19.11.2011, 00:54
was solche scharmützel um lesezimmer oder DVD die bürger kosten ist auch klar:

wichtige zeit.

locken
04
18.11.2011, 16:25
Prammer will nur vertuschen !!

playdude
00
18.11.2011, 13:40

wir schicken euch bald judge dredd ins parlament...

phonon
05
18.11.2011, 13:01
Alle Verantwortlichen

sind sich hoffentlich darüber bewusst, dass die Bürger unseres Landes darauf schauen werden, ob rigoros und restlos die Korruptionsfälle aufgeklärt werden. Es steht die angeschlagene internationale REPUTATION unseres Landes auf dem Spiel. Das gilt nicht nur für die politische sondern auch für die juristische Aufklärung.

Monsieur Ridicule
40
18.11.2011, 15:56
Das Problem

ist die Fehlvorstellung vieler Bürger, dass "rigorose und lückenlose Aufklärung" dasselbe ist wie "Bestätigung meines Bauchgefühls, dass der XY schon immer so unsympathisch war und darum garantiert irgendwas ungustiöses getan haben muss". Wenn das gewünschte Ergebnis nicht rauskommt, weil es eben anders war, muss die Untersuchung schuld sein, was sonst.

papst benedikt
00
18.11.2011, 20:36

ja seltsam.
noch seltsamer ist aber, dass ganz offensichtlich seit 30 jahren IMMER die untersuchung schuld ist...

woran das wohl liegt?
daran, dass sich die parteien dort selbst untersuchen sicherlich nicht :)

phonon
01
18.11.2011, 17:22
Ich kann verstehen,

dass Sie Mr. Spott zu dieser Meinung kommen können. Nur ist es diesmal doch ganz anders. Die Bürger haben schon ein gutes Bauchgefühl, ob der Wille zur Aufklärung vorhanden ist und ohne Ansehen der Person und politischer Orientierung, objektiv beurteilt wird. Sicher gibt es solche Bürger, wie Sie sie beschreiben auch. Aber in diesem Fall hoffe ich, dass es Zeit ist für eine Katharsis in unserer Parteienlandschaft.

cannery row
13
18.11.2011, 12:27
die prammer..

ist ein unter den tisch-kehrerin. ihr verkünden des leider-nein-kontrollausschusses im zuge der parlamentsrenovierung war auch mehr als halbherzig.
eine stramme soldatin.
ich bin dafür, dass jeder alles einsehen kann. nur dann besteht die chance, dass endlich dinge wirklich auffliegen und geahndet werden. es muss sich in dieser taschlzieherpartie endlich was ändern.

Althase
00
18.11.2011, 12:52

Führ's Ahnden ist die Justiz zuständig, in einem Untersuchungsausschuss geht es lediglich um die politische Verantwortung.

Der Schärdinger
 
01
18.11.2011, 12:11
Der Schärdinger

Für jeden Schaaß werden externe Ermittler angeheuert, für viel Geld. Es sollten auch hier externe Ermittler ermitteln, sonst kostet das nur Geld und ist für nichts!!!!!!!!!!
So wird da nie was rauskommen, ........
Wir wählen aber wieder, dannnnnnnnnnnnnnn...

W s
00
18.11.2011, 11:47
Ein sauteures Kasperltheater

zur Inszenierung selbstverliebter Politrucks.

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