Anklage gegen zwei Ärzte wegen fahrlässiger Tötung

18. November 2011, 18:43
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Dreieinhalbjähriger Bub starb nach einer falschen Behandlung wegen Verstopfung

Innsbruck - Nach dem Tod eines dreieinhalb Jahre alten Buben an der Kinderklinik im April 2010 erhebt die Staatsanwaltschaft Innsbruck Anklage gegen zwei Ärzte. Ein Oberarzt und eine Assistenzärztin werden wegen fahrlässiger Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen vor Gericht stehen. Dem Kind sei trotz einer bekannten Niereninsuffizienz eine zu hohe Dosis phosphathaltigen Einlaufs verabreicht worden, erklärte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Hansjörg Mayr.

Der Bub war am 21. April 2010 wegen einer Verstopfung in der Kinderklinik behandelt und danach entlassen worden. Drei Tage später hatte sich der Zustand des Kindes nicht gebessert. Die Eltern brachten den Buben erneut in die Kinderklinik. Ein erster Einlauf mit einem phosphathaltigen Klistier sei erfolglos geblieben. Die Assistenzärztin habe dann etwas später nach Rücksprache mit dem Oberarzt dem Kind einen weiteren Einlauf verabreicht.

Nach einer erneuten Besprechung mit dem Oberarzt habe es gegen 18 Uhr einen dritten Einlauf gegeben. Der Zustand des Dreieinhalbjährigen habe sich daraufhin massiv verschlechtert, steht in der Erklärung der Staatsanwaltschaft. Schließlich sei der Bub auf die Intensivstation verlegt worden, wo er am 27. April an Multiorganversagen starb. Die Tilak gab umgehend bekannt, dass beide Ärzte nicht mehr an der Klinik arbeiten. Eine Person sei karenziert, die andere habe gekündigt.

Am Mittwoch waren nach dem Todesfall eines dreijährigen Mädchens im Oktober und weiteren bekannt gewordenen Behandlungsfehlern Akutmaßnahmen präsentiert worden, um das Vertrauen der Patienten wiederzuerlangen. Kurzfristig würden Dienstpläne effizienter. Mittelfristig werde die Struktur an der Kinderklinik verbessert. (ver/DER STANDARD, Printausgabe, 19./20.11.2011)

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