Musikrundschau mit Rufzeichen

17. November 2011, 17:32
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Neue Alben von Mopedrock!!, Joe Henry und Anna Ternheim

 

MOPEDROCK!! Vasistas (Konkord/ Hoanzl)

Mopedrock gebührt schon wegen des vielleicht besten heimischen Bandnamens Respekt. Und dann unterläuft der Wiener Vierer natürlich die Erwartungshaltungen, die er damit schürt. Statt angebermäßig mit 50 Kubikzentimetern und roten Nummerntaferln stinkende Hauptplatzrunden im Geiste von Status Quo oder Suzi Quatro zu drehen, röcken sie mit zwei Rufzeichen auf Französisch, haben also nicht Mechaniker studiert, sondern mindestens maturiert. Ihr erster Longplayer mit dem vieldeutigen Titel Vasistas überzeugt mit einem Sturm-und- Drang-Gestus, der in einer Musik gipfelt, die trotz des nicht mehr ganz jugendlichen Alters der Band eine Dringlichkeit besitzt, die man gemeinhin nur der Jugend zugesteht. Das geht zwar auf Kosten der Perfektion, aber davon lebt bekanntlich der Charme. Das Album Vasistas prägt die aufgeregte Zackigkeit der New Wave - ohne diese formal zu beleihen, obwohl einem in manchen Stücken die belgischen Honeymoon Killers einfallen könnten. Stattdessen krachen Moped-rock!! mit scharfen Gitarren, Schepperschlagzeug und Jakob Ortis' emphatischem Gesang im 2CV die Champs-Élysées runter, den Stinkefinger aus dem Fetzendachl gestreckt. Ein paar Pausen gönnt man sich, da sind dann gar Streicher zu hören. Ein Lied wird auf Englisch vorgetragen und ist so toll wie der Rest, kurz: Spitzenalbum! 

JOE HENRY Reverie (Anti)

Der US-Songwriter kann es sich aufgrund seiner Produzentenjobs leisten, das eigene Werk kompromisslos weiterzuführen. Reverie, das 13. Album des Schwagers von Madonna, schlurft durch die staubigen Seelenlandschaften Amerikas, so als hätte Dr. Elvis Costello einen Tom Waits zwecks Behandlung von Morbus Nostalgia auf der Couch in der Berggasse 19 liegen. Das zeitigt zwar ein paar Längen, besitzt aber auch die Qualität großer Songwriter-Alben der 1970er-Jahre.  

ANNA TERNHEIM The Night Visitor (Universal)

Anna Ternheim hat für ihr Album The Night Visitor Matt Sweeney als Produzenten verpflichtet. Der hat wiederum seinen Haberer Will Oldham alias Bonnie "Prince" Billy mitgebracht, was sich am neuen Album der schwedischen Singer-Songwriterin in schaurigen Polarlicht-Balladen niederschlägt. Licht, das zeigt schon das Cover, bricht nur in der Ferne in dieses Werk, im Trüben fischt Ternheim dennoch nicht: Ihre Songs sind zwar karg, aber bestechend. (flu  / DER STANDARD, Printausgabe, 18.11.2011)

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