Rechnungshofbericht

Saualm: Kärnten besteht auf überteuertes Asylheim

17. November 2011, 18:59
  • Artikelbild
    foto: apa/eggenberger

    Derzeit steht das Asylwerberheim auf der Saualm wegen Umbaus leer. Der Rechnungshof kritisiert die Kosten für das Land Kärnten.

Die Kosten sind laut Kärntner Rechnungshof "wirtschaftlich nicht vertretbar"- Das Land steht weiter hinter dem Projekt

Klagenfurt - Sie sollte das "Aushängeschild" für Jörg Haiders Flüchtlingspolitik werden: die "Sonderanstalt" für mutmaßlich kriminelle Asylwerber, die mit dem Gesetz in Konflikt gekommen waren - oder die man einfach nur einer Straftat verdächtigte. Haider starb selbstverschuldet an seinem verbotenen Geschwindigkeitsrausch, sein FPK-Nachfolger Gerhard Dörfler "erbte" die "Saualm" und ließ das politisch heftig umstrittene Projekt weiterführen. Kosten spielten dabei keine Rolle.

Dass die Saualm für das Land Kärnten ein wirtschaftlicher Flop ist, wird jetzt durch einen vernichtenden Bericht des Kärntner Landesrechnungshofs bestätigt.

In dem geheimen Bericht - der dem Standard vorliegt - wird massive Kritik am Vertrag zwischen dem Land und der aktuellen Saualm-Betreiberin, der HP Beherbergungs GmbH, geübt. Deren Geschäftsführerin Herta Lechner ist auch die Eigentümerin des Gebäudes, das sie der Arbeitsvereinigung der Kärntner Sozialhilfeverbände abgekauft hat.

Laut Vertrag vom 25. 5. 2009 verpflichtete sich das Land Kärnten nicht nur dazu, einen erhöhten Tagsatz von 40 Euro für eine tägliche Vollbelegung von 25 Asylwerbern zu zahlen beziehungsweise zu einem Mindestbetrag von 900.000 Euro bis Vertragsende am 31. 12. 2011. Dies unabhängig davon, wie viele Asylwerber bis dahin tatsächlich verpflegt werden. Sollte dieser Vertrag mit Ende des Jahres gekündigt werden, muss das Land der Betreiberin eine "adäquate Nachnutzung" bis zum 31. 5. 2014 garantieren. Damit würden sich Kosten von insgesamt 1.770.000 Euro ergeben.

Dieser geheimgehaltene Vertrag hätte laut Rechnungshof in der Kärntner Landesregierung beschlossen werden müssen. Da wäre er jedoch öffentlich geworden. Aus den Aufzeichnungen des Flüchtlingsreferats geht hervor, dass ein "erhöhter Betreuungsbedarf" laut Bund-Länder-Koordinationsrat lediglich für durchschnittlich zwei Personen pro Monat gegeben war, für die der Bund mitzahlt. Die verpflichtende "besondere soziale und psychologische Betreuung" habe mangels Teilnehmern nicht stattgefunden.

Laut Rechnungshof sei also die Auszahlung des vollen Tagsatzes von 40 Euro "absolut nicht zu rechtfertigen" und stelle "einen wirtschaftlich nicht vertretbaren Aufwand" dar. Vergleichbare Flüchtlingsquartiere ohne "Sonderbetreuung" erhalten nur 17 Euro pro Asylwerber.

"Politische Entscheidung"

"Die Sonderanstalt auf der Saualm ist sachlich und sozialarbeiterisch nicht zu begründen", meint Angelika Hödl vom Aktionskomitee für Menschlichkeit und Toleranz. Flüchtlingsreferent Gernot Steiner gesteht zu, dass die Saualm "sehr kostspielig" ist. Aber das sei eine "politische Entscheidung". Lechner habe "sicher gut verhandelt", aber "wir stehen alle dahinter"; die Saualm wirke "stark präventiv". Zu den Vorhaltungen des Rechnungshofes meinte Steiner, dies seien "Momentaufnahmen". Es würden mehr Asylwerber zugewiesen, als oben blieben. Man könne nicht der Betreiberin Lechner die Schuld zuschieben. (Elisabeth Steiner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.11.2011)

Kommentar posten
15 Postings
legal eagle
 
00
22.11.2011, 11:23

kamma dafür nicht eine schuldenbremse einbauen?

Koinoentität
02
18.11.2011, 19:35

"besteht auf überteuerteM Asylheim"

Denn das Asylheim existiert bereits und wird nicht etwa verlangt.

halar
01
18.11.2011, 15:51

Kärnten hat auf gar nichts zu bestehen solange die dermaßen schulden haben.

aiuto
00
22.11.2011, 09:17
da kann ich Ihnen nur voll recht geben.

ad vocem
03
18.11.2011, 11:34
Und wieder 1.770.000 Euro Steuergeld verpulvert ...

... durch die Eitelkeit und Renitenz von irgendwelchen Provinzkaisern.

Föderalismus abschaffen, und aus.

legal eagle
 
00
22.11.2011, 11:23

yesssss!

Truk66
00
18.11.2011, 09:41

Das muss doch rauszufinden sein, welche(s) geistige(n) Nackerpatzerl auf Seiten des Landes Kärnten den Vertrag verhandelt und unterschrieben hat(haben).
Wahrscheinlich doch die gleichen Typen, die das Projekt heute noch mit Zähnen und Klauen verteidigen, oder ?
Die Frage die sich stellt : Welche Verbindung gibt´s zu der Dame und wohin fließt das von Frau Lechner eingestreifte Geld ? Ganz umsonst werden das Dö&Co wohl nicht machen.
Wobei hier natürlich die Unschuldsvermutung gilt....

Herzerzog Johann
00
18.11.2011, 16:39

Natürlich ist es rauszufinden. Das war ER.

Seria
00
18.11.2011, 08:09

nicht kärnten, die BZFPKÖ! Und das ist ein unterschied. Warum wird sowas nicht vom Bund unterbunden? Jeder, der da inhaftiert wird ist ja vorverurteilt

N. Ruhen
00
21.11.2011, 15:42
Aber es hat doch angeblich eine "stark präventive Wirkung".

Ich glaube ja, dass sich der damals Verantwortliche (und auch die später Weiterführenden) ein Beispiel an Guantanamo genommen hat. Zuzutrauen wär's ihm/ihnen.

momodeluxe
05
18.11.2011, 07:39

warum sind rechnungshofberichte eigentlich geheim?

eine öffentlich finanzierte institution prüft öffentlich finanzierte akteure.

das ergebnis sollte der öffentlichkeit zur verfügung stehen.

Alaska Saedelaere
01
18.11.2011, 01:50
So wollen Strache und Co das Budget sanieren

Fritz Meyer
00
18.11.2011, 00:10
Kärntens Politik.

Die Experten für Schmierstoffe.

wiesengarten
05
17.11.2011, 23:18
Haiders Verlassenschaft

Das Heim auf der Saualm war einmal ein Erholungsheim für Kinder, konnte aber wegen enormen Mängeln nicht weitergeführt werden. Das heruntergekommene Haus war für Asylsuchende gut genug, obwohl die lecke Senkgrube alleine schon eine Schließung des Heims zur Folge haben hätte müssen. Es gab nie genug potenziell straffällige Asylsuchende, die in dem Heim untergebracht werden hätten können. Trotzdem erhielt die Betreiberin einen Vertrag, der alle Stückeln spielt.
Das das Haus derzeit leer steht, ist gut so, aber dass die Frau Lechner kassiert ohne eine Leistung zu erbringen ist wohl nur in Kärnten möglich.

Christian Eder
01
17.11.2011, 22:39
Oh Gott!

Jörg Haiders intellektuell schwer überforderte, aber auch sonst in jeder Hinsicht hilflose Erben tun mir ja fast schon leid.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.