Bei heftigen Ausschreitungen in New York nimmt die Polizei 250 Protestierende fest. In London wurde ein Gebäude der UBS besetzt
New York - Bei den Protesten der Occupy-Bewegung in New
York ist es zu heftigen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der
Polizei gekommen. Mehr als 250 Menschen wurden Polizeiangaben zufolge
am Donnerstag in der US-Metropole festgenommen, zehn Demonstranten
und sieben Polizisten wurden verletzt. In London besetzten Aktivisten
der Anti-Banken-Bewegung in der Nacht auf Freitag ein leerstehendes
Bürogebäude der Schweizer Großbank UBS.
Genau zwei Monate nach Beginn der Occupy-Bewegung gegen die Macht
der Finanzmärkte und gegen soziale Ungleichheit versammelten sich
rund 1.000 Demonstranten an der Finanzmeile Wall Street in Manhattan,
die von einem massiven Polizeiaufgebot abgeriegelt wurde. Die Menge
skandierte Parolen wie "Die Wall Street ist geschlossen" und hinderte
Börsianer daran, zu ihren Arbeitsplätzen zu gelangen.
Hunderte Polizisten, unter ihnen zahlreiche berittene Beamte,
bahnten den Börsianern schließlich einen Durchgang und versuchten,
die Straße vor der Börse zu räumen. Dabei kam es zu chaotischen und
gewaltsamen Szenen, Polizisten schlugen mit Schlagstöcken auf
Demonstranten ein. Der Polizei zufolge wurden mehr als 200
Demonstranten festgenommen.
Über die Brooklyn Bridge in den Zuccotti-Park
Nach den Ausschreitungen während des Tages zogen in den
Abendstunden nach Veranstalterangaben 20.000 Menschen über die
Brooklyn Bridge. Der Verkehr auf der Brücke wurde nicht
beeinträchtigt, weil die Demonstranten auf den Fußgänger- und
Radspuren gingen. Zahlreiche Autofahrer hupten, um den Demonstranten
ihre Unterstützung zu signalisieren. Bei dem Marsch über die Brooklyn
Bridge blieb es weitgehend friedlich, die Polizei nahm dennoch 64
Menschen fest. Anfang Oktober hatte die Polizei bei einem
Occupy-Marsch über die Brücke mehr als 700 Demonstranten
festgenommen.
Später versammelten sich rund 2.000 Demonstranten am
Zuccotti-Park. Der Park unweit der Wall Street ist die Wiege der
Protestbewegung, am 17. September hatten dort die ersten
Demonstranten ihre Zelte aufgeschlagen. In der Nacht auf Dienstag
hatten die Behörden das Camp schließlich räumen lassen.
Gekapertes Gebäude soll "Bank der Ideen" werden
Von New York aus hatte sich "Occupy Wall Street" ("Besetzt die
Wall Street") in zahlreiche Städte der USA und in andere Länder
ausgedehnt. Für Donnerstag hatte die Bewegung zu einem weltweiten
Aktionstag aufgerufen. In den USA gab es unter anderem in der
Hauptstadt Washington, in Chicago, Seattle und Dallas Protestmärsche.
In Los Angeles löste die Polizei eine Kundgebung in der Innenstadt
auf und nahm mehr als 70 Menschen fest.
In London besetzten rund ein Dutzend Bankengegner in der Nacht auf
Freitag ein leerstehendes Bürogebäude, das der UBS-Bank gehört. Das
Gebäude im Osten der britischen Hauptstadt solle als "Bank der Ideen"
genutzt werden, teilten die Aktivisten mit. Die UBS-Bank kündigte
"geeignete Maßnahmen" an, Medienberichten zufolge versammelten sich
vor dem Gebäude private Sicherheitsleute. Am Donnerstagabend hatten
Demonstranten der Anti-Banken-Bewegung die Aufforderung zur Räumung
ihres Lagers vor der St. Paul's Cathedral ignoriert. Als die Frist
der Stadtverwaltung ablief, erhoben rund 300 Demonstranten ihre Hände
zu einem "stillen Schrei". Die Verwaltung hatte eine Klage
angekündigt, falls das Ultimatum nicht beachtet werde.
Spaniens "Indignados" protestieren gegen Sparpolitik
Kurz vor den spanischen Parlamentswahlen am Sonntag
ist die Stimmung im Land gereizt. Fast täglich finden Demonstrationen
gegen die wirtschaftliche Krisensituation und die zu erwartenden
Sparprogramme statt. Am Dienstag und Mittwoch protestierten in
verschiedenen Regionen des Landes wie in Katalonien, Galicien und auf
den Kanarischen Inseln Ärzteverbände gegen die bereits praktizierte
und noch zu erwartende Rotstiftpolitik der Regionalregierung im
Gesundheitsbereich. Am Donnerstag gingen Tausende Studenten, Dozenten
und Lehrer in Madrid, Valencia, Murcia und Barcelona auf die Straße,
um gegen Kürzungen im öffentlichen Bildungswesen zu protestieren.
Nach den Massenkundgebungen der spanischen Bürgerprotestbewegung der
"Empörten" am vergangenen Sonntag, wollen die sogenannten
"Indignados" am Samstag erneut für einen "radikalen Wechsel" des
wirtschaftlichen, politischen und sozialen Models lautstark auf den
Straßen der spanischen Hauptstadt protestieren. (APA)