Trügerisches Idyll

17. November 2011, 17:11
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Sachen gibt's! Zum Beispiel: Eine Jungfamilie wird plötzlich aus ihrem süßen Jungfamilienidyll gerissen

Sachen gibt's! Zum Beispiel: Eine Jungfamilie wird plötzlich aus ihrem süßen Jungfamilienidyll gerissen. Und das geht so: Alles beginnt mit einem Brief vom Jugendamt mit der Bitte um persönliche Vorsprache. Tut Leid, aber Ihr Kind wurde möglicherweise bei der Geburt vertauscht, Sie haben einen Monat Zeit zur Übergabe, auf Wiedersehen. Die sich anschließende Verzweiflung ist nachvollziehbar.

Reale Bezüge sind es im ORF-Film Im falschen Leben eher nicht. Das beginnt schon damit, dass Jugendämter hoffentlich keine Briefe verschicken, wenn es um vertauschte Babys geht, und verantwortliche Ärzte die Erklärung abgeben: "Wir haben über 1000 Betten." Und: "Ich verstehe, dass Sie wütend sind, aber jetzt kann man nichts mehr machen." Laissez-faire im Krankenhaus - zumindest ein neuer Ansatz.

Der Einzige, der sich damit nicht so schnell anfreunden will, gibt den Unsympathler. Gute Ratschläge von Freunden werden befolgt: "Sofort tauschen, warum warten?" Schließlich Aufmunterung: "Wenn das hier alles vorbei ist, gehen wir wieder einmal richtig einen trinken. Mach's gut, tschüss!" Die sorglosen Eltern müssen schließlich mit Kindesentführung für ihr Vergehen büßen.

Dringend abraten muss man übrigens auch von The Starter Wife, einer Serie. Als Hybrid aus "schöne Hilflose" und "beste Freundin meiner Tochter" verfolgt die betrogene und geschiedene Hauptdarstellerin Molly fast schon unverschämt Vorstellungen von quotenfördernden Jungmädchenträumen. Am Ende steht häufig ein Retter: vor dem Ertrinken oder vor Demütigung durch hochnäsige Geschlechtskolleginnen. Ein Problem, dieser Film. (Doris Priesching, DER STANDARD; Printausgabe, 18.11.2011)

  • "Im falschen Leben"
    foto: orf/mdr/teamworx/christiane pausch

    "Im falschen Leben"

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