Adventmarktverbot für "Augustin"-Verkäufer

17. November 2011, 18:31
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Security-Mitarbeiter sollen auch Spendensammler wegweisen - Laut Marktordnung gibt es kein derartiges Verbot

Wien - "Unsere Verkäufer sind keine Engel", sagt Evi Rohrmoser vom Vertrieb der Straßenzeitung Augustin: "Aber von uns kriegen sie eine Einschulung, wie man sich als Verkäufer richtig verhält".

Umso ungerechter sei für die "Leute mit ihrer schweren Lebensgeschichte" - Obdachlose, Asylwerber, Roma - das Verbot, auf manchen Wiener Christkindlmärkten, das gesellschaftskritische Boulevard-Blatt anzubieten: just dort, wo die barmherzigkeitsträchtige Vorweihnacht gewinnsteigernd zelebriert wird.

Besagtes Verbot sei auf Nachfrage hin ausgesprochen worden, erzählt die Sozialarbeiterin: "Vergangenes Jahr hatten Augustin-Verkäufer auf den Christkindlmärkten Probleme. Dem wollten wir heuer vorbeugen und bei den Marktveranstaltern Genehmigungen einholen."

Kein Verbot in Marktordnung festgeschrieben

Das misslang: Personen, die, von Stand zu Stand gehend, Zeitungen oder anderes anpreisen, seien unerwünscht, hieß es. "Wenn Spendensammler, Blumen- oder Zeitungsverkäufer Christkindlmarktbesucher alle zwei Minuten um Geld angehen, ist das inakzeptabel", bestätigt Hannes-Mario Dejaco von der Eventagentur MagMag, die unter anderem den Markt im Alten AKH organisiert. Die Security sei angewiesen, aufdringliche Verkäufer wegzuweisen.

Akan Keskin vom Verein zur Förderung des Marktgewerbes, der unter anderem auf dem Rathausplatz den Advent ausrichtet, beruft sich indes auf die "Marktbewilligung der MA 59". Laut dieser dürften am Christkindlmarkt "keine Fremdsachen verkauft werden". Im Büro der für Marktangelegenheiten zuständigen Stadträtin Sandra Frauenberger (SP) widerspricht man: "Laut Marktordnung gibt es kein derartiges Verbot." (Irene Brickner, DER STANDARD, Printausgabe, 18.11.2011)

Die Augustin-Redaktion äußerte sich am Donnerstag auf ihrer Website zum Verkaufsverbot und kündigte für Samstag, 19. November, eine Protestaktion am Wiener Rathausplatz an.

  • Sicherheitsdienste sollen dafür sorgen, dass Besucher von Wiener Adventmärkten nicht von Zeitungsverkäufern behelligt werden.
    foto: helmut fohringer

    Sicherheitsdienste sollen dafür sorgen, dass Besucher von Wiener Adventmärkten nicht von Zeitungsverkäufern behelligt werden.

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