Neuer Wirkstoff gegen Autoimmunerkrankungen entdeckt

19. November 2011, 11:25
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Schweizer Forscher fanden Hemmstoff für Interferon alpha - Substanz wirkt in hoher Konzentration aber giftig für die Zellen

Zürich/Langen - Forscher der ETH Zürich haben einen Wirkstoff gegen Autoimmunerkrankungen gefunden. Die Substanz hemme einen wichtigen Bestandteil des körpereigenen Immunsystems, Interferon alpha, berichten Forscher um Gisbert Schneider vom ETH-Institut für Pharmazeutische Wissenschaften im Fachmagazin "Angewandte Chemie". Interferon alpha spielt eine Hauptrolle bei schweren Autoimmunerkrankungen.

Ist bei einem Menschen der Interferon-Pegel ständig zu hoch, richtet sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper: Es kommt zu chronischen Entzündungsreaktionen, die zu schweren Erkrankungen wie Lupus erythematodes führen. Bisher gibt es keinen Wirkstoff, der die Interferon-Ausschüttung oder -wirkung gezielt eindämmt.

Die ETH-Forscher identifizierten nun gemeinsam mit Kollegen des Paul-Ehrlich-Instituts in Langen (Deutschland) eine geeignete Hemmstelle auf der Oberfläche des Interferon-Moleküls, teilte das deutsche Institut mit. Danach durchmusterten sie virtuell mehr als 500.000 Substanzen, um abzuschätzen ob sie Interferon hemmen können.

Potenziell giftig

Die sechs vielversprechendsten Kandidaten wurden ausgewählt und im Labor getestet. Zwei Substanzen waren zu wenig löslich, um mit ihnen zu arbeiten, und drei Stoffe zeigten keinerlei Wirkung. Doch die sechste Substanz war ein Volltreffer: Sie drosselte die Bildung von Interferon alpha äußerst effizient.

Allerdings ist der Wirkstoff bei hohen Konzentrationen giftig für die Zellen, wie weitere Tests zeigten. Die Wissenschafter wollen deshalb ausgehend von der neu entdeckten Substanz weitere Stoffe entwickeln, die Interferon noch besser und spezifischer hemmen - und die selbst bei hoher Konzentration ungiftig sind. (red/APA)

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