Hugo Meisl

Back Home oben am und jedenfalls im České Srdce

Wolfgang Weisgram, 17. November 2011, 18:15
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    r. hendrich

    Austrias Museums- Kurator Gerhard Kaltenbeck weist Hugo Meisl den Weg in dessen eigenes Wohnzimmer, das nun oben am Laaer Berg eingerichtet wurde.

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    Das Klavier spielte Gattin Maria (links), den Fußball Hugo Meisl und seine begabten Buben im Wunderteam.

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    r. hendrich

    Doppeltes Erbe: Pokal mit Schussloch.

Die Austria hat Wien vor einer Bla­mage bewahrt. In ihrem Museum wird nun ein Gedenkraum für den legendären Chef des Wunder­teams Hugo Meisl eröffnet

Wien - Gerhard Kaltenbeck freut sich. Oder mehr noch: Er ist stolz. Stolz auf sich, die Seinen, die Umstände, die Austria und vor allem wohl darauf, dass alle zusammen die Stadt Wien, in der die Austria halt spielt - oben auf dem Lakopetz - vor einer echten Blamage bewahren durften.

Denn die Stadt Wien hat sich durch die Expertenstimme ihres Museums dazu entschieden, den Nachlass eines gewissen Meisl - Hugo mit Vornamen - für so unerheblich zu halten, dass die von der Hugo-Tochter, der Dr. Martha Meisl aus Gesundheitsgründen verlassene Wohnung im Karl-Marx-Hof bedenkenlos in den Vergabe- und also Verwertungskreislauf von "Wiener Wohnen" zurückfallen konnte.

Irgendwo hat da irgendwer irgendwas irgendwie nicht ganz geschnallt. Denn nicht nur war Hugo Meisl die wohl bedeutendste Figur, die der heimische Fußball je hervorgebracht hat und hervorbringen wird. Die von der Familie von 1930 an bewohnte Wohnung im Karl-Marx-Hof war bis zur Kündigung 2009 weitgehend original erhalten. Mehr noch: In dieser Wohnung manifestierte sich nicht allein die möblierte Vision des in aller Welt bis heute gerühmten Roten Wien. Sondern auch dessen endgültiges Scheitern. Ab dem morgigen Freitag können alle - auch die Experten vom Wien Museum - zum Beispiel einen kleinen, unscheinbaren Pokal besichtigen, in dem ein kleines Loch klafft. "Maria Meisl", erzählt Gerhard Kaltenbeck, "hat während des Angriffs des Bundesheeres" - ein Berufsheer - "auf den Karl-Marx-Hof im Februar 1934 diesen kleinen Kasten vor das Fenster geschoben. Und dort genau ist eben auch die Kugel hineingegangen."

Kasten, durchschossener Pokal und so manch anders Schmankerl aus Österreichs ballesterisch bedeutendster Zeit sind nun im Museum der Wiener Austria, unter der Osttribüne der Generali-Arena, hinter dem Fanshop zu besichtigen.

Im Wohnzimmer

Und darauf ist Gerhard Kaltenbeck - im Zivilberuf ein Banker wie Hugo Meisl auch - mit einigem Recht stolz. Denn über Hugo Meisl zu lesen oder erzählt zu bekommen ist das eine, in seinem Wohnzimmer zu sitzen - Kaltenbeck: "Nur dieser Kasten da ist orginal links gestanden." - etwas ganz anderes.

Hugo Meisl - im Angesicht von Experten des sogenannten Wien Museums scheint es angebracht, Eulen bis mitten nach Athen hineinzutragen - war der unbestrittene Chef des sogenannten Wunderteams. Oder nein, sagt nicht nur Gerhard Kaltenbeck, das war er nur auch.

Er war - und wenn man jetzt ein Wort suchen müsste, das seinen Stellenwert im europäischen Fußball beschreiben könnte, im Grunde alles: Spieler bei den Cricketern und Mitbegründer des österreichischen Fußballverbandes, Schiedsrichter, Schiedsrichterreferent und Regelbuchautor, Mitinitiator der Gründung des Austria-Vorgängers Amateure und Animator der Umbenennung in Austria; denn immerhin war er der Erfinder des kontinentalen Profi-Fußballs; wenig später erfand er in Gestalt des Mitropa- den Europacup und gleichzeitig die Europameisterschaft. Und nicht zuletzt, bis zum Schluss, Sportjournalist wie sein Bruder Willi.

Retrospektiv ließe sich Hugo Meisl beschreiben als einer, der mit ganz Fußballeuropa - von Italiens Vittorio Pozzo bis zu Arsenals Herbert Chapman per Du war, während jeder Nachgeborene bis heute per Sie ist mit ihm.

"Herr Hugo" mehr als ein Fußballfunktionär

Aber dieser Hugo Meisl - zu dem sie damals schon lieber "Herr Hugo" gesagt haben, während er, dieser Herr Hugo, einen vor seinen Augen herumdribbelnden Kicker als "Sie Verbrecher" mit dem Gehstock verfolgte - dieser Hugo Meisl ist bis heute mehr als ein Fußballfunktionär. Er ist, und nichts anderes soll sein Wohnzimmer wohl ausdrücken, ein ferner Gruß.

Geboren 1881 in Maleschau/Malesov steht er für ein Mitteleuropa vorm Nationalitätenirrsinn. Und für ihn und die mit ihm Verbündeten in den anderen Ländern war der Fußballsport etwas geradezu Gegenteiliges. Bis weit in die 1970er-Jahre hießen hierzulande - sei es aus Gewohnheit oder aus Respekt vor Meisl - nicht "National"-Spieler, sondern "Internationale".

Hugo Meisl war also ein Böhme. Oder, um es korrekt auszudrücken, ein behmischer Jud'. Halb Wien und ganz Favoriten war damals behmisch. Nicht umsonst wurde da, neben der Sokol, auch ein Kultur- und Sportverein gegründet, der sich České Srdce nannte, Tschechisches Herz. Der hatte seinen Platz oben auf dem Laaer Berg, dem Lakopec oder Lakopetz. Die Slovan spielte dort einst. Und heute die Austria. Hugo Meisl ist also, in gewissem Sinn, doch nach Hause gekommen.(DER STANDARD Printausgabe, 18. November 2011)

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Posting 1 bis 25 von 44
1 2
aldo
00
19.11.2011, 23:43
Danke, Herr Weisgram!

Buchtipp: Franta, Weisgram: Ein rundes Leben. Hugo Meisl-Biographie mit zahlreichen Anektoden.

com'n violets
10
18.11.2011, 20:59
apropos

die "wielandschule", die ja jetzt schon seit geraumer zeit von bösen anarchisten und ausländergesindel okkupiert ist, war DIE tschechische schule in wien. und sie wurde nicht unbewusst in "ernst-kirchweger-haus" umgenannt.

p.s.: nur für leute, die sich im fußballforum mit politik beschäftigen wollen.

com'n violets
10
18.11.2011, 18:39
danke

dem standard für diesen artikel
danke der austria (sowieso)

ich würde mir besonders wünschen, dass auch "unsere" rechten recken diesen artikel lesen, damit sie ein bisserl ein gefühl kriegen, wo die violetten wurzeln sind. und ein museumsbesuch würde ihnen sowieso nicht schaden.

charltonathleticfc
01
18.11.2011, 14:05

Guter Artikel, Dank an die Austria von einem Grün-weißen.
Ein kleiner Fehler im Artikel im letzte Absatz: es heißt nicht "die Slovan" sonder "Der Slovan", siehe:
http://slovan-hac.at/index.php... d=5&smid=4

Antoine Doinel2
 
00
18.11.2011, 12:45
Ein Grund mehr, stolz auf die aktuelle Austria zu sein

Ich gehe ein bis zweimal pro Saison zu Heimspielen der Austria. Dadurch kenne ich den sehr schönen
Fanshop an dem das Austria-Museum anschließt, in
dem ich noch nicht war. Das werde ich bei nächster Gelegenheit nachholen, denn mit Hugo Meisls Nachlass gibt es nun eine echte Attraktion zu bestaunen.

Ich hoffe nd denke, dass ich nicht der einzige bin, er so denkt.

soulpope
01
18.11.2011, 12:25
Tschechische Wurzeln !!!

Gratulation an den Standard für den gut recherchierten Artikel, der die damalige soziale bzw nationale Situation trefflich wiederspielgelt - und obwohl kein Fußballfan, Respekt an die Wiener Austria !!

°¤°~b¤bble§~¤°¤;{zappedition}°¤°
30
18.11.2011, 12:19
schöne schlagworte, grossspurige phrasen

ein herr der fussballer jungzeit hinterlässt sein vermächtnis...schön das genügend stoff dabei ist diese liga in ihren grundfesten zu erschüttern. die suche nach geschäftsleuten von damals läuft auf hochtouren. wir müssen ja noch bei einem verein danke sagen, dass es die liga überhaupt bis in die 90 er schaffte. amateuranbindung an den grossen nachbarn, drohende anlagenverkäufe(fussballplätze), italiens hintermänner mit den langen fingern und stille französische proteste, der aufruf sich auf eigene fusballerische beine zu stellen, der deutschen phrasendrescherei nicht klein beizugeben, damals. erneut. heute für morgen.

Bitte drei Bier!
00
18.11.2011, 16:52
Vergessen, die Tabletten einzunehmen,

oder nur besoffen?

°¤°~b¤bble§~¤°¤;{zappedition}°¤°
00
19.11.2011, 00:40

"solange sie nicht all zu ausfällig werden verschreib ich ihnen weiter beides. Is das in ordnung??" Hören sie diese frage regelmässig.

morgause
00
18.11.2011, 12:49

jedes mal les ich dein post und schau dann in der mitte rauf, wer das geschrieben hat, und denk mir dann "mist schon wieder reingefallen".

°¤°~b¤bble§~¤°¤;{zappedition}°¤°
00
19.11.2011, 00:47
es gab mitte der 90er einen amerikanischen seriendarsteller...

der hiess mit nachnamen "white", ist aber ein afrikaner. Nun haben wir im a_team, meiner meinung nach zwar viel zu früh und zu jung, ihn zu malträtieren, ebenfalls einen der, nach einer ausgeführten heldentat, sich immer wieder die frage stellt..."war iiich das etwa?" ...ja,ja ich weiss der...

trevor_francis
00
19.11.2011, 18:02

eindeutig zuwenig Medikamente eingenommen! Aber Du kannst ja beim Papa B. nachfragen. Der gibt Dir gern was von seiner Tagesration ab.

trevor_francis
00
18.11.2011, 14:40

schon gemein, gell?

morgause
07
18.11.2011, 11:46

Liebe Redaktion,
so schöne berichte in letzter zeit.
grosses lob.

morgause
01
18.11.2011, 11:55

ps: besonders die namensgebung "die internationalen" finde ich gut.

com'n violets
00
18.11.2011, 18:54
ja hat mir auch gefallen

beim nächsten länderspiel werd ich versuchen den chant "hoch die internationalen (kein tippfehler) solidarität" zu etablieren statt das fade "immer wieder ö..."
;-)))

StinkyTurner
04
18.11.2011, 11:24

die austria hat rapid seit der Steinach weg ist in vielen Belangen überholt. stadionausbau, Akademie, Museum ... Gratulation dazu, jetzt noch die rechten Fans entsorgen und es schaut gut aus.

ich werd mir das Museum sicher anschauen, klingt sehr interessant.

gwg

Bitte drei Bier!
00
18.11.2011, 16:53
Stinky stimmt.

Nathaniel
00
18.11.2011, 11:33

amoi gehts no

StinkyTurner
00
19.11.2011, 14:37

das kommt davon, wenn man ohne 3handy unterwegs ist ;-)

trevor_francis
01
18.11.2011, 12:05

Unsterblich Abschaum: Abgang!

StinkyTurner
00
18.11.2011, 11:23

die austria hat rapid seit der Steinach weg ist in vielen Belangen überholt. stadionausbau, Akademie, Museum ... Gratulation dazu, jetzt noch die rechten Fans entsorgen und es schaut gut aus.

ich werd mir das Museum sicher anschauen, klingt sehr interessant.

gwg

Emil Sacklinger
 
00
18.11.2011, 12:44

strohsack.

(glaub' ich)

StinkyTurner
00
18.11.2011, 11:23

die austria hat rapid seit der Steinach weg ist in vielen Belangen überholt. stadionausbau, Akademie, Museum ... Gratulation dazu, jetzt noch die rechten Fans entsorgen und es schaut gut aus.

ich werd mir das Museum sicher anschauen, klingt sehr interessant.

gwg

Emil Sacklinger
 
00
18.11.2011, 12:45

strohkopf.

(dürfte hinkommen)

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