Oberösterreich

SPÖ-Geschäftsführer hält Reform für "hochbedenklich"

Interview | 17. November 2011, 19:02
  • Artikelbild
    foto: spoe/oe

    Horner befürchtet eine zu hohe Machtkonzentration im Innenministerium.

Oberösterreichs SP-Geschäftsführer Christian Horner erklärt, warum seine Landespartei die geplante Polizeireform kritisch sieht und den demokratischen Willensbildungsprozess in der Partei vermisst

Standard: Die Regierung will die Polizeistruktur von 31 auf neun Behörden verkleinern. Das Argument sind Einsparungen und Verwaltungsvereinfachung. Stimmen Sie zu?

Christian Horner: Ich halte es für sehr seltsam, das ausschließlich aus dem Blickwinkel der Einsparung zu sehen. Da gibt es ganz andere Elemente, die zu berücksichtigen sind.

Standard: Und welche?

Horner: Es geht da natürlich um die grundlegende Frage, wie die Polizeiorganisation in einem Rechtsstaat sein sollte. Denn gibt es nur noch eine Behörde, besteht für mich die Gefahr einer zu hohen Machtkonzentration im Innenministerium.

Standard: In der derzeitigen Struktur gibt die Sicherheitsbehörde den Polizisten noch den Arbeitsauftrag. Für Sie ist es also ein Problem, wenn das alles zentralisiert wird? Das Argument der Vereinfachung zählt für Sie nicht?

Horner: Ich halte es für hochbedenklich. Das grundsätzliche Ansinnen ist ja in Ordnung, aber das Prozedere nicht.

Standard: Die Pläne wurden offenbar in einer geheimen Arbeitsgruppe ausgearbeitet. Wurden die Länder überrumpelt?

Horner: Absolut. Es hat in der SPÖ keinen demokratischen Willensbildungsprozess gegeben. Das war auch schon bei der Wehrpflichtdebatte so. Da spricht sich die SP Oberösterreich dagegen aus.

Standard: Warum, glauben Sie, wurden Sie kaum eingebunden?

Horner: Ich vermute, dass die Regierung Aktivität bei Reformen demonstrieren will. Das greift aber in so einer heiklen Frage zu kurz. Da braucht es einen breiten Diskussionsprozess in der Politik und der gesamten Gesellschaft.

Standard: Staatssekretär Ostermayer hält die Reform für einen logischen Schritt. Und argumentiert nun, die SPÖ wäre gar nicht gegen die Polizeireform von Ernst Strasser gewesen, sondern nur, dass der jetzige Plan nicht schon damals umgesetzt wurde.

Horner: Das habe ich gänzlich anders erlebt: Es gab grundsätzliche und berechtigte Bedenken gegen die Reform. Es würde der SPÖ gut anstehen, sich das noch einmal gut anzusehen. (Michael Möseneder, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.11.2011)

CHRISTIAN HORNER ist gebürtiger Oberösterreicher und war Polizist und Mitarbeiter des SPÖ-Innenministers Karl Schlögl. Der 49-Jährige sieht sich als Opfer der Personalpolitik Ernst Strassers und kündigte, 2009 wurde er Landesgeschäftsführer der SP Oberösterreich.

Kommentar posten
20 Postings
Schottermizzi
00
21.11.2011, 12:37
Bravo - es gibt auch (wenige) Genossen mit Hirn!

Die Reform der Polizei zusammen mit der Einrichtung von Landesverwaltungsgerichten führt zu absolutistischen Fürstentümern anstelle der Bundesländer. Die Führungskräfte der Polizei werden dann von den Landesfürsten ebenso handverlesen wie die Richter, die diese kontrollieren sollen - und der Bund darf alles finanzieren. Und das ist die epochale Verwaltungsreform, bei der die Bundespolitiker nicht ansatzweise behirnen, wie sich gerade selbst ins Knie schießen... Hat die SPÖ den Austrofaschismus schon vergessen???

.........1
00
18.11.2011, 10:06
unser kanzler von der kronenzeitung hat ja alle diese ressorts in schwarzer hand gelssen

innen aussen justiz finanz
und das rächt sich jetzt....die spoe tut mir nicht leid, sie hats ja so wollen

Milchleber
00
22.11.2011, 18:46

Sie vergessen, dass es hier nicht um die SPÖ geht, sondern um uns, das Volk! und das tut mir leid, wenn wir weiterhin zulassen, dass wir von solchen Menschen, wie wir sie derzeit in der Regierung haben, regiert werden.

Bürgerüberwachungs- und Totengräberindustrie
22
18.11.2011, 09:49
Der derzeitige Demokratieabbau der ÖVP wird uns noch sowas von auf den Kopf fallen.

Wir sollten eigentlich alles möglich tun, um demokratische Strukturen zu stärken und eine Vielfalt in der Meinungsbildung und hinsichtlich der Machtbefugnisse sichern.

Man darf nicht vergessen, dass, wenn es so weitergeht, die Rechtsparteien über kurz oder lang in die Regierung kommen.

Dann wird sich das, was momentan in die Wege geleite wird, als fatal erweisen. Denn dieses Personen werden von den Zentralisierungen und Bürgerüberwachungsmaschinerien schonungslos Gebrauch machen.

Anloko
10
18.11.2011, 15:07
"der ÖVP"??

Es ist ihnen hoffentlich nicht entgangen, dass die SPÖ den Chef der Regierung sowie die halbe Regierungstruppe stellt!

Wie man darauf kommt, die aktuelle Regierungsarbeit nur eine Partei zuzuordnen, ist mir schleierhaft.

Wahrscheinlich aus den selben Gründen, die jemanden dazu veranlassen in einer Strukturereform der Exikutivverwaltung einen Demokratieabbau zu sehen.

Haben sie eigentlich das Prinzip der Gewaltenteilung, welches jeden moderen demokratischen Staat zugrunde liegt, verstanden?

Mich!, als gemeiner Büger, vertreten nicht irgendwelche Exikutivbeamten, sondern die ins Parlament gewählten Abgeordneten. Deswegen sollten die persönlichen Machtbefugnisse dieser Beamten gleich NULL sein!

ForumBot
06
18.11.2011, 08:29
Die roten sollen entweder

a) ned permanent umfallen wenn's Bedenken haben/dagegen sind, oder
b) endlich einfach die pappn haltn.

Sommerwiese
01
18.11.2011, 08:23
definiert man ...

...einen Rechtsstaat danach ob es 9 oder 31 Polizeibehörden gibt? Das betrifft doch eher die Revier als die Gewaltenteilung?

Standard deviation
21
18.11.2011, 07:54

Zu Horners Zeiten war das BM.I total rot eingefärbt.
Alle Sektions- und Gruppenleiter sowie 80% aller
Abt-Leiter waren rot.
Ebenso ALLE 8 Landesgendarmeriekommandanten
Ein reiner Beschäftigungsverein für Sozis.

Auswandern, aber wohin?
03
18.11.2011, 07:06
Und der Ostermayer

und der Pendl machen mit. Sofort ausschließen, die beiden, sowas darf nicht sein - sachliche Zusammenarbeit mit dem Feind...

erinnye
 
02
17.11.2011, 22:40
da bremsen sie schon wieder

die Sozen.

Zensi
411
17.11.2011, 22:09
Vertuschung wird Tür und Tor geöffnet

Horner hat dies so gemeint und wir erleben es seit einigen Jahren was alles im Innen - und Justizministerium verschleiert, unterdrückt wird. Es geht in Wahrheit um parteipolitische Machtverbreiterung der ÖVP und darum, die Gaunereien von Strasser und seinen Ministeriumsmitarbeitern zu vertuschen.

Dr. Lari and Mr. Fari
 
12
18.11.2011, 01:06
WAS hat er gemeint??

Das einzige, was er konkret bemängelt, ist, daß die Landesorganisationen nicht in die Entscheidung eingebunden waren. So what?
Wenn es um Einflußnahme etc. ginge, müßte er sich die alte Frage "Herr des Verfahrens" unabhängiger U-Richter vs. weisungsgebundener Staatsanwalt wieder vornehmen.
DER Kaas ist aber längst gegessen, u. a. weil auch die SP da machtmäßig profitiert, wenn sie in der Regierung sitzt.

Dr. Lari and Mr. Fari
 
62
17.11.2011, 21:28
Scheinargumente

eines subalternen Provinzfurzes.
In erster Linie dahingehend zu interpretieren, daß sich da einer als Nachforlger Ackerls ins Spiel bringen will.

morty
22
17.11.2011, 21:18

Verstehe nicht ganz, warum es ein Problem sein soll wenn es statt 31 nur mehr 9 Landespolizeidirektionen (und wie sie vorher alle hießen) geben soll: Horner meint, dass damit zu viel Macht in einer Hand konzentriert sei - waren die alten Behörden nicht auch allesamt dem Innenministerium unterstellt? Falls ja, was ändert sich dann?

Ernstl Strasser
00
18.11.2011, 08:00
1

Ich denke, seine Argumentation geht in die Richtung, wie "Polizei" - also die Gefahrenabwehr im Rahmen der Staatsfunktion Verwaltung - staatlich konstruiert sein sollte, bzw. im Sinne des Bundesverfassungsgesetzes gedacht ist/war.

Die Idee ist, dass die bewaffnete Macht durch Sicherheitsbehörde kontrolliert und gesteuert wird und so der Bürger vor zuviel Macht in der Hand einer Organisation geschützt wird.

Dies ist seit der Strasserschen Reform obsolet geworden, weil sich hier der Wachkörper Gendarmerie durch Einnahme der Schlüsselfunktionen im Innenressort über die ihn eigentlich kontrollieren sollenden Behörden aufgeschwungen hat - genau genommen war diese letzte Reform meines Erachtens verfassungswidrig.

Ernstl Strasser
00
18.11.2011, 08:11
2

Ob sich am Grundsystem jetzt was ändern wird, kann man wohl noch nicht wirklich sagen, weil es kaum Details gibt.
Es scheint allerdings etwas in Richtung Eindämmung der Macht des Wachkörpers zu gehen, aber wohl sehr zaghaft.
Denn innerhalb der neuen Superbehörden werden zwei Stellvertreter des Chefs installiert, von denen einer den behördlichen und einer den Wachkörper-Teil representiert.
Eine Verbesserung trotzdem, weil es jetzt eine gemeinsame Führung gibt.

theEdge
 
210
17.11.2011, 20:49

Ein grünes für den Herrn Horner.

Selten von einem (roten) Politiker so etwas weitsichtiges gelesen.

Standard deviation
11
18.11.2011, 07:57
Offenbar hatte er einen Job in Aussicht!

Man sollte Egoismus nicht mit Weitsicht verwechseln.

grimsvotn eyjafjallajökull
00
17.11.2011, 22:29

Gerade die SPÖ möchte doch am liebsten alles zentralisieren. Woher denn der plötzliche Sinneswandel Herr Nachfolgeaspirant?

TT1
74
17.11.2011, 20:40
Der 7. Zwerg von links hat gesprochen

Gaaaaaaehn

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.