Chancenungleichheit bei der Bildung hemmt Wohlstand eines Landes

18. November 2011, 10:05
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Zwei Diplomarbeiten zum Thema Bildungsungleichheit von Arbeiterkammer präsentiert

Wien - Auch wenn das Bildungsniveau in Österreich generell in den vergangenen 30 Jahren stark angestiegen ist, sind die Chancen auf höhere Bildung noch immer ungleich verteilt. Diesen sogenannten "Fahrstuhleffekt" hat die Soziologin Nina Sophie Fritsch nun durch einen Vergleich der PISA-Leistungen von Österreich und Finnland belegt. Bildungsungleichheit bedeutet jedoch nicht nur schlechtere Chancen am Arbeitsmarkt, sie hemmt auch den Wohlstand eines Landes insgesamt, wie die Volkswirtschafterin Petra Sauer in einer statistischen Studie zeigt. Die beiden Diplomarbeiten wurden von der Arbeiterkammer (AK) gefördert und am Donnerstagabend in Wien präsentiert.

Waren in Österreich früher Mädchen und Kinder aus ländlichen Gebieten im Bildungsbereich benachteiligt, sind es heute verstärkt Schüler mit Migrationshintergrund und aus ärmeren Familien. Fritsch hat in ihrer Studie für Österreich einen starken Einfluss von sozialer Herkunft, Migrationshintergrund und Geschlecht auf die Ergebnisse der PISA-Studie 2006 im Bereich Naturwissenschaften nachgewiesen. Auch in Finnland schneiden Kinder aus armen Familien und mit ausländischen Wurzeln schlechter ab, die Unterschiede sind laut Fritsch allerdings im Großen und Ganzen "weniger stark ausgeprägt". Zwischen Buben und Mädchen gibt es dort hingegen gar keinen Leistungsunterschied.

Gleicher Zugang zu Bildung erhöht Chancen

Anhand des "Gini-Koeffizienten", einem statistischen Maß zur Darstellung von Ungleichverteilungen, hat Sauer die positiven individuellen und sozialen Effekte von Bildung für 138 Länder über einen Zeitraum von 1950 bis 2010 untersucht. In ihrer Studie zeigt sich nicht nur, dass Bildungsungleichheit per se ein Hemmer von Wohlstand ist. Diese reduziert auch insgesamt die wohlstandssteigernden Effekte von Bildung für ein Land. Dabei gilt: Je höher das durchschnittliche Bildungsniveau, desto nachteiliger wirkt sich Bildungsungleichheit aus. Umgekehrt konnte Sauer belegen, dass gleicher Zugang zu Bildung sowohl die persönlichen Chancen verbessert, als auch Beschäftigung und Wachstum fördert.

"Wir von der Arbeiterkammer wollen, dass alle Kinder unabhängig von ihrer familiären Herkunft gleich gut gefördert werden", so Gabriele Schmid, Leiterin der Abteilung Bildungspolitik der AK Wien, in einer Aussendung. Die AK tritt für weitere Schritte in Richtung gemeinsamer Mittelstufe, mehr Ganztagsbetreuung in guter Qualität und mehr persönliche Förderung in der Schule ein: "Wenn wir alle Talente fördern, ist das gut für jede Einzelne und jeden Einzelnen, und wir sichern damit auch Beschäftigung und Wachstum in unserem Land." (APA)

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