Silvestermord in Wien: Alle Schuldsprüche rechtskräftig

17. November 2011, 12:56
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21-Jähriger Schütze, der Verlobte rächen wollte, akzeptiert 15 Jahre

Wien - Im sogenannten Wiener Silvester-Mord sind sämtliche Schuldsprüche rechtskräftig. Der Oberste Gerichtshof (OGH) hat bereits vor einigen Wochen die Nichtigkeitsbeschwerde eines Komplizen des 21-jährigen Alexander W., der am 31. Dezember 2009 den Billard-Profi Harald W. in Wien-Floridsdorf erschossen hatte, in nichtöffentlicher Sitzung zurückgewiesen. Dem Rechtsmittel sei es nicht gelungen, "erhebliche Bedenken gegen die Richtigkeit der im Wahrspruch der Geschworenen festgestellten entscheidenden Tatsachen zu erwecken", so der OGH in seiner Entscheidung (Geschäftszahl 15 Os 107/11s).

Ein Schwurgericht hatte im vergangenen April den Schützen wegen Mordes zu 15 Jahren Haft verurteilt. Er hatte den 35 Jahre alten Billardspieler getötet, weil er vermutete, dass dieser sich an seiner Verlobten vergangen hatte. Der 21-Jährige akzeptierte diese Strafe ebenso wie sein bester Freund, der in das Mordkomplott eingeweiht war und dem Schützen ein falsches Alibi verschafft hatte. Der ebenfalls 21-Jährige fasste als Beitragstäter acht Jahre aus.

Auch Strafen für dritten Involvierten bestätigt

Demgegenüber hatte ein 24-jähriger Bekannter der beiden stets bestritten, von den mörderischen Plänen gewusst zu haben. Der Mann hatte Alexander W. die Waffe besorgt, diesen an den Tatort begleitet sowie an der Gegensprechanlage geläutet und damit Harald W. aus seiner Wohnung gelockt, dem Alexander W. dann wortlos ins Gesicht schoss. Der 24-Jährige behauptete, davon keine Ahnung gehabt und allenfalls mit einer "Abreibung" gerechnet zu haben.

Die Geschworenen glaubten ihm nicht. Sie folgten der Anklage, die davon ausgegangen war, dass auch dieser Helfer von Anfang die wahren Absichten des Installateur-Lehrlings kannte.

An diesem Wahrspruch ist mit der nunmehrigen Entscheidung des OGH nicht mehr zu rütteln. Der 24-Jährige kann allenfalls noch hoffen, dass die vom Erstgericht verhängte 13-jährige Freiheitsstrafe reduziert wird - die Berufung gegen die Strafhöhe wies der OGH dem Wiener Oberlandesgericht (OLG) zu. Allerdings hat auch der Staatsanwalt Strafberufung angemeldet, so dass sich die Strafe in der Instanz auch noch erhöhen könnte. (APA)

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