Blatter gerät schwer unter Druck

19. November 2011, 18:55
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Es hagelt Kritik, auch Stars wie David Beckham empfinden verharmlosende Aussagen zum Thema Rassismus als inakzeptabel

Los Angeles - Auch Englands Ikone David Beckham hat zu den Äußerungen von Weltverbands-Präsident Sepp Blatter über Rassismus im Fußball Stellung genommen. "Diese Kommentare waren ungeheuerlich. Das haben bereits einige Leute vor mir auch gesagt. Ich glaube, dass seine Aussagen nicht gut für unseren Sport waren", sagte der 36-jährige Mittelfeldspieler des US-Clubs Los Angeles Galaxy am Donnerstag.

Welle der Kritik

"Es gibt keinen Rassismus im Fußball", hatte Blatter in einem TV-Interview erklärt. Die Äußerungen des Schweizers hatten eine Welle der Kritik losgetreten, das Statement des weltweit anerkannten Beckham könnte nun den Druck auf Blatter noch einmal erhöhen. Blatter hatte gemeint, dass alle Vorfälle auf dem Rasen mit einem Handschlag nach Abpfiff vergessen sein sollten.

"Solche Vorfälle kann man nicht mit einem Handschlag unter den Teppich kehren. So sollte Rassismus nicht behandelt werden. Wir alle wollen Rassismus nicht nur aus dem Sport, sondern aus dem gesamten Leben verbannen", erklärte der langjährige englische Teamkapitän. Zuvor hatten bereits Gordon Taylor, Chef der englischen Profifußballer-Vereinigung PFA, den sofortigen Rücktritt Blatters gefordert.

Harter Gegenwind aus England

Der britische Premierminister David Cameron reagierte mit absolutem Unverständnis auf die Äußerungen Blatters: "Es ist entsetzend, zu suggerieren, dass Rassismus in irgendeiner Form als Teil des Spiels akzeptiert werden sollte", sagte Cameron in einer Stellungnahme. "Es ist sehr viel Arbeit in die Verbannung des Rassismus aus unserer Gesellschaft inklusive des Fußballs gesteckt worden - jetzt ist nicht der Zeitpunkt damit aufzuhören."

Für den englischen Sportminister Hugh Robertson hat sich Blatter mit seinen Äußerungen endgültig disqualifiziert. Er nannte die Aussagen des FIFA-Bosses "völlig inakzeptabel" und meinte, er können "nur hoffen", dass er zurücktrete. Ed Miliband, Chef der Labour-Partei, sprach von einer "Schande" und forderte eine "neue Führung" für den Weltfußball.

Blatter entschuldigt sich

Der FIFA-Chef hat die seine Äußerungen inzwischen bedauert. "Es hat geschmerzt und schmerzt immer noch, aber ich konnte eine solche Reaktion nicht voraussehen", sagte er in einem BBC-Interview. Blatter gab zu, "unglückliche Worte" gewählt zu haben, die er "tief bedauere". "Wenn man etwas gesagt hat, was nicht vollkommen korrekt war, kann ich mich nur bei all jenen entschuldigen, die durch meine Erklärungen betroffen wurden", betonte er. Ein Rücktritt kommt für Blatter, der erst im Frühjahr erneut in seinem Amt bestätigt wurde, aber nicht infrage. "Ich kann nicht zurücktreten. Warum sollte ich?", äußerte der Mann aus dem Wallis, der seit 1998 an der Spitze der FIFA steht.

Via Twitter schrieb Blatter später, dass "Rassismus und Diskriminierung jedweder Art keinen Platz im Fußball" hätten: "Das habe ich schon sehr oft betont und das werde ich auch immer und immer wieder sagen." Außerdem ließ er in einer Stellungnahme der FIFA wissen, er wolle das Rassismus-Problem "nicht verharmlosen" und engagiere sich, um "diese Plage" zu beseitigen. In einem weiteren Twitter-Eintrag meint er aber gleichwohl das etwas "Falsches in der Hitze des Gefechts" passieren könne.

Der englische Fußballstar Rio Ferdinand sprach Blatter via Twitter direkt an. "Ihre Aussagen über Rassismus sind so herablassend, dass es fast schon lächerlich ist. Wenn Fans rassistische Lieder singen und uns danach die Hand geben, soll dann alles in Ordnung sein?" Er fühle sich "dumm", weil er gedacht habe, dass der Fußball eine führende Rolle beim Kampf gegen Rassismus einnehmen würde.

Und Neil Warnock, Trainer des Premierligisten Queens Park Rangers, schlug folgende Taktik vor, um Blatter zum Rücktritt zu zwingen: Alle farbigen Spieler  müssten die kommenden internationalen Spiele boykottieren. (APA/sid/red)

  • Sepp Blatter: "At the end of the match it's forgotten"

  • David Beckham: "It can't be sorted out with just a handshake"

  • Sol Campbell: "It's unbelievable"

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