Hintergrund

Eden Bar: Wo Wien schon immer anders war

17. November 2011, 18:59
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    foto: eden bar

    Der Promifaktor in der Eden war immer hoch. Hier gibt Hausherr Heinz-Werner Schimanko unter Aufsicht von Sibylla Antel sein blankes Haupt der Zunge von Helmut Berger hin - weitere Bilder in dieser Ansichtssache.

Seit 100 Jahren - möglicherweise auch schon länger - festigt die Eden Bar in der Wiener Innenstadt ihren Ruf als Legende – Ein neues Buch erzählt mit Geschichten und Gschichterln die Geschichte des mondänen Nachtclubs

Wien - Legenden haben es leicht. Denn dieses Etikett befreit. Auch davon, dass alles, was erzählt wird, präzise sein muss: Dass die Wiener Eden Bar 2004 ihr 100-Jahr-Jubiläum feierte, gleichzeitig aber auch 2011 ein 100. Eden-Jahr ist - wen stört das? "Die Eden" ist eine Legende. Da hinterfragt man auch nicht, was heute noch dran ist am sprichwörtlichen "Reden in der Eden".

Wer über die Eden ein Buch schreibt, sollte aber tiefer schürfen. Darum war Christian Reichhold und Martin Niederauer klar, dass es mehr als Kalauer braucht, um in einem Buch dem Ort, seinem Ruf und nicht zuletzt seinem 2005 verstorbenen und - hier ist das Wort wieder - legendären Patron Heinz-Werner Schimanko gerecht zu werden.

Also taten die beiden Seitenblicke-Redakteure, was man Berufs-Adabeis gern abspricht: Sie hielten sich bei Die Eden (Amalthea) an Fakten. An Fotos. "Wir hatten das Glück, alle Fotos aus den Schaukästen der Eden zu finden", erklärt Niederauer. Reichhold ergänzt: "Es hätte ein Fotobuch werden können. Aber der Verlag wollte lieber ein richtiges Buch."

Von Albers bis Fitzgerald

Das brachte "viel Arbeit beim Weglassen". Doch so wurde aus einem kurzweiligen Bildband, in dem von Louis Armstrong über Romy Schneider, Percy Sledge, Hans Albers und Ella Fitzgerald bis zum jungen Albert von Monaco die Triple-A-Society der vergangenen Jahrzehnte auftritt, mehr: ein Buch, das durch Geschichten und Gschichterln Geschichte erzählt.

Denn was die Wiener dank der Legenden um Schimanko vergessen, ist, dass es die Eden gab, bevor der Besitzer von Moulin Rouge und Hotel Orient seinen Rolls Royce hier auf dem Gehsteig parkte. Kaum jemand weiß, dass einst eine Emmy Stein das Lokal führte, dass sie in der NS-Zeit wegen Kontaktes zu Juden eingekerkert wurde - und das Lokal einem treuen NSDAP-Parteigänger "zufiel". Wie Stein nach dem Krieg behandelt wurde: die Geschichte vom Umgang mit geraubtem Eigentum im Land der Täter.

Schimanko trat erst später, Mitte der 70er-Jahre, auf den Plan. Er kaufte das Lokal vom Spielsüchtigen Gabor Kenézy - das "Wie" wird wohl nie ganz ans Licht kommen: "legendär". Die Bar war lange einer der wenigen Orte, an denen Wien nicht am Ende einer Sackgasse lag. Provinziellen Mief konterte man hier von jeher mit Internationalität: Als Harry Belafonte Ende der 70er-Jahre wegen seiner Hautfarbe in Linz der Zutritt zu einer Diskothek verweigert wurde, lud Schimanko den Sänger demonstrativ in die Eden ein.

Ein Hort besserer Menschen?

War die Bar also ein Hort besserer, noblerer Menschen? Niederauer verneint: "Jeder Autohändler mit Geld konnte und kann kommen. Was die Eden anders machte, war, dass es nichts Vergleichbares gab." Das lag, so Reichhold, zuletzt auch an Schimanko: "Der war der Erste, der sich in Wien selbst als Marke inszenierte." Lauda und Lugner folgten. Heute versucht es jeder.

Genau das macht die Eden heute aber "zum Dinosaurier" (Reichhold) und "Museum ihrer selbst" (Niederauer). Ausgehen und die mediale Rezeption von "Gesellschaft" haben sich geändert: Heute düst ein Wanderzirkus an Möchtegernprominenz von Event zu Event. Mit Würde und Klasse hat das wenig zu tun. In der Eden dagegen schätzte und schätzt man es dann aber doch immer mondäner, kultivierter und diskreter. Denn das "Reden in der Eden" ist dann doch mehr als eine Legende. (Thomas Rottenberg, DER STANDARD, Printausgabe, 18.11.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 66
1 2
Emil Sacklinger
 
02
19.4.2012, 21:27
falls dem kürzlichen veitstanz des herrn elsner

auch ein kapitel gewidmet ist, überlege ich einen kauf.

(nein, nicht für mich, mein "lieber" chef hat geburtstag. zwar noch nicht den hundertsten, aber er sieht aus, als ob)

meresi
30
20.11.2011, 08:39
mitte der 70-ern

hatten dort auch betuchte verkehrt, die hübsche mädchen wenn sie nicht willig waren ein bisserl vergenotwurzelten...ja ja...M.H.

Der Kluge
11
19.11.2011, 20:16

International, modern, alternativ, tolerant, provokant.....jaja, so kam der Werteverfall daher...

Eduard-Barry Umlauf
 
02
19.11.2011, 13:04
.............also, um hier einer falschen Legendenbildung.....

vorzubeugen, Schimanko war weder Gewerkschafts-Funktionär noch Leiter der Heilsarmee. Der Mann war und kam aus einem Gewerbe bzw. Milieu wo Samthandschuhe unangebracht war. Den Macho mußte er und wollte er Imagebedingt raushängen lassen und ein Waserl war er sicher auch nicht. Doch gerade deshalb, war seine erdige Menschlichkeit, ein Bestandteil seines Wesens und nicht unbedingt selbstverständlich. Und die "Schiller" lehne ich in ihrer schrillen Art auch ab, jedoch, darf man dabei nicht übersehen, dass sie im charitativen Bereich großartiges leistet. Und Lugner als "Mitarbeiterfreundlichen" Überchef habe ich noch nicht erlebt, da fallen mir eher die unkontrollierten Schrei-Orgien ein.

Ingrid Goeschl
10
19.11.2011, 12:22
Ich kann mich erinnern, als mal eine Frauendemo vor seinem Lokal war, war sein Kommentar:

"Schene war da eh keine dabei".

Die Leute, die damals in der Eden-Bar verkehrten, waren jenen nicht unähnlich, die jetzt in Lugner's Opernball-Loge sitzen, mit dem Unterschied, dass Lugner angeblich seine Arbeiter ganz gut behandelt.

Ich bin gespannt, ob sich in 30 Jahren auch Leute brüsten werden, Janine Schiller und das Mausi gekannt zu haben :o)

Eduard-Barry Umlauf
 
13
19.11.2011, 11:08
Es ist schon richtig,.....

Heinz-Werner Schimanko verdiente sich seine ersten Sporen im Rotlichtmilieu, schmierte Beamte und Pollitiker. Hatte einen Hang zum Selbstdarsteller und lies die Puppen tanzen. Er lebte gut, ließ aber andere auch gut leben und wurde aber den Geruch der Straße nie wirklich los. Doch eben, bei allen diese Ingredienzien, vergas er dabei nie ein Mensch zu bleiben. Schimanko praktizierte Handschlagqualität, stand zu seinen Charaktereigenschaften und lies einem nie im Stich. Kommt Ihnen bekannt vor? Mir auch! Jedoch bedauerlicherweise fast nur mehr aus der Vergangenheit.

Ingrid Goeschl
23
19.11.2011, 12:11

Schimanko konnte auch ganz anders.

Er warf Leute von einem Tag auf den anderen ohne irgendeinen Grund hinaus, er wusste genau, wem gegenüber er freundlich und wem gegenüber er verächtlich auftreten konnte und er genoss Zweiteres.

Aber wahrscheinlich waren Sie damals in einer Position, in der Sie nur die erste Seite von S. kennenlernten.

nuts1
00
18.11.2011, 22:37

ich wrde gerne mehr über emmy stein erfahren!!!

bloody-nine
 
05
18.11.2011, 18:42
bin neulich mal zufällig an den schaukästen vorbeigekommen

wie eine geisterbahn.

DAS hat man damals unter mondän-international verstanden?

meinrad
00
19.11.2011, 13:50

naja so is das halt, "society people" schauen meistens ziemlich gruselig aus. vor allem reiche männer zeigen i. A. wenig her

Andre Resestoiserl
01
18.11.2011, 17:19
DIESE EDENBAR

wurde erst durch WALULISOs Besuch geadelt.

T-One
01
18.11.2011, 16:01
preise wie im puff....

Ingrid Goeschl
11
19.11.2011, 12:11

Es war ja auch ein Puff, oder zumindest die Zweigstelle von einem.

T-One
00
21.11.2011, 12:21

aso, dürfte ich da mehr erfahren?

Mokemann1
00
18.11.2011, 11:28
Sinnloses Weihnachtsgeschenk

Interessant ist der erste Absatz [des Artikels], der sich mit dem 100-Jahre-Jubiläum beschäftigt... Wenn also die Verkaufszahlen heuer nicht passen, war also möglicherweise eigentlich 2012 das Jubiläumsjahr zwecks Atrraktionsverlängerung???

Aber egal, Hauptsache das Buch erscheint kurz vor Weihnachten, damit sich die Dinosaurier der Eden- bzw. Club45-Generation wehmütig ein Geschenk unter den Christbaum legen können...

Bleibt aber die Frage, ob diese Partie nicht sympathischer als heutige Buberl-Partien einzustufen ist, bzw. ob das damals nicht gleich "patschert" war, nur mangels medialer Möglichkeiten von niemandem bemerkt wurde?

PS: Das soll die Arbeit der Verfasser nicht schmälern.

Lappe ohne Rentier
610
18.11.2011, 09:43
Man muss aber auch kritisch hinterfragen:

die "Marke Schimanko" stellt im Prinzip nur eines dar: der erste Zuhälter, der - aus welchen Gründen auch immer - gesellschaftlich akzeptiert worden ist. Welch Armutszeugnis für diese Gesellschaft!

Herzelichst
Ihr Lappe

rollie63
15
18.11.2011, 14:03

aus welchen gründen auch immer....
er hat geschmiert und vor allem die polizisten vom deutschmeisterplatz haben ihm alle wünsche erfüllt. habe damals thailändische tänzerinnen gekannt, die im mr als "tänzerinnen" gearbeitet haben und im orient gewohnt haben.
ein paar tage nach ankunft in österreich hatten sie eine aufenthaltsgenehmigung im pass. was sonst monate dauerte, ging über schimanko in einigen stunden. auch die polizisten die sich immer wieder im mr aufhielten und becherten. besonders im winter waren sie dauernd auf ein pauserl im ml.
im orient gab es nie kontrollen, obwohl damals im zb 2. bez razzien in stundenhotels an der tagesordnung waren. wer gut schmiert, der gut fährt.

Ingrid Goeschl
22
19.11.2011, 12:12

Das kann ich bestätigen.

josef1234567
32
18.11.2011, 12:17
Zuhälterei is a bissal mehr als a Buff zu haben.

Prostitution ist ein Gewerbe und nicht automatisch mit Zwang verbunden.
Toulouse Loutrec hängt heute in den besten Museen.

Hui Buh
01
19.11.2011, 02:38
Biff Baff Buff

Der arme T-L rotiert im Grabe.

Peter Hammer 06
01
18.11.2011, 13:06
Toulouse- Lautrec ein Zuhälter ?

Ingrid Goeschl
00
18.11.2011, 14:55

hehe, hab ich mir auch gedacht bei dem Posting :o)

Lappe ohne Rentier
32
18.11.2011, 13:01
Im Prinzip...

...haben Sie recht. Nur einen Koffer wie den Schimanko mit einem Künstler wie Toulouse-Loutrec im selben Atemzug zu nennen ist eine Chuzpe...

Herzelichst
Ihr Lappe

Skywalk
15
18.11.2011, 20:35

Der Atemzug is schon heftig, aber der "Koffer" auch!!

Wenn Sie, werter Lappe, ihn persönlich gekannt hätten, würden sie wohl nicht so von ihm schreiben!

Auch Herzelichst

Ingrid Goeschl
10
18.11.2011, 12:11

Auch nicht von allen, es gab durchaus Leute, die da nicht anstreifen wollten.

Seine Kinder hatten in der Privatschule Probleme, weil die Leute nicht viel Geld für eine Schule ausgeben wollten, um dann ihre Kinder in der gleichen Klasse sitzen zu haben (wobei die Kinder ja nichts für den Beruf des Vaters konnten).

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