Streitbare Zeitgenossen mit Vorbildwirkung

17. November 2011, 18:05
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Das 19. Jüdische Filmfestival Wien zeigt in den kommenden zwei Wochen Filme über Widerstand und Zivilcourage

Wien - Die junge Frau ist von den Videoaufnahmen sichtlich betroffen: Wie ein Horrorfilm sehe das aus, wenn Soldaten und schweres Baugerät in einem Olivenhain vorrücken. Es sind dann nicht diese Aufnahmen allein, die sie zum Widerstand motivieren. Aber dem durchaus naheliegenden Zusammenhang zwischen bewegten Bildern und aktivistischer Bewegung trägt derzeit auch das Jüdische Filmfestival Rechnung:

Unter dem bei Stéphane Hessels Streitschrift entlehnten Motto Empört euch! hat man eine kleine Sonderreihe von "Filmen über Widerstand und Zivilcourage" eingerichtet. Im palästinensischen Dorf Budrus, aus dem die junge Frau stammt, ist der gleichnamige Dokumentarfilm der brasilianischen Regisseurin Julia Bacha entstanden. Budrus liegt im besetzten Westjordanland. Seine Einwohner demonstrierten gemeinsam mit israelischen Friedensaktivisten monatelang gegen den Verlauf der Sperranlagen, die sie von ihrem Friedhof und Teilen ihres Olivenbaumbestandes abgeschnitten hätten.

Außer Budrus läuft unter anderem der US-Dokumentarfilm Freedom on My Mind von 1994, für den Connie Field und Marilyn Mulford Bürgerrechtler vor die Kamera holten, die ab den 1950er-Jahren in Mississippi gegen die Rassentrennung aufstanden. Der israelische Aufdeckungsjournalist Miki Rosenthal und Regisseur Ilan Aboudy sind mit The Shakushuka System (2008) vertreten: Im plakativen Stil eines Michael Moore gehen sie dem Ausverkauf staatlicher Unternehmen an einige wenige private Profiteure nach.

Neben etlichen Filmen, die an jüngst verstorbene Filmschaffende wie Elizabeth Taylor oder Sidney Pollack erinnern, schlägt das Festival mit der Dokumentation Hollywoodism - Jews, Movies, and The American Dream von Simcha Jacobovici auch eine Brücke zur aktuellen Ausstellung im Jüdischen Museum.

In den kommenden zwei Wochen stehen unter anderem noch der starbesetzte US-Spielfilm Barney's Version (nach dem Roman von Mordecai Richler) auf dem Programm und die britischen Culture-Clash-Erfolgskomödie Alles Koscher. Eran Riklis, dessen Tragikomödie The Lemon Tree das Festival vor vier Jahren eröffnete, ist mit seiner jüngsten Regiearbeit The Human Resources Manager vertreten.

Und Sean Penn, der in Paolo Sorrentinos This must be the place - Cheyenne einen alternden Glamrocker gibt, ist in diesem Kostüm heuer zum schrägen Posterboy des Festivals avanciert. (Isabella Reicher  / DER STANDARD, Printausgabe, 18.11.2011)

Bis 4. 12.

 

  • Ziviler Ungehorsam hilft Zäune versetzen: Der Dokumentarfilm "Budrus" von Julia Bacha läuft in der Programmschiene "Empört euch!".
    foto: jfw

    Ziviler Ungehorsam hilft Zäune versetzen: Der Dokumentarfilm "Budrus" von Julia Bacha läuft in der Programmschiene "Empört euch!".

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