Felderer fordert Nulllohnrunde, Neugebauer blockt ab

17. November 2011, 13:06
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IHS-Chef Felderer hatte Nulllohnrunde vorgeschlagen - Die Gewerkschaftbezeichnet dies als unsozial und unakzeptabel

Wien - Der Verschlag von IHS-Chef Bernhard Felderer zu einer Nulllohnrunde im Öffentlichen Dienst hat am Donnerstag für Diskussionen und heftige Gegenwehr gesorgt. Der oberste Beamtengewerkschafter Fritz Neugebauer (ÖVP) stellte im "Ö1-Mittagsjournal" klar: "Das kommt nicht infrage." WK-Präsident Christoph Leitl möchte sich zwar nicht in die laufenden Gehaltsverhandlungen der Beamten einmischen, allerdings sollte man Felderers Aussagen doch "Gewicht beimessen".

Bernhard Felderer, Vorsitzender des Staatsschuldenausschusses, hatte am Mittwochabend in einer Diskussionsrunde im Ö1-Radio ein Aussetzen der Lohnrunde bei den Beamten angedacht. Felderer verwies auf die kritische Situation in anderen Ländern, Österreich müsse daher frühzeitig gegensteuern. Was den öffentlichen Dienst betrifft, sollte es deshalb "eine sehr geringe Lohnsteigerung oder Null" geben. Der IHS-Chef verwies auch auf Strukturvorrückungen bei den Beamten: "Das muss man noch einmal draufrechnen."

"Werden Suppe nicht alleine auslöffeln"

Neugebauer reagierte auf diese Aussagen empört: "Das kommt sicher nicht infrage. Die öffentlich Bediensteten sind nicht schuld am Schuldendesaster. Sie werden die Suppe auch nicht alleine auslöffeln." Felderers Vorschlag sei "eindimensional", schließlich spielen bei der Lohnfindung mehrere Komponenten eine Rolle. Über den Vergleich mit Beamten anderer Länder zeigte sich der GÖD-Chef verärgert. "Wir sparen in vielen Bereichen, das ist offenbar seiner Aufmerksamkeit entgangen." Zwar dürfe sich in einer Demokratie natürlich jeder äußern, bei Felderers Vorschlag handle es sich jedoch um eine "Verknappung, die nicht akzeptiert werden kann." Neugebauer geht davon aus, dass das Ergebnis der Verhandlungen nicht unter der Inflationsgrenze zum liegen kommt: "Da gehe ich nicht davon aus. Das würde auch nicht verstanden werden."

Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl will sich "aus Prinzip" nicht in laufende Gehaltsverhandlungen einmischen. Allerdings erklärte er am Donnerstag gegenüber Journalisten: "Ich bin aber der Ansicht, dass man der Meinung des Präsidenten des Staatsschuldenausschusses ein hohes Gewicht beimessen sollte."

Freiheitliche: "unsozial"

Werner Herbert, Bundesvorsitzender der AUF (Aktionsgemeinschaft Unabhängiger und Freiheitlicher) und freiheitlicher Bereichssprecher für den Öffentlichen Dienst, hält eine Nulllohnrunde für "unsozial" und "inakzeptabel": "Es ist nicht einzusehen, warum die Bediensteten im Öffentlichen Dienst einen Reallohnverlust hinnehmen müssen, nur weil SPÖ und ÖVP den Staat in den vergangenen Jahren nieder gewirtschaftet haben." Ähnlich sieht es auch die Gewerkschaft der Gemeindebediensteten. "An den Haaren herbeigezogene Vergleiche mit der Situation in Griechenland oder Spanien werden eine faire Anpassung der Löhne und Gehälter nicht verhindern", erklärte der GdG-KMSfB-Vorsitzende Christian Meidlinger. Derartige Zwischenrufe seien "entbehrlich".

Ein neuer Termin für die Beamten-Gehaltsverhandlungen ist noch nicht bekannt. Neugebauer hatte bei der ersten Verhandlungsrunde ein Gehaltsplus von 4,65 Prozent für die Beamten verlangt, Beamtenministerin Gabriele Heinisch-Hosek hatte diese Forderung als "überzogen" bezeichnet.. Nach den beiden bisher erfolglosen Runden sollen nun während der Plenarsitzungen des Nationalrates informelle Gespräche zwischen Neugebauer Heinisch-Hosek stattfinden. (APA)

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