Buchbranche erhofft Weihnachtssegen

17. November 2011, 15:32
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In der Weihnachtszeit machen die rund 1.160 Buchgeschäfte in Österreich bis zu einem Drittel ihres Jahresumsatzes

Wien - "Wenn es der Wirtschaft schlecht geht, geht es der Buchbranche gut. Das gilt nicht mehr." Michael Kernstock, Obmann der heimischen Buchhändler, steht mit dieser ernüchterten Feststellung nicht alleine da. Im von der Pleite bedrohten Griechenland gingen die Umsätze der Buchhändler seit der Krise um 45 Prozent zurück, erzählte der griechische Autor Petros Markaris vergangene Woche bei der Eröffnungsrede der Messe "Buch Wien".

In Österreich machte die Branche von Jänner bis Oktober laut Zahlen des Hauptverbandes des österreichischen Buchhandels nominell 4,8 Prozent weniger Umsatz. Nun hoffen die Buchhändler auf das für sie so wichtige Weihnachtsgeschäft, auch wenn sich bis Jahresende real (inflationsbereinigt) kein Plus mehr ausgehen dürfte, schätzt Kernstock.

Hoffen auf Weihnachtsgeschäft

In der Weihnachtszeit machen die rund 1.160 Buchgeschäfte in Österreich bis zu einem Drittel ihres Jahresumsatzes. Bei einem Durchschnittspreis von 9,54 Euro pro Taschenbuch seien Bücher nicht nur leistbare, sondern darüber hinaus auch wertvolle Geschenke, findet der Chef der größten Buchhandelskette Thalia, Josef Pretzl. Unterschiedlichen Studien zufolge rangiert das Buch irgendwo zwischen Platz 1 und 3 der beliebtesten Weihnachtsgeschenke. Auch wenn jemand schon alle Geschenke besorgt hat, "kommt am Ende immer noch ein Buch dazu", so Pretzl.

Während die Menschen den Buchhändlern zu Weihnachten die Türe einrennen, tut sich die Branche unter dem Jahr schwer, genügend Bücher abzusetzen - zumindest im stationären Handel. Im Internet läuft das Geschäft prächtig. Würden die Internetumsätze nicht mitgerechnet, wäre das Minus in der Branche noch viel größer, räumte Kernstock ein. Mittlerweile setzt der Buchhandel mehr als ein Fünftel im Netz um. Die Zahl jener, die sonntags im Internet Bücher bestellt statt sie regulär im Geschäft zu kaufen, nehme ständig zu, meinte Kernstock. "Aber das sind die Zeichen der Zeit, dagegen kommen wir nicht an."

Internet wird wichtiger

Thalia-Chef Pretzl geht davon aus, dass der stationäre Handel in den nächsten fünf Jahren seine Position als Hauptabsatzkanal für Bücher verlieren wird. "Zwischen 40 und 50 Prozent der Umsätze werden ins Internet wandern", glaubt er. An den aktuell 35 Standorten mit seinen 820 Mitarbeitern will der Marktführer in der heimischen Buchhandelsbranche aber nicht rütteln. Im Gegenteil: Schon nächste Woche macht eine Filiale am Wiener Westbahnhof auf und auch 2012 sollen neue Standorte dazukommen. Denn auch wenn das Geschäft bald vorwiegend im Internet gemacht wird, hält Pretzl eine flächendeckende Präsenz für wichtig. "Sonst ist Multichannel nicht glaubwürdig möglich." Die Strategie scheint aufzugehen, entgegen dem allgemeinen Trend in der Branche hat Thalia in Österreich im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr 2010/2011 den Umsatz um 5,6 Prozent auf 148,5 Mio. Euro gesteigert.

Offline versus online, analog versus digital - das sind die Gegensätze, die den Buchhandel beschäftigen. Noch ist der Umsatzanteil elektronischer Bücher mit 0,1 Prozent unter der Wahrnehmungsschwelle. "In zehn Jahren wird dieser Anteil 10 Prozent ausmachen", prognostiziert Kernstock. "Die digitale Entwicklung kommt ja erst", meinte Pretzl. Thalia bringt zum Weihnachtsgeschäft den Nachfolger seines E-Readers Oyo auf den Markt. 100.000 Titel seien bereits als E-Book verfügbar.

Wer die heimischen Lesemuffel zur Lektüre bringen will, muss sich ganz schön ins Zeug legen. Thalia inszeniert Bücher und setzt auf "Themenwelten". In der Abteilung für Kochbücher gibt es Olivenöl, Samen und Nudeln, zum Esoterik-Buch gibt es Steine und in der Familienabteilung wurde das Spieleangebot erweitert. "Es reicht nicht mehr, einfach nur Bücher zu verkaufen. Das Einkaufserlebnis ist entscheidend", so Pretzl. Buchhandels-Obmann Kernstock, der selbst zwei Geschäfte in Wien besitzt, ist seit kurzem Postpartner: "Das ist eine Methode, wie man Menschen ins Geschäft bringt. Und es zeigt sich, dass wir dadurch auch mehr Bücher verkaufen." (APA)

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