Industrie bereitet sich auf Abschwung vor

17. November 2011, 17:58
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Die Voest kürzt die Produktion, die Automobilbranche rechnet mit einem starken Absatzrückgang, die Realwirtschaft spürt langsam den Abschwung

Wien - Österreichs Industriebetriebe bekommen den Konjunkturabschwung stärker zu spüren. Der Stahlkonzern Voestalpine wird seine Produktion im letzten Jahresquartal um zehn Prozent zurückschrauben. Die Reduktion ist mit Stellenkürzungen verbunden, kündigte Konzernchef Wolfgang Eder am Donnerstag in Wien an. Betroffen sei nicht das Kernpersonal, sondern Leiharbeiter, der Abbau soll "unterhalb des vierstelligen Bereichs" bleiben, so Eder.

Die Voestalpine mit ihren 47.000 Mitarbeitern bekommt vor allem den Rückgang beim Absatz von Konsumgütern und Haushaltsgeräten zu spüren. So schwächelt beispielsweise der Verkauf von Fernsehern und Smart-phones, für deren Erzeugung die Voestalpine Rohstoffe liefert. Anhaltend schlecht - das allerdings bereits seit 2008 - läuft auch das Geschäft mit der Bauindustrie, bisher nicht betroffen vom Absatzrückgang sind laut Eder der Maschinenbau, der Energiesektor und die größten Teile der Automobilindustrie.

Eder korrigierte Donnerstag die eigenen Erwartungen für das Geschäftsjahr 2011/2012. Im Sommer war er von einem Betriebsgewinn (Ebit) von mehr als einer Milliarde Euro ausgegangen, derzeit rechnet er mit 900 Millionen Euro.

Die Zahl zeigt deutlich, dass es sich noch um einen Dämpfer auf hohem Niveau handelt. So konnte die Voest in ihrer Halbjahresbilanz kräftige Zuwächse bei Umsatz (plus 15 Prozent) und Ergebnis nach Steuern (plus 38,6 Prozent) gegenüber dem Vergleichshalbjahr 2010/2011 vorlegen.

Allerdings verdichten sich die Anzeichen, dass weitere wichtige Absatzmärkte der Stahlindustrie unter Druck geraten. Der Automobilverkauf in Europa geht zurück. Vor allem in angeschlagenen Ländern wie Italien und Spanien werden weniger Pkws verlauft. In Spanien sanken die Verkaufszahlen von Jänner bis Oktober um 19,7 Prozent, in Italien waren es minus 10,8 Prozent. Dass die Verkaufszahlen europaweit nur um 1,2 Prozent zurückgingen, liegt an den Absatzzuwächsen in Deutschland. Der Branche insgesamt hilft aber auch die gute Geschäftsentwicklung in China.

Im spanischen Saragossa wird zugesperrt

Voll erfasst hat der Abschwung das Opel-Corsa-Werk im spanischen Saragossa, in dem bis Weihnachten drei Wochen zugesperrt wird und auch für 2012 Produktionskürzungen eingeplant sind. Im Wiener Getriebewerk hofft man, dass die Maßnahme keine Auswirkungen haben werde, und setzt auf eine Produktoffensive 2012.

Für Österreich rechnet der Sprecher der VW-Händler, Hermann Becker, mit einem Abschwung bei den Verkaufszahlen 2012. Allerdings gilt auch hier, dass 2011 eines der besten Jahre für die Branche war. So wurden in Österreich bis Oktober 302.000 Pkws verkauft. Das ist um acht Prozent mehr als im Vergleichszeitraum 2010. Die Statistik wird allerdings durch die hohe Zahl der Kurzzulassungen geschönt, die von Händlern oft nur vorgenommen werden, um Verkaufsziele zu erreichen. Die Tageszulassungen stiegen 2011 um 11,7 Prozent und damit stärker als die Neuzulassungen insgesamt an.

Von den Turbulenzen ist im Kernbereich der steirischen Industrie, dem Autocluster (ACstyria) rund um Graz, noch nichts zu spüren, sagt ACstyria-Geschäftsführer Franz Lückler. Speziell die beiden Leitbetriebe Magna und AVL seien voll ausgelastet. Lückler dazu: "Wir haben uns nach den Einbrüchen 2008 und 2009 vollkommen erholt. Es gibt momentan keine Anzeichen einer Krise."

Der Cluster beschäftigt rund 40.000 Mitarbeiter und produziert einen Jahreswert von rund zehn Milliarden Euro. (as, mue, szi, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 18.11.2011)

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