Wertberichtigungen und Rückstellungen lasten schwer auf dem dritten Quartal, ein Aktionärsvertreter rechnet mit Dividendenkürzung
Wien - Nach der Totalwertberichtigung der Problembeteiligung am
Flughafen Friedrichshafen im ersten Halbjahr hat der börsenotierte Flughafen
Wien im dritten Quartal 2011 weitere Abschreibungen und Wertberichtigungen
vorgenommen. Namentlich auf den Terminalneubau Skylink in Wien-Schwechat und auf
die Beteiligung am Flughafen Kosice. Sie färbten das dritte Quartal 2011 rot.
Das Neunmonatsergebnis schrumpft damit auf 20 Mio. Euro zusammen. Im Jahr davor
waren es 72 Mio. Euro gewesen. Die Flughafen-Aktie, die im Frühhandel ein
kleines Kursplus hatte, gab um mehrere Prozent nach.
Der seit Anfang September amtierende neue Vorstand hat Freitagfrüh eine
Gewinnwarnung abgesetzt. Kommenden Dienstag ist Aufsichtsrat. Am nächsten
Donnerstag legt die Gesellschaft detaillierte Quartalszahlen vor. Sie stehen -
bei operativ positivem Verlauf - unterm Strich ganz im Schatten der aktuellen
Abschreibungen und Abwertungen.
Flughafen-Vorstand Günther Ofner sprach vom "Versuch, den
Tisch hier rein zu machen". Aus heutiger Sicht sollte mit den im 3. Quartal
verbuchten "Einmaleffekten und Wertberichtigungen" von 74 Mio. Euro "alles
erledigt sein. Man kann ja nie etwas ausschließen, aber nach dem, was wir heute
wissen, ist das alles".
Anleger rechnen mit Dividendenkürzung
Kleinaktionärsvertreter Wilhelm Rasinger wertet die
angekündigten Abscheibungen am Flughafen Wien als Signal für mehr
Transparenz: "Das alte Management hat Belastungen, über die ohnedies
schon jeder geredet hat, vor sich hergeschoben, es ist erfreulich,
dass neue Management jetzt 'tabula rasa' macht", sagte Rasinger. "Die Kehrseite ist, dass das die Ausschüttungen negativ
beeinflussen wird. Ich rechne damit, dass sich die Dividende für
heuer mindestens halbiert", sagte der Chef des Interessenverbands für
Anleger (IVA).
Abschreibungen
74 Mio. Euro müssen in der Quartalsbilanz abgeschrieben werden - darunter
sind Wertberichtigungen für Skylink-Lasten sowie eine Abschreibung auf das
Kosice-Paket, aber auch Rückstellungen für neue Altersteilzeit von zunächst 75
Airport-Mitarbeitern. Zudem wird der Investitionsplan bis 2015 um 70 Mio. Euro
auf nun 590 Mio. Euro gekürzt. Die Flughafen Wien AG bereitet gegen
Auftragnehmer beim Skylink-Bau Schadenersatzklagen vor, sollten sie nicht
freiwillig zu Rückzahlungen bereit sein. Eine erste Rücküberweisung von 7,6 Mio.
Euro ist bereits erfolgt.
Seit gestern liegen den Airport-Managern aktuelle Schadenszahlen in der
Skylink-Affäre vor. Gutachter hätten wegen Mängeln in der Auftragserfüllung
durch Auftragnehmer sowie durch ungerechtfertigte Kostenerhöhungen in den
untersuchten Fällen 57 Mio. Euro an Schäden festgestellt, berichtete der Airport
heute. Es sei ein Wertberichtigungsbedarf von 29 Mio. Euro festgestellt worden.
Die Justiz ermittelt noch. Der Flughafen bereitet Schadenersatzklagen vor,
allerdings als "ultima ratio", wie Ofner sagte. Nach den technischen Gutachten
und der "juristischen Bewertung" geht es nun an Gespräche: Wer nicht freiwillig
zahlt, wird geklagt.
An der Ende 2006 erworbenen Beteiligung am Flughafen Kosice lag der Buchwert
zuletzt bei 47 Mio. Euro. Zwar wirtschaftete die Gesellschaft bisher
gewinnbringend, die Mittelfristplanung geht nun aber von weniger Verkehr aus.
Deshalb wird Kosice nun mit 21 Mio. Euro wertberichtigt.
Mitarbeiter-Aufnahmestopp in Kraft
Ein unterausgelastetes Gebäude am Airport-Standort Schwechat wird per Ende
September mit 18 Mio. Euro wertberichtigt. Für Altersteilzeitmodelle werden
aktuell 6 Mio. Euro zurückgestellt.
Die Kürzung des Investitionsplans kommt laut Vorstand aus einer Fülle von
Einzelpositionen zusammen. Skylink soll nun doch "billiger" kommen: Laut
heutiger Mitteilung reduzieren sich die maximalen Kosten für den Terminalbau auf
770 Mio. Euro. Damit könnten hier nun sogar Risikovorsorgen aufgelöst werden.
Unverändert bei rund 100 Mio. Euro blieben die extra verbuchten
"Schnittstellenkosten" für Leistungen, die nicht unmittelbar dem Skylink-Projekt
zugerechnet werden. Die Investitionskürzungen bis 2015 verringerten den
Finanzierungsbedarf und damit den Verschuldungsgrad.
Beim Sparprogramm sei man mit Einsparungen bei Sachkosten gut unterwegs,
sagte Ofner. Seit September ist ein Mitarbeiter-Aufnahmestopp in Kraft. Einen
Mehrbedarf nach der Eröffnung von "Skylink" will das Management mit bestehendem
Personal decken, das neu eingesetzt wird. Was die heutige Gewinnwarnung für die
Dividendenerwartung (Haupteigentümer Land Niederösterreich, Stadt Wien,
Mitarbeiterstiftung, Streubesitz) heißt, wurde noch nicht gesagt. (APA)