Neue Alben von Mopedrock!!, Joe Henry und Anna Ternheim
MOPEDROCK!! Vasistas (Konkord/ Hoanzl)
Mopedrock gebührt schon wegen des vielleicht besten heimischen
Bandnamens Respekt. Und dann unterläuft der Wiener Vierer natürlich die
Erwartungshaltungen, die er damit schürt. Statt angebermäßig mit 50
Kubikzentimetern und roten Nummerntaferln stinkende Hauptplatzrunden im
Geiste von Status Quo oder Suzi Quatro zu drehen, röcken sie mit zwei
Rufzeichen auf Französisch, haben also nicht Mechaniker studiert,
sondern mindestens maturiert. Ihr erster Longplayer mit dem vieldeutigen
Titel Vasistas überzeugt mit einem Sturm-und- Drang-Gestus, der
in einer Musik gipfelt, die trotz des nicht mehr ganz jugendlichen
Alters der Band eine Dringlichkeit besitzt, die man gemeinhin nur der
Jugend zugesteht. Das geht zwar auf Kosten der Perfektion, aber davon
lebt bekanntlich der Charme. Das Album Vasistas prägt die
aufgeregte Zackigkeit der New Wave - ohne diese formal zu beleihen,
obwohl einem in manchen Stücken die belgischen Honeymoon Killers
einfallen könnten. Stattdessen krachen Moped-rock!! mit scharfen
Gitarren, Schepperschlagzeug und Jakob Ortis' emphatischem Gesang im 2CV
die Champs-Élysées runter, den Stinkefinger aus dem Fetzendachl
gestreckt. Ein paar Pausen gönnt man sich, da sind dann gar Streicher zu
hören. Ein Lied wird auf Englisch vorgetragen und ist so toll wie der
Rest, kurz: Spitzenalbum!
JOE HENRY Reverie (Anti)
Der US-Songwriter kann es sich aufgrund seiner Produzentenjobs leisten, das eigene Werk kompromisslos weiterzuführen. Reverie,
das 13. Album des Schwagers von Madonna, schlurft durch die staubigen
Seelenlandschaften Amerikas, so als hätte Dr. Elvis Costello einen Tom
Waits zwecks Behandlung von Morbus Nostalgia auf der Couch in der
Berggasse 19 liegen. Das zeitigt zwar ein paar Längen, besitzt aber auch
die Qualität großer Songwriter-Alben der 1970er-Jahre.
ANNA TERNHEIM The Night Visitor (Universal)
Anna Ternheim hat für ihr Album The Night Visitor Matt
Sweeney als Produzenten verpflichtet. Der hat wiederum seinen Haberer
Will Oldham alias Bonnie "Prince" Billy mitgebracht, was sich am neuen
Album der schwedischen Singer-Songwriterin in schaurigen
Polarlicht-Balladen niederschlägt. Licht, das zeigt schon das Cover,
bricht nur in der Ferne in dieses Werk, im Trüben fischt Ternheim
dennoch nicht: Ihre Songs sind zwar karg, aber bestechend. (flu / DER STANDARD, Printausgabe, 18.11.2011)