Wenn das Design die Kunst küsst

17. November 2011, 18:36
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Die Ausstellung "Metadomestic" in der Linzer Landesgalerie

Linz - Ein Teppich, aus gigantischen blassblauen Fäden gestrickt, oder absurd langgestreckte Silberkännchen und gebogene Löffel - die Ausstellung Metadomestic in der Landesgalerie Linz zeigt künstlerische Statements zu den Begriffen Design und Angewandte Kunst. 16 internationale Designer und Künstler betrachten Objekte und deren Materialität. Die Kluft zwischen Funktionalität und Ästhetik wird zum Thema und - neu geformt - auch selbst zum Kunstobjekt. Ausgehend vom Begriff der angewandten Kunst nähert man sich Aspekten einer neuen Häuslichkeit und der Gestaltung des privaten Raumes zwischen Design, Dekor und überbordendem Kitsch - sozusagen ein Blick unter den Teppich und hinter die Tapete.

Teilweise passiert das ironisch, etwa mit dem Barnaby Barford und seinen Found-Footage-Porzellanfiguren, die zur bitterbösen Anspielung auf trügerisch heimeligen Kitsch werden. Einer an Hummelfiguren erinnernden Knabenminiatur pappt er einen Big Mac in die feingliedrigen Porzellanhändchen. Subversiv sind die Beiträge von Ola Simonsson und Johannes Stjärne: In ihrem Musikvideo brechen sechs Schlagzeuger bei einem älteren Ehepaar ein, wo sie dessen Haushaltsgeräte musikalisch zweckentfremden. Absurde Zugänge finden Sebastian Brajkovic und David Clarke: Brajkovic biegt und verlängert Möbelstücke und Keks-Etageren bis zur Unkenntlichkeit. Clarke zerschneidet und dehnt Silbergeschirr und befreit es so von seiner dekorativen Funktion.

Vertreten sind auch die Schmuckkünstlerinnen Gemma Draper oder Pia Aleborg mit riesigen Chesterfield-Ledersofa-Broschen, Veronika Schubert mit ihrem gestrickten Film Teledialog oder Experimentalfilmkünstler Martin Arnold mit Passage à l'acte von 1993: Darin demontiert er eine Frühstücksszene aus To Kill A Mockingbird (1962) mit Gregory Peck und verdichtet die 33 Sekunden durch Vor- und Rücklauf so lange, bis man schließlich in die tiefen Abgründe einer scheinbar harmonischen amerikanischen Durchschnittsfamilie starren kann.

Diese inhaltliche wie zeitliche Bandbreite zeigt: Die Ausstellung will viel, und sie will es auf vielen verschiedenen Ebenen. So werden Fragen nach der Demontage familiärer Beschaulichkeit aufgeworfen oder gesellschaftspolitische und feministische Ansätze im Sinne eines Do-it-yourself-Kunstkonzepts angeboten. Als Gesamtheit und angesichts ihres Anspruchs, die "Rückkehr des Angewandten" einzuläuten, wie Kuratorin Monica Gaspar im Katalogtext schreibt, bleibt die Ausstellung allerdings unentschlossen.  (Wiltrud Hackl  / DER STANDARD, Printausgabe, 18.11.2011)

Zur Finissage am 20. 11. findet eine Sonntagsmatinee mit Frühstück und Konzert (u .a. mit Werken von Arvo Pärt, ab 9.30 Uhr) statt.

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