Klavierkunst als Problemlöserin

17. November 2011, 17:26
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Yefim Bronfman gastierte in Wien

Wien - Ganz zum Schluss lächelte Yefim Bronfman, bescheiden und verschmitzt, und ein wenig erinnerte der Mittfünfziger da an Agatha Christies Hercule Poirot, der eben zur allgemeinen Verblüffung einen kniffligen Kriminalfall mit stupender Leichtigkeit gelöst hatte: Die Rede ist von den in flauschiger, perlender Perfektion hingezauberten Zugaben seines Recitals im Musikverein, Frédéric Chopins F-Dur-Etüde op. 10 Nr. 8 und Franz Liszts zweite Paganini-Etüde. Demonstrationen allerhöchster Klavierkunst.

Dass der weltweit Gefeierte auch den Berserker draufhat, hatte Bronfman zuvor bei drei von Liszts Études d'exécution transcendante demonstriert: bei Mazeppa, den Harmonies du soir und Chasse-neige. Ein wenig davon hätte man sich auch bei Brahms' f-Moll-Sonate gewünscht: Die Welt ausschreiten, die Welt sprengen zu wollen scheint der 20-jährige Komponist etwa zu Beginn der Sonate, den Bronfman überraschend handzahm darbot. Im Andante fanden sein kuscheliger Prélude-Ton und bombastisches Getöse nicht zu einem dramaturgischen Zusammenhang.

Wie aus einem Guss hingegen Prokofjews Sonate Nr. 8 in B-Dur: Auf den bezaubernden Mittelsatz folgte ein Finale, in welchem sich der sonst so soignierte Bronfman in Rage spielte und zum Schluss noch Kraft für eine kurze Heldenpose fand, die wiederum mehr an Liszt als an Hercule Poirot erinnerte. (end / DER STANDARD, Printausgabe, 18.11.2011)

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