Interims-Chefin Tamandl rügt Karas

17. November 2011, 13:04
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Tamandl bezeichnet Forderungen von Karas nach einem Ministeramt, falls er ÖVP-Wien Chef werden sollte, als überzogen

Wien/Brüssel - Die Wiener ÖVP ist auf Chefsuche und dass sich nun ein Kandidat selbst ins Spiel gebracht hat, sorgt derzeit für innerparteiliche Aufregung: Der VP-Delegationsleiter im EU-Parlament, Othmar Karas, hatte am Mittwoch nämlich erklärt, von der interimistischen Parteichefin Gabriele Tamandl und der Wiener Wirtschaftskammerchefin Brigitte Jank gefragt worden zu sein, ob er die Funktion übernehmen würde. Die Partei könne diese Anfrage "weder dementieren noch bestätigen", teilte ein Sprecher mit. 

Tamandl "not amused"

Die interimistische Wiener ÖVP-Chefin Gabriele Tamandl ist über Othmar Karas "not amused". Der ÖVP-Delegationsleiter im EU-Parlament hatte dem "Standard" interne Anfragen bestätigt, ob er als Parteiobmann nach Wien wechseln würde. Tamandl bestätigte diesbezügliche Gespräche am Donnerstag der APA und übte Kritik an Karas' Vorgehensweise: "Wenn man Gespräche führt, erwartet man sich, dass jeder das für sich behält, bis eine Entscheidung gefallen ist." Dass sich Karas damit als künftiger Parteichef selbst disqualifiziert habe, wollte sie so nicht verstanden wissen - allerdings: "Er hat sich damit keinen guten Dienst erwiesen."

Gespräche mit mehreren Personen

Am heutigen Vormittag wollte man die Gespräche zwischen Karas und Tamandl sowie der Wiener Wirtschaftskammerpräsidentin Brigitte Jank noch unkommentiert lassen. Tamandl sagte nun, dass mit dem Delegationsleiter geredet worden sei, betonte allerdings, dass es mit mehreren Personen Gespräche gegeben habe.

"Karas hat viele verschreckt"

"Bei mir laufen die Telefone heiß", berichtete die Interimschefin: "Spitzenfunktionäre und Entscheidungsträger wollen von mir informiert werden, bevor irgendetwas öffentlich gemacht wird." Die Ansage von Karas "hat viele verschreckt". Man habe früher in der Wiener Partei immer wieder das Problem gehabt, dass aktuelle Befindlichkeiten über die Medien ausgerichtet würden. "Ich dachte mir, dass ich es als geschäftsführende Parteiobfrau geschafft hätte, das loszuwerden", so Tamandl. Sie erwarte sich, dass sich jeder daran halte, dass interne Gespräche als solche behandelt würden. Karas' Vorgangsweise sei "kontraproduktiv".

Tamandl sieht Forderungen von Karas kritisch

Leicht irritiert zeigte sich Tamandl auch über Forderungen, die Karas an einen eventuellen Wechsel von Brüssel nach Wien geknüpft haben soll. "Die Forderung nach einem Ministeramt halte ich für völlig überzogen", stellte Tamandl klar. Parteichef Michael Spindelegger habe sich ein Team zusammengestellt, das sehr gut arbeite. Einem personellen Durchgriffsrecht in der Wiener Volkspartei, das der EU-Parlamentarier ebenfalls als Bedingung genannt haben soll, kann die Interimsobfrau ebenfalls nicht viel abgewinnen. Das wäre ein "Rückschritt", da man sich ja vorgenommen habe, die eigenen Leute nun stärker in Entscheidungen einzubinden: "Wir brauchen nicht jemanden, der sagt: 'Ich sag Euch jetzt, was Sache ist.'"

 

Stadtrat "nicht zur Disposition"

Weiters wurde seitens der ÖVP unterstrichen, dass der nicht amtsführende Stadtrat Manfred Juraczka hinsichtlich einer Ablöse "nicht zur Disposition" stehe: "Er wurde vor kurzem mit einer überwältigenden, großen Mehrheit im Landesparteivorstand gewählt", so der Sprecher. Außerdem gelte es zu bedenken, dass Karas beim Wechsel an der Spitze des Europaparlaments vom konservativen Jerzy Buzek zum sozialdemokratischen Martin Schulz im nächsten Jahr große Chancen auf einen Posten als Vizepräsident des EU-Parlaments habe.

Karas schweigt

Befragt, ob ein Wechsel von Karas nach Wien auch damit zusammenhänge, dass er in der Bundespartei derzeit nicht allzu gut angeschrieben ist und er möglicherweise neuerlich bei der nächsten EU-Parlamentswahl in drei Jahren nicht als Spitzenkandidat der ÖVP aufgestellt wird, wollte der Sprecher nicht eingehen. Karas selbst wollte sich zu den Spekulationen am Donnerstag nicht äußern. Jedenfalls dürfte einiges auch von der Konstellation an der Spitze der Bundes-ÖVP abhängen. Bis zur Nationalratswahl 2013 könnte sich hier noch einiges ereignen.

Karas hatte bei den EU-Wahlen 2009 die meisten Vorzugsstimmen bekommen. Dies wurde auch als Protest der ÖVP-Anhänger angesehen, nachdem ihm Ernst Strasser als Spitzenkandidat vorgezogen worden ist. Nach dem unrühmlichen Abgang von Strasser wegen der Korruptionsaffäre im März des Jahres kehrte der 53-jährige Karas als Delegationsleiter an die Spitze der ÖVP-Europaabgeordneten zurück. (APA)

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    Karas hätte die interne Anfrage nicht öffentlich machen sollen, meint Tamandl.

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