"Europäischer Frühling"

Stronach ruft zur sanften Revolution auf

17. November 2011, 18:40

Frank Stronach schlägt vor, dass die Österreicher nur noch 15 Prozent Steuern zahlen sollen - Er glaubt an den baldigen Tod des Euro und möchte eine junge Partei finanzieren

Graz - Frank Stronach ruft zu einer sanften Revolution auf. Von Österreich aus solle "ein europäischer Frühling" beginnen, um einer "zerstörenden Revolution zuvorzukommen". Er wäre bereit, dafür auch in die Tasche zu greifen und die Gründung einer neuen jungen Partei finanziell zu ermöglichen, sagte Stronach Mittwochabend bei einem Vortrag an der Universität Graz, wo er eine Forschungsgruppe zum Thema gesellschaftliche Reformen sponsert. Stronach sagte zu den Studierenden im Auditorium: "Ihr habt neue Möglichkeiten durch die elektronische Vernetzung. Wenn ihr eine Idee habt für eine Partei, wenn das zivilisiert ist, würde ich da sehr viel Geld reingeben. Das ist euer Land, ihr müsst es in die Hand nehmen."

Die momentan am Ruder stehenden Politiker in Österreich seien nicht mehr in der Lage, etwas zu ändern, sie seien "in ihrem eigene System gefangen". Er sei nicht ganz überzeugt, ob sie überhaupt fähig wären, "einen Greißlerladen" zu führen.

Bankenopfer Griechenland

Der Gründer des weltweit 100.000 Mitarbeiter zählenden Autozulieferers Magna will Österreich radikal verändern und von den Schulden befreien: "Die zehn Milliarden Euro, die jährlich an Zinsen zu zahlen sind, was könnte man damit nicht alles machen in der Wissenschaft und Forschung?" Sollte die Regierung nicht umgehend etwas gegen die Schuldenlast unternehmen, stünde Österreich bald in einer Reihe mit Griechenland. "Wir haben unseren guten Lebensstandard auf Schulden aufgebaut", sagte Stronach, "darüber müssen wir nachdenken, sonst wird die Tragödie noch schlimmer als in Griechenland." Wiewohl Griechenland eigentlich ein Opfer der Banken sei, "die haben Griechenland hineingetrieben".

Um die Vermögenssituation der Bevölkerung zu heben, soll nach Meinung Stronachs "gesetzlich in der Verfassung" verankert werden, dass Mitarbeiter in großen Unternehmen "mindestens mit zehn Prozent" am Profit des Betriebes beteiligt werden müssen. Entweder in Cash oder in Form von Aktienbeteiligungen. Stronach: "Wichtig ist, dass keine Kluft zwischen Kapital und Arbeit entsteht. Arbeiter haben das moralische Recht auf einen Teil des Profites." Bei Magna sei dies "gesetzlich" geregelt.

Grundsätzlich verändert werden müsse in Österreich das Steuersystem. Es sei zu kompliziert, eine Steuererklärung müsste "eigentlich auf einer Postkarte Platz haben". Zudem: Unternehmen, die ihren Profit in Österreich investieren, sollten "keine Steuern zahlen müssen". Das österreichische Steuersystem solle jedenfalls vereinfacht und auf ein Flat- Tax-Modell umgestellt werden. Beginnend mit 35 Prozent sollen im Laufe der Jahre am Ende nur noch 15 Prozent Steuern zu zahlen sein. Einkommensbezieher unter 20.000 Euro sollten von Steuerzahlungen befreit werden.

Wobei Stronach überzeugt ist, dass dann ohnehin nicht mehr in Euro gezahlt werde. Diese junge Währung werde nicht sehr alt werden, glaubt Stronach: "Ich habe schon immer gesagt, dass der Euro eine Missgeburt ist, er wird sich in ein, zwei Jahren von selbst eliminieren. Die Währungsunion war ein großer Fehler."

Er sei der Meinung, dass eine Wiedereinführung der alten Währungen die europäischen Länder ökonomisch wieder stärken würde. Was Stronach nicht dezidiert aussprach, aber die Folge wäre, dass auch Österreich natürlich wieder zum Schilling zurückkehren würde.

Kein Cent für Wirtshaussitzer

Wenig hält der vor Jahrzehnten nach Kanada ausgewanderte Steirer davon, dass europäische Länder andere, marode Mitgliedstaaten unter die Arme greifen. Stronach rustikal: "Ein Bauer wird seinem Nachbar helfen, wenn es ein Unwetter gab, aber er wird einem Bauern sicher nicht helfen, wenn der nur im Wirtshaus sitzt." (Walter Müller, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.11.2011)

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Rostiger Nagel
12
14.1.2012, 19:10
Der Mann hat es aus eigener Kraft geschafft ...

ein Imperium aufzubauen. Ich kann ihm nur zu 100% zustimmen. Jetzt sind die Bürger am Zug.

selbst-denker
11
21.11.2011, 09:59
stronach

hat recht, nicht unbedingt im detail, aber im ansatz sicherlich. vor allem, was den (t)euro betrifft, der nur großfirmen, banken und abzockern nützt, die kleinen zahlen jetzt die zeche, wie man sieht. außerdem ist das zinssystem ein einziger skandal, denn da verdienen leute an etwas, für das sie kein bisschen arbeit leisten. fair wäre es, geld in maßen zu verleihen und nur für wenige dinge, um so blasen zu vermeiden, außerdem nur gegen inflationsabgeltung samt unkosten (sog. gewinn), aber niemals gegen zins und zinseszins, der alle(s) ruiniert. völlig irre, unser wirtschaftssystem, weil es auf der idee des unbegrenzten wachstums und auf illusionen beruht. die natur lässt sich nicht überlisten und die ressourcen sind endlich. that's it.

dieDenkerin1
01
22.11.2011, 11:05
Wer könnte es sein

Liebe Leute
ich war selbst bei dem Frank Stronach Vortrag in Wien und mir ist aufgefallen, dass erstaunlich viele von den Jungen Liberalen anwesend waren. Soweit ich das mitbekommen habe hat Claudia Gamon (Spitzenkandidatin der Jungen Liberalen bei den ÖH Wahlen) dem ORF sogar ein Interview gegeben - wurde aber glaube ich nicht gesendet! Was meint ihr die Jungen Liberalen könnten doch die Partei von Frank Stronach sein oder zumindest werden.

Gerhard Bauer181162
 
00
20.11.2011, 21:03
Zuerst Arbeitsbeschaffung, danach zum Start sanfter Revolution

Finde es hervorragend, daß man sich langsam Gedanken über unsere Jugend in Bezug Staatsverschuldung macht.
Hierfür ist es notwendig auch unsere Jugend entsprechende Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen.
Ein bekanntes Unternehmen hat groß anklingen lassen, in nähe Weiz eine E-Fahrradproduktion zu starten. Leider hat diese es vorgezogen im Ausland ihre Antriebsysteme fertigen zu lassen. Puch hat vor Jahren ihre Produktion unverständlich geschlossen. Trotzdem wäre es angebracht in Graz neu mit einer E-Fahrräderproduktion zu starten. Wie und vor allem mit wem man in Graz solche Projekte starten kann, soll genau so überlegt werden, wie und mit wem man in Österreich eine sanfte Revolution startet. Erst
Arbeitsbeschaffung, dann sanfte Revolution.

maus 14
00
20.11.2011, 17:45

taxen oder beteiligungen an gewinnen hatten teilweise bundesbetriebe
jetzt , schon lange nicht mehr
will ma das wieder einführen-hab nichts dagegen
von mir aus kann das rad zum xten - mal erfunden werden
innerhalb von 10 jahren wurden räder schon xmal neu erfunden-rad blieb immer noch rad

real.ist
02
20.11.2011, 17:07
Steuern vs. Sozialabgaben

Interessant - es wird immer nur über Flat-Steuern gesprochen.
Würde er auch 15% Flat-Tax Steuern und 10% Flat-Sozialabgabe (ohne Höchstbemessungsgrundlage) zustimmen? Gleichzeitig keine private Versicherungsmöglichkeit, wodurch eine Flucht der Großverdiener aus der staatlichen Versicherungssumme möglich wird.

khaleb
01
19.11.2011, 16:52
Stronach schlägt vor, dass er statt 45 % nur mehr 15 % Steuer zahlt

dafür sollen die Mindestgehaltempfänger statt 0 % auch 15 % Steuer zahlen.

F. T.
01
19.11.2011, 13:07
Eines ist schon merkwürdig!

Wo sind denn die Länder mit sehr geringen oder keinen Steuern, die so gut dastehen? Merkwürdigerweise sind nämlich alle Länder mit der besten Lebensqualität ausgewiesene Hochsteuerländer. Also, Herr Stronach, bitte um Bekanntgabe der Superländer mit bester Lebensqualität ohne oder mit fast keinen Steuern!

Oder wollen Sie mit Gewalt, dass wir eine schlechtere Lebensqualität für die Menschen in Österreich einführen?

Außerdem, Herr Stronach, wie wäre denn mit nur 15% Steuern ihre kostenlose exzellente Ausbildung zum Metallfacharbeiter in der verstaatlichten österrichischen Industrie, ohne die Sie ja wohl kaum im Ausland so erfolgreich gewesen wären, finanziert worden? Könnten Sie sich auch dazu äußern?

Politiker sind Gauner!!
12
19.11.2011, 07:59
solange man der jugend

nur blödsinn beibringt wie mengenberechnungen, haben es die politikergauner leicht... geld abzuzweigen.
aber wehe wenn die jugend mal draufkommt, wie sie von den alten säcken abgezockt wird, dann gnade ihnen gott

Saint Simon
00
18.11.2011, 13:40
Na ja, wird wohl nicht so einfach funktionieren

Also, die Wirtschaft zahlt praktisch keine Steuern, der Rest der Bevölkerung 15 %. Und damit will er die Staatsschulden zurückzahlen, um mit den 10 Milliarden für die heutigen Zinsen das Paradies auf Erden zu erschaffen.
Einmal mehr wird deutlich: das Pensionsalter 65 hat schon seine Berechtigung.

machs richtig
01
18.11.2011, 23:14
wieso immer so polemisch

Er hat offensichtlich gesagt, dass Investitionen die aus dem Profit getätigt werden, steuerfrei sein sollten. Wenn das Geld also nicht zu den Aktionären oder sonstigen Eigentümern fließt, sondern in Investitionen die in weiterer Folge automatisch wieder Arbeit schaffen, dann soll dieses Geld steuerfrei sein; also nicht erst durch den ganzen Steuer-Verwaltungsapparat, der alleine 30% der Steuereinnahmen auffrisst, und dann von den Politikern, nach dem Prinzip der Wahlstimmenoptimierung verjuxt werden.
Er hat eine sukzessive Redukition der Flat Tax von 35 auf 15 % angeregt. Bei 15% würde es in good old Austria nur so flutschen, weil wir als Standort attraktiv werden würden. Es kann ja nur ein Scherzbold glauben, umso höher die Steuer, desto

LGM
01
20.11.2011, 09:32

(II) Bei 15% flat tax würde vielleicht die (exportorientierte) Wirtschaft flutschen, das Sozialsystem, so wie wir es kennen, sowie sonstige Dienstleistungen der öffentlichen Hand (Schulen, Infrastruktur etc.) könnten wir uns dann aber abschminken.

LGM
00
20.11.2011, 09:30

Nein, was er, zumindest laut Standard, gesagt hat, war: "Unternehmen, die ihren Profit in Österreich investieren, sollten "keine Steuern zahlen müssen"."
Nichts von Besteuerung der in Österreich investierten Investitionen, sondern "keine Steuern".

Saint Simon
00
19.11.2011, 15:07

hat man so Ähnliches nicht bis vor wenigen Jahren auch aus Irland gehört? und jetzt?

Grantscherben
03
18.11.2011, 12:48
Strohsack Denken

Flat-Tax für Unternehmen von 0.0%, dafür erhöhen wir die Lohnsteuer der Arbeitnehmer um 30%. Zur Draufgabe gibts noch superflexible Arbeitszeiten so wie es dem Unternehmen gerade paßt und wälzen damit einen großen Teil des Unternehmerrisikos auf den Arbeitnehmer ab.
Mit angedrohten Werksschließungen werden noch vom Land Förderungen erpresst. Zugesperrt wird der Laden nach 2 Jahren trotzdem wenn nicht wieder eine Förderung fließt ...

Frechdachs
22
18.11.2011, 11:59
Neue Partei

Ja, ich bin dabei! Die alten ÖVPler und die Korrupten gehören endlich abgelöst! Wir wollen aktiv wirtschaften und nicht nur mit rehtorischen Mitteln das Volk "in Schach" halten. Wo kann man sich melden?

V995
13
18.11.2011, 11:26
dieser geldfaschist glaubt er kann alles kaufen

scheint ihm langweilig zu sein in der pension

Macademius
13
18.11.2011, 11:19
Der Oldie soll dorthin mit seinen Steuerideen dorthin

gehen wo der Oesterreichische maennliche Durchschnittshackler in seinem Alter ist. Ich meine nicht die Pension sondern die Hoelle oder Himmel je nach Standpunkt.
Ueber andere Ideen seinerseits kann man ja geteilter Meinung sein.

NaWerSagtsDenn
01
18.11.2011, 11:18
Wenn der Frank den Rest des Budgets ausgleicht, bin ich auch für die 15%

kurt kren
03
18.11.2011, 11:14
eine Ursache

der mangelnden Glaubwürdigkeit der Politiker ist auch Stronach selbst - er war es schließlich, der in Österreich begonnen hat, Politiker (Partei egal) in grossem Stil (ein)zu kaufen um davon zu profitieren;

poster1231
00
18.11.2011, 13:11

und gibt es nciht gerade in seinen betrieben seltsame umgangsformen mit mitarbeitern?

Rumo von Zamonien
02
18.11.2011, 11:09
Fränk, geh du voran..

;-)

Eine neue Partei wär allerdings wirklich dringend nötig.
*Seufz*
Oh Heide, wie habt ihr's nur vergeigt...

Hausmeister und Bruder vom Lugner
03
18.11.2011, 10:54
Die Flat-Tax ist circa genau so gerecht wie das Faustrecht des Stärkeren, nämlich gar nicht!

Bei allem Respekt, den ein Mensch verdient (ernst gemeint, ohne ironie), der löblicherweise sein Geld in seine alte Heimat investiert:

Nur weil jemand ein begabter Macher-Typ ist, muss er noch kein reflektierter Denker sein!

Außer jemand hat gar nicht so sehr das Vaterland, sondern ziemlich ''rechte'' Ansichten im Visier! Dann passt das alles ganz gut ins Bild: Politiker in ihrer Gesamtheit zu denunzieren, die Flat-Tax zu propagieren (von der nur Reiche profitieren) und sich gleich eine neue Partei kaufen wollen...

machs richtig
30
18.11.2011, 22:58
das kann man auch ganz anders sehen

angenommen 20% flat tax

EK € 30.000,- brutto Steuer € 6.000,-
EK € 300.000,- brutto Steuer € 60.000,-

keine Ausnahmen, keine Steuermodelle.
Wahrscheinlich wäre das System wesentlich gerechter. Wieso sollte z. B. jemand, der viele Jahre studiert hat, meist eine 60-80 Stundenwoche absolviert, um auf der Karriereleiter nach oben zu kommen, mit einem höheren Steuersatz bestraft werden? Ist das gerecht?

LGM
00
20.11.2011, 09:44

Man kann natürlich über die Gerechtigkeit der Steuerprogression streiten, wenn man das konsequent weiterverfolgt, könnte man auch fragen, warum sollte ein Mensch überhaupt mehr Steuern als ein anderer zahlen?
Faktum ist aber, dass von einer niedrigen Flat Tax die besser verdienenden auf Kosten der Ärmeren profitieren.
Den Staat mit 15% Steuern zu finanzieren geht nur dann, wenn der Staat alle "kostspieligen" Aufgaben wie Gesundheitssystem, Pensionssystem, Schulen und Universitäten etc. privatisiert. Die besser Verdienenden werden sich das dann leisten können, die anderen haben halt Pech.

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