Kapitallücke von Raiffeisen steigt

17. November 2011, 21:21
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Zusätzliche Abschreibungen im dritten Quartal lassen den Bedarf auf 2,5 Milliarden Euro wachsen

Er steigt und steigt: Der Kapitalbedarf österreichischer Banken wurde von der Europäischen Bankaufsicht (EBA) Ende Oktober mit 2,9 Milliarden Euro beziffert. Kurz darauf korrigierte die Erste Group ihre Lücke auf 750 Mio. Euro nach oben, womit die heimischen Großbanken in Summe bereits auf 3,6 Mrd. Euro Defizit kamen. Auch dieser Bedarf wird nicht zu halten sein, dürfte doch die Kapitallücke der Raiffeisen-Bankgruppe deutlich steigen.

Für sie hatte die EBA wegen der neu festgelegten Untergrenze von neun Prozent hartem Kernkapital einen Mangel von 1,9 Milliarden ermittelt. Am kommenden Donnerstag wird die Raiffeisenbank International ihr Ergebnis für die ersten neun Monate vorlegen, und da wird mit gröberen Abschreibungen gerechnet. Unter dem Strich soll der Kapitalbedarf des Bankkonzern daher auf 2,5 Milliarden anschwellen, heißt es aus gut informierten Kreisen.

Über die genauen Ursachen wird derzeit noch gerätselt. Bereits bekannt ist, dass die von Ungarn beschlossene Konvertierung von Schweizer Frankenkrediten zu einem für die Schuldner günstigen Kurs eine Stange Geld kosten wird. RBI soll hohe Forderungen gegenüber Regionalregierungen haben. Insgesamt dürfte das östliche Nachbarland für Risikovorsorgen im Volumen mehrerer hundert Mio. Euro verantwortlich sein, heißt es in eingeweihten Kreisen. Ein Sprecher der RBIsollte gestiegenen Kapitalbedarf nicht kommentieren. Er betonte, dass die Bank im dritten Quartal einen Gewinn erzielt habe.

Schärfere Kriterien angedacht

Die Verbesserung der Kapitalausstattung, die auf EBA-Geheiß bis Ende Juli 2012 abgeschlossen sein soll, wird für Raiffeisen jedenfalls immer schwieriger. Allerdings hat die Bank bereits betont, dass knapp eine Milliarde der Lücke der Nicht-Anerkennung privaten Partizipationskapitals geschuldet sei. Geplant ist nun, dies in Aktien umzuwandeln, womit die Kriterien des harten Kernkapitals (Core Tier 1) erfüllt wären.

Eine halbe Milliarde davon entfällt auf die RZB. Ihr Chef Walter Rothensteiner hat für die Tochter RBI im Standard-Gespräch eine Variante ins Spiel gebracht, bei der das PS-Kapital in Wandelanleihen getauscht werden könnte.

Die Nervosität vor der Ermittlung neuer Kapitallücken ist zuletzt deutlich gestiegen: Die für Europa Ende Oktober gemeldete Zahl von 106 Milliarden hatte sich auf das erste Halbjahr bezogen und die Banken mussten seither hohe Abschreibungen auf Staatsanleihen von Krisenländern tätigen. Im Gespräch ist aber auch eine weitere Verschärfung der Bedingungen: Zuletzt mussten die Geldhäuser ihre Anleihen zu Marktwerten einpreisen, Verluste vor allem in Südeuropa konnten mit Gewinnen insbesondere in Deutschland verrechnet werden.

Nun wird diskutiert, nur noch Wertminderungen zu berücksichtigen, nicht aber Zuwächse. Damit würde auch der Kapitalbedarf deutscher Banken steigen, deren Defizit mit 5,2 Milliarden Euro gering ausgefallen war. (gras/DER STANDARD, Printausgabe, 18.11.2011)

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