US-Richter zwingt Ehepartner zu Austausch von Facebook-Logins

17. November 2011, 15:59
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Frau sei mit Kind überfordert - Mann fordert alleiniges Sorgerecht

Wenn Menschen gegen ihre Ex-Partner vor Gericht vorgehen, geht es meist um Besitz oder Geld. Nun hat ein Richter im US-amerikanischen Connecticut in einem Scheidungsfall beide Ehepartner dazu aufgefordert, einander die Zugangsdaten für Facebook und andere Dating-Webseiten zu geben, berichtet Forbes.

Beweismaterial für Gerichtsprozesse

Man kann sich gut vorstellen, dass Beweise, die aus Online-Netzwerken gefischt werden, Gerichtsverfahren und Scheidungen in die Hände spielen. Anwälte können sich praktisch das Beweismaterial aus dem Profil der User ziehen, ohne sich illegal zu machen und ungefragt in den Account einzuloggen. Manchmal aber fordern Richter die Parteien zu einer Aushändigung der Facebook-Passwörter auf. Es stellt sich die Frage: Unter welchen Umständen ist dies gerechtfertigt?

"Erschreckt mich zutiefst"

Im Fall des Urteils vor dem Gericht in Connecticut sagt der beteiligte Scheidungsanwalt Gary Traystman, der überraschenderweise weder über einen Computer noch einen E-Mail-Account verfügt: "Wie einfach es ist, sich die Informationen von Rechnern und durch Prozesse holen kann, erschreckt mich zutiefst."

Alleiniges Sorgerecht

Hintergrund der richterlichen Anordnung sei das Facebook-Profil der vor Gericht stehenden Frau gewesen, in dem der Ex-Gatte in spe Informationen entdeckt hatte, die ihm bei seiner Forderung nach dem alleinigen Sorgerecht halfen. Vor Gericht nutzte er diverse Postings der Frau, aus denen zu lesen war, dass sie als Mutter überfordert sei.

Richterliche Anordnung

Zur weiteren Recherche verlangte der Anwalt des Ehemanns die Zugriffsdaten auf die Konten von Facebook sowie des Dating-Portals Match.com. Letzteres hatte die Frau zunächst verweigert. Auf Anraten ihres Anwalts lenkte sie ein, bat sie ihren Freund per SMS, das Passwort zu ändern, um Postings zu löschen. Daraufhin folgte eine richterliche Anordnung veranlasste zum Austausch der Konto-Zugangsdaten.

Eingriff in Privatsphäre

Das Urteil ist ein Paradebeispiel für Eingriff in die Privatsphäre von BürgerInnen. Äußerst ungewöhnlich - auch für US-amerikanische Verhältnisse - wenn Anwälte ihren Mandaten zur Weitergabe persönlicher Informationen raten.

"Du wirst dein Passwort nicht weitergeben"

Im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt, sagt ein Sprichwort, aber sogar in den Privatsphäre-Einstellungen des Facebook-Netzwerks schreibt Regel 8 vor: "Du wirst dein Passwort nicht weitergeben". (Eva Zelechowski, derStandard.at, 17.11.2011)

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    Paradebeispiel für Eingriff in die Privatsphäre, auch für die USA außergewöhnlich.

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