Strasser und die glücklichen Herzen

17. November 2011, 18:39
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Staatsdruckerei zahlte 150.000 Euro, Casinos 200.000

Wien - Die Korruptionsstaatsanwaltschaft ermittelt nun auch wegen Geldwäscheverdachts gegen Ex-Innenminister Ernst Strasser (ÖVP). Er stürzte als EU-Abgeordneter über die Lobbyingaffäre; seither untersucht die Justiz wegen Bestechungsverdachts, den Strasser zurückweist (es gilt die Unschuldsvermutung).

Geprüft werden die Geldflüsse rund um seine Gesellschaften wie die GP Beteiligungs- und VerwaltungsgmbH, die zunächst von einem Treuhänder gehalten wurde (Strasser hat Selbstanzeige bei der Finanz erstattet). Zudem gehört dem Expolitiker die cce - consulting, coaching & educating GmbH.

Geld verdient hat der politisch in Erwin Prölls Niederösterreich sozialisierte Oberösterreicher nach seiner Ministerzeit als Berater. Die Österreichische Staatsdruckerei (im Vorstand: Thomas Zach, Ex-Kabinettchef Strassers) konsultierte Strasser für Geschäfte in Südosteuropa - und bezahlte der GP dafür bis dato rund 150.000 Euro. Ab Februar 2008 verdiente Strasser, damals Präsident der Österreichisch-Russischen Freundschaftsgesellschaft, mit seinen Diensten für die Casinos Austria bzw. die Lotterien. Er beriet sie bei einem Projekt in der russischen Teilrepublik Baschkortostan. Beratungshonorar bis Ende 2010: rund 200.000 Euro. Das Geld floss an die Expert Managementberatung Russia GmbH (EMB), die Strasser indirekt zu einem Drittel gehört. Der Deal: In Baschkortostan wird seit Ende 2009 Lotto gespielt, gestartet wurde übrigens mit dem Rubbellos "Glückliche Herzen".

Weitere Einnahmequellen: Beratung für Manager des Verlags der Tiroler Tageszeitung, Vortragstätigkeit im Management Zentrum St. Gallen. In Wien versuchte Strasser zudem, im Streit zwischen AUA und ihrem Doch-nicht-Investor Al Jaber zu vermitteln - was offenbar nicht so gut gelungen ist. Einen Teil seiner Gage hat Strasser in Spanien investiert Auf Mallorca, wo er eine Eigentumswohnung erstanden hat.(Renate Graber, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 18.11.2011)

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    Ex-Innenminister Ernst Strasser

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