Aktion fehlerhafter Kafka-Roman

17. November 2011, 13:09
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Versendung von gefakten Mängelexemplaren von "Das Schloss" an Schulen als Aufruf zur Diskussion über Bildungssystem

Wien  - Eine mit zahlreichen Fehlern gespickte Ausgabe von Franz Kafkas Roman "Das Schloss", die an österreichische und deutsche Schulen verschickt und darüber hinaus angeblich von der EU finanziert wurde, sorgte in den vergangenen Tagen für Aufregung.  Wie sich nun herausstellte, ist die ganze Aktion ein Fake mit kulturpolitischem Anliegen.

Hinter der mangelhaften Übersetzung steckt die Aktionsgruppe "The BirdBase", berichtet die Tageszeitung "Die Presse" am Donnerstag."Wir wollen, dass über das Bildungs- und Schulsystem in Österreich gesprochen wird, wir wollen, dass ein Land wieder redet, denkt und nicht vor sich hin schweigt. Denn wenn sich nichts ändert, werden vielleicht in 20 Jahren solche Bücher der Normalfall sein", werden die Aktionisten zitiert.

Über die Hintergründe der Gruppe gibt es vorerst nicht viele Informationen. Nach  Angaben der Sprecherin Elisabeth S. besteht sie aus knapp 100 Teilnehmern, die in Österreich leben und "ziemlich unzufrieden mit dem Bildungssystem sind, weil die Politiker einfach nichts machen". Für das kommende Jahr werden weitere Aktionen angekündigt - ob auch diese sich  dem Thema Bildung widmen, wird offen gelassen.

Sowohl das EU-weite Leseprojekt wie auch die Förderung der Europäischen Union für das Kafka-Buch waren frei erfunden. Gedruckt wurden 1.000 Stück zum Preis von 2.000 Euro in Polen, die an neun Schulen in Österreich und Deutschland verschickt wurden. Wie die Aktionsgruppe auf ihrer Facebook-Seite schreibt, wurden in den Roman knapp 1.850 Rechtschreibfehler "reinkorrigiert".

Dass sich die Medien vorwiegend über die Verschwendung von EU-Geldern monierten, sich aber nicht "für das niedrige Bildungsniveau" interessierten, bezeichnet die Gruppe als "unfassbar eigentlich, aber typisch für Österreich".  (APA)

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    Ein "Birdbase"-Mitglied? Jedenfalls ein Besucher des Brüsseler Kontaktbüros des Europäischen Parlaments hinter einer Kafka gewidmeten Schauwand

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