Obdachlos in Wien

"Zweite Gruft": Anstellen für eine Nacht auf der Isomatte

18. November 2011, 06:15
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    foto: corn

    Ein Schlafplatz, eine warme Mahlzeit, ein Gespräch: Die "zweite Gruft" der Caritas finanziert sich aus Spenden, nur für die Sozial- und Rückkehrberatung schießt die Stadt etwas zu.

Wenn die Temperaturen sinken, platzt eine Einrichtung für ausländische Obdachlose in Wien-Neubau aus allen Nähten

Wien - Abend für Abend stehen die Mitarbeiter der "zweiten Gruft" vor einer unmenschlichen Entscheidung: Wer wird weggeschickt? Wer darf im Warmen schlafen, wer muss zurück auf die Straße? Seit die Temperaturen in der Nacht wieder unter null sinken, stehen Obdachsuchende vor der Einrichtung der Caritas in der Bernardgasse in Neubau Abend für Abend Schlange. "Die Menschen stehen vor der Tür und bibbern, trotzdem läuft alles sehr gesittet ab", sagt Michael Zikeli, Leiter des Bereichs Asyl und Integration bei der Caritas. Etwa 50 Männer und zehn Frauen finden Platz auf den Isomatten, bekommen eine warme Suppe, können sich duschen und werden beraten. "Wir stopfen alles voll, aber es ist trotzdem ein Dilemma", sagt Zikeli. Zehn bis 15 Menschen müsse er jeden Abend wegschicken.

Keine Rechtsgrundlage

Ob sie anderswo Unterkunft finden, ist ungewiss. Denn die "zweite Gruft" ist eine Einrichtung für EU-Bürger, die eigentlich keinen Anspruch auf Sozialhilfe haben. Anders als bei Österreichern oder Asylwerbern gibt es keine Rechtsgrundlage dafür, ihnen zu helfen, dementsprechend ist die Caritas-Einrichtung auch spendenfinanziert. Zikeli appelliert an die "Gesamtverantwortung", in den vergangenen Jahren habe die Stadt ihre Einrichtungen für Nichtösterreicher geöffnet. Beim Fonds Soziales Wien, der die Obdachloseneinrichtungen verwaltet, heißt es dazu, es gebe einen Konsens darüber, dass niemand in Wien erfrieren soll.

Geeinigt haben sich SP und Grüne darauf, die "Nächtigergebühr" für Obdachlose von vier auf zwei Euro zu reduzieren. Diese Höhe sei laut einer Evaluierung für die Betroffenen nachvollziehbar, sagte die grüne Sozialsprecherin Birgit Hebein, und leichter aufzubringen. Caritas-Sprecher Klaus Schwertner meint, man sei froh über "alles, was dazu beiträgt, die Angebote der Wohnungslosenhilfe so niederschwellig wie möglich zu halten". In beiden Gruft-Einrichtungen sei die Nächtigung gratis. (Andrea Heigl, DER STANDARD, Printausgabe, 18.11.2011)

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Posting 1 bis 25 von 68
1 2
Vater Morgana
01
17.4.2012, 09:21
Falls Mitarbeit gewünscht

..einfach melden. Bin ausgebildeter Pfleger - würde gerne das Projekt durch meine Arbeit und Kraft unterstützen. Falls sonst jemand etwas braucht : Hunde sitten, Einkäufe, Schriftverkehr, Behördenwege, Garten, Reinigung oder Transport - gerne

Rahoul
14
18.11.2011, 22:24
Ehrliche Frage:

Die vorhandenen Infrastrukturen von Wiener Freibädern (geöffnet Mai-September) könnten doch- mit ein bißchen Adaption- von November bis März genutzt werden. Erreichbar mit Öffis, trotzdem nicht in dichtbesiedeltem Gebiet, Platz vorhanden (riesige Umkleideräume!), Duschen vorhanden, was fehlt noch, außer der Wille?

peter schmidt
 
00
19.11.2011, 19:33
Eine überraschende Idee. Klingt nicht schlecht.

Ich kann mich noch erinnern, als ich ein Kind war gab es mal einen wirklich elendig kalten Winter mit 5-6 Wochen lang minus 15-25 Grad. Es sind dann 2 Obdachlose erfroren und etliche hatten Erfrierungen. Dies führte zu einer Welle der Hilfsbereitschaft. Alle möglichen Gebäude wurden zugänglich gemacht und waren viele Menschen wurden nirgendwo mehr weggewiesen.

Norbert Dichand
00
19.11.2011, 10:37
Das is echt keine blöde Idee...

...sogar eine sehr schlaue Idee.

Dagmar Rehak Wien
 
20
18.11.2011, 23:10

Ganz einfach:
Das Wasser in den Leitungen könnte gefrieren, und dann platzen die Leitungen auf.

Das ist natürlich keine Ausrede. In einem zivilisierten Land darf es einfach keine Menschen geben, die sich nicht duschen können und die keinen Platz zum Hinlegen haben.
Ich würde ein Flächen deckendes Netz an (tschuldigung für den Ausdruck) niederschwelligen Wasch- und Schlafgelegenheiten anlegen, bevor ich überhaupt den Gedanken fasse, einen Staat zu gründen.

baroli
13
18.11.2011, 14:47

Ein Reicher in der Fremd ist überall zuhaus
und fremd ein armer Mann
in seinem eignen Haus.
(Rückert.)

Geh?danke
12
18.11.2011, 13:37

Wenn die Caritas die Einrichtung aus Spendengeldern betreibt, warum kann dann die Stadtregierung die Tarife bestimmen?

tomato tirol
712
18.11.2011, 12:18
wer schon mal ein

rumänisches armenviertel gesehen hat, weiß warum sich diese eu bürger lieber bei uns für eine obdachlosenunterkunft anstellen. das ist für diese menschen wie für uns sofitel statt bassena.

...and miles to go before I scream
11
20.11.2011, 08:52

Selten deppertes Posting.

Lord of all the Losers
56
18.11.2011, 13:08

ihre präpotenz kotzt mich an. es geht um sage und schreibe 75 personen. was ja jetzt der große "sozialtourismus" ist.

Chocoholic
33
18.11.2011, 12:46
... und wie haben wir uns diese besondere Stellung erarbeitet?

tomato tirol
35
18.11.2011, 13:19
erabreitet? wir? - gar nicht!

das waren unsere eltern, die einfach mehr (politisches) glück hatten. in den 20er jahren war rumänien (wie zb. auch tschechien) wesentlich wohlhabender als österreich.

Thomas J Jackson
12
18.11.2011, 18:08

Mit Glück hat das wohl überhaupt nichts zu tun. Oder bezeichnen sie die politische Entwicklung in der Zwischenkriegszeit als glückhaft?

tomato tirol
12
18.11.2011, 22:12
na ja lieber thomas

daß wir auf dieser und nicht jener seite des eisernen vorhangs zu liegen kamen, war sogar mehr als glück! eine arschknappe g´schicht!

Rosa Stahl
00
19.11.2011, 09:39

die Zeit zwischen 45 und 89, sprich kalter Krieg und Eiserner Vorhang, existiert in den heutigen jungen Köpfen nicht. Der Geschichtsunterricht endet heute mit 1945 und fängt mit 1995 (Beitritt zur EU) wieder an.

little chatterbox
61
18.11.2011, 13:03
Österreich ist im Verhältniss zu...

Rumänien, Bulgarien, Ungarn, Polen sehr reich und die Sozialarbeit hat hat gesetzlich bessere Rahmenbedingungen, um für die obdachlosen Menschen etwas zu tun!

Chocoholic
53
18.11.2011, 13:11
nun, wie haben wir uns das erarbeitet, warum gehts uns besser?

reines pures Glueck. deswegen ist es mehr als pervers, sich da so hoch zu stellen. kann echt nicht so teuer sein, eine dritte gruft zu erhalten, va im winter, sorry. egal, ob die nun herkommen, weils wie im sofitel ist, was ich niemals glaube.

Ernst Kratochwil
411
18.11.2011, 13:30
"...reines pures Glueck. deswegen..."

Ist das eine Art Kreativismustheorie die Sie da vertreten?

Der Wohlstand fällt vom Himmel, wird von Gott oder dem Zufall zugeteilt und wer das Glück hat unter den "zufällig" Begünstigten zu sein, der muß seinen Wohlstand mit den anderen teilen.

Wir haben keine nennenswerten Bodenschätze, unser Wohlstand basiert daher vor allem auf Arbeit und vielen anderen Faktoren die mit dem Verhalten und der Organisation der Gesellschaft zusammenhängen.

Chocoholic
01
20.11.2011, 15:44
Sie wollen allen Ernstes sagen, dass wenn wir politisch dasselbe erlebt haetten, wie Rumaenen oder andere Ostblocklaender,

wir dennoch so dastehen wuerden, wie wir dastehn? Geh bitte, ist ja richtig peinlich, diese Unwissenheit und Ignoranz. Natuerlich ist es leicht, ueber ein so armes Land die Nase zu ruempfen, aber deswegen ist es nicht richtiger.

Ernst Kratochwil
00
20.11.2011, 17:34
Nein die sind schon auch deshalb ärmer.

Aber wegen den Wohlstandsunterschied muß auch niemand bei uns in der Gruft eins oder zwei leben.

Und den Wohlstand, haben wir trotzdem nicht wie von Ihnen vielleicht unterstellt, in der Lotterie gewonnnen.

Der musste (wenn auch unter günstigeren Bedingungen im Westen) hart erarbeitet werden und ist nicht vom Himmel gefallen.

Harry Y.
 
11
20.11.2011, 12:37

Das Verhalten und die Organisation der Gesellschaft sind aber in vielen Hinsichten sehr suboptimal - auch ökonomisch gesehen. Aber der Staat hat die Neigung, die Fehler bei anderen zu suchen: Narzißmus.

Harry Y.
 
11
19.11.2011, 03:14

Der Organisation des Betruges, häufig.

Thank God I'm A Country Boy
00
18.11.2011, 23:08

aber 100 Pro war das reines Glück... wären nach dem zweiten Weltkrieg die Ost West- Grenzziehung nur ein bissi anders ausgegangen, dann wären wir jetzt die Armen.
So siehts aus.

Ernst Kratochwil
00
20.11.2011, 11:23
Und als wir ein paar Jahre vorher angeschlossen wurden

und den Krieg an der Seite der Verlierer mitmachen mussten, das war dann wieder 100 Pro grosses Pech?

inoffiziell
13
18.11.2011, 14:56
klar,

je ärmer ein Land, desto fauler die Bewohner.

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