Überraschendes Sparpaket

Polizeibehörden werden neu strukturiert

17. November 2011, 12:19
  • Artikelbild
    foto: apa / hochmuth

    Innenministerin Mikl-Leitner wird aus 31 Landespolizeidirektionen 9 machen

  • Artikelbild
    vergrößern 466x500
    grafik: apa

    Die neue Struktur der Polizei.

Innenministerin Mikl-Leitner will mit Zusammenlegungen acht bis zehn Millionen Euro jährlich einsparen

Wien - Die Sicherheitsbehörden in Österreich sollen grundlegend umstrukturiert werden. Völlig überraschend präsentieren Innenministerin Johanna Mikl Leitner und Staatssekrektär Josef Ostermayer am Donnerstag ein Konzept, das bisher 31 Stellen zu neun sogenannten Landespolizeidirektionen zusammenführen soll. Das Projekt "Weiterentwicklung der sicherheitsbehördlichen Struktur" betreffe die obersten Führungsstrukturen auf Landesebene und damit rund 400 Planposten, so die Ressortchefin in einer Pressekonferenz. Die Regierung erwartet sich mit der Umstrukturierung auch Einsparungen von etwa acht bis zehn Millionen Euro.

Einheitlichere Führung

Die Zusammenführung der Sicherheitsdirektionen, der Bundespolizeidirektionen und der Landespolizeikommandanturen bedeute eine einheitliche Führung der Landespolizeidirektionen, so Mikl-Leitner. Ein Grundmodell sei bereits erarbeitet worden, Experten sollen nun die Details der Strukturen und Abläufe erarbeiten. Dies soll bis Jahresmitte 2012 geschehen, dann soll laut Regierung die Umsetzung beginnen. Die neuen Landespolizeidirektionen sollen im Herbst 2012 eingerichtet werden.

"Meilenstein bei Verwaltungreform"

Laut Mikl-Leitner wird es durch die am Donnerstag präsentierte Reform der Sicherheitsbehörden auch zu Neuausschreibungen an den Spitzenpositionen kommen. Die Ressortchefin lobte am Donnerstag das Regierungsvorhaben als "Meilenstein im Bereich der Verwaltungsreform", die Exekutive werde "effizienter, schlanker und günstiger". Für Staatssekretär Josef Ostermayer (SPÖ) werden wiederum Dinge zusammengeführt, "die zusammengehören". Die Umstrukturierung sei ein Teil jener Reform, die auch die Verwaltungsgerichtsbarkeit und das Asylwesen betrifft.

Lob auch von Sicherheitssprechern

Die Innenministerin zeigte sich sichtlich stolz, dass ihr Vorhaben vor der offiziellen Präsentation nicht an die Öffentlichkeit gedrungen sei. "Diese Dinge gehören im Büro zwischen vier Wänden ausgemacht." Zudem handle es sich um ein Beispiel, wie die Koalition zusammenzuarbeiten habe. Dementsprechend durften auch die Sicherheitssprecher von SPÖ und ÖVP das Vorhaben loben. Otto Pendl (SPÖ) sieht darin einen "logischen Schritt einer gesamten Behördenreform". Sein schwarzes Pendant Günter Kößl meinte: "Sie sehen, dass im Innenressort von Reformen nicht nur gesprochen wird, sondern seit 2000 permanent umgesetzt wird."

Neuausschreibungen für Spitzenposten

Dass es durch die Umstrukturierung der Sicherheitsbehörden - 31 Stellen sollen zu neun "Landespolizeidirektionen" zusammengeführt werden - zu Neuausschreibungen an der Spitze kommen könnte, bestritt Mikl-Leitner nicht, dies sei "selbstverständlich". Gleichzeitig betonte sie aber, dass es in den Bundesländern künftig nur mehr eine einzige Anlaufstelle gebe, mehr Polizisten auf der Straße würden zudem das Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung stärken. Die erhofften 8 bis 10 Millionen Euro an Einsparungen würden nicht an das Finanzministerium gehen, sondern wieder in die Sicherheit investiert. Auch mit den jeweiligen Landeshauptleuten sei die Aktion akkordiert, so Ostermayer. Einige seien "ganz begeistert", andere wiederum nicht.

Vier Arbeitsgruppen

Um das Personal nicht zu beunruhigen, will das Ministerium in der Detailplanung vier Arbeitsgruppen bestehend aus Experten (Organisation und Personal, Infrastruktur, Legistik, Personalentwicklung) unter Mitwirkung der Arbeitnehmervertreter installieren. In einem Mitarbeiterbeirat sollen alle Anliegen der Betroffenen zusammengeführt und bearbeitet werden. Da es sich um Verfassungsmaterie handelt benötigt die Regierung allerdings mindestens eine Oppositionspartei, um ihr Vorhaben umzusetzen. Neben der Bundesverfassung betrifft die Reform unter anderem auch das Sicherheitspolizeigesetz (SPG).

Gewerkschaft will politische Besetzungen vermeiden

Die Gewerkschaftsvertreter zeigten sich den Umstrukturierungen grundsätzlich aufgeschlossen, wenn auch vorsichtig: Anton Schuh, Personalvertreter für die Sicherheitsverwaltung, will vor allem verhindern, dass neue Spitzenposten politisch besetzt werden könnten.

Gewerkschaftschef aufgeschlossen

Zwei Stunden vor der Präsentation durch die  Innenministerin habe man erst von dem Vorhaben erfahren, so Schuh. Nun würden sich die Personalvertreter man sich mit dem Papier erst einmal intensiv auseinandersetzen. Gegenüber Strukturreformen sei man aber sicher aufgeschlossen. Schuh will nun vor allem auf die Planungen in Personalangelegenheiten achten. Am Ende des Tages dürfe keine "große Reform mit vielen Verlierern" dabei herausschauen. Bei den Besetzungen werde man darauf achten, dass die besten Köpfe zum Zug kämen.

Was mit den Kollegen im Zuge der Polizeireform passiert, interessiert auch den Vorsitzenden der Polizeigewerkschaft, Hermann Greylinger. Er übt auch leise Kritik am vermeintlichen "Stein der Weisen", den die Regierung nun gefunden habe. Denn bereits 2005 habe man von einer "Jahrhundertreform" gesprochen. Aber auch bei der Polizeigewerkschaft sei man grundsätzlich "positiv eingestellt", so Greylinger. (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 246
1 2 3 4 5 6
Gunslinger
00
18.11.2011, 08:00

kleines mikl-lexikon:

"umstrukturierung" bedeutet übersetzt: wir wollen an den schaltstellen unsere leute hinsetzen ohne auf mühsame pensionierungen, entlassungen, etc... warten zu müssen (hat schüssel ja damals schon oft erfolgreich praktiziert)

"wir wollen das sicherheitsgefühl der menschen erhöhen" bedeutet übersetzt: wir wollen unsere kontrolle über die menschen erhöhen (deshalb werden die fenster von neuen polizeistationen neuerdings mit spiegelglas ausgestattet, damit man bequem von dahinter das potentiell kriminelle fussvolk beobachten kann)

Bezirksrat
01
17.11.2011, 19:39
Glaubt die Frau Ministerin wirklich...

.. dass die überzähligen Polizeidirektoren und sonstigen Kommandanten dann für einen Bruchteil ihrer jetzigen Gage Fußstreife gehen werden? Das sind doch alles unkündbare, unversetzbare, pragmatisierte Beamte!

minor differences part 4
01
17.11.2011, 20:15

Und deswegen müssen wirs bis in alle Ewigkeit so belassen.

OGHaha
02
17.11.2011, 19:30
Na, wenigstens heute nicht in der martialischen Uniform ala Gaddafi, sondern aus der Altk......nein, der Galan schweigt lieber...

Vem03
01
17.11.2011, 19:25
Megareform !

Wer getraut sich eine Megareform bei den Lehrern durchzuführen !

Glaub niemand ;-)

grimsvotn eyjafjallajökull
00
17.11.2011, 21:10

Vielleicht wirds noch. Steter Tropfen höhlt den Stein und irgendwann müssen sie ja selbst einsehen, dass sich ihr Ansehen durch ihr unberechtigtes Blockieren allmählich dem Nullpunkt nähert.

Herr Breuer
41
17.11.2011, 19:17
Torschlusspanik

Noch schnell die Posten reduzieren, höher dotieren, mit Parteisoldaten besetzen - Strassers Werk festzementieren.
Da kuscht keiner mehr.
Und gerade stehen muss (siehe Grafik) der kleine Inspektor.

goodbye privacy
12
17.11.2011, 19:17
brrrrr

selten is es mir angesichts der standard-startseite so kalt den rücken runtergelaufen...

Kriti Kaster
02
17.11.2011, 19:24
Warum?

Der Ostermayer vergibt grad ein Inserat an einen Österreich-Anzeigenkeiler und die Mikl schaut ganz starr, weil sie nicht weiß, ob die aktuelle Linie der Partei heute erlaubt, das zu kritisieren oder nicht.

mikeyman
23
17.11.2011, 19:16
das foto von miklleitner auf der startseite ist fantastisch. wie aus einem animationsfilm.

Kriti Kaster
03
17.11.2011, 19:12
Dass der Kollege Schuh

politische Besetzungen verhindern will, das ehrt ihn sehr. Lebt er doch heute noch davon als roter Personalvertreter, dass bis 2000 nur Rote aufgenommen wurden.
Nur um der geifernden Poster willen merke ich an, dass ich auch schwarze oder braune Postenbesetzungen nicht mag.

sitting bull
31
17.11.2011, 19:07
österreich wird wieder gesichert,

langsam aber sicher wieder wie 33.

grimsvotn eyjafjallajökull
00
17.11.2011, 21:12

Wegen dieser Reform wird unser Land nicht untergehen.

standard oesi
12
17.11.2011, 18:50
Österreich

... wird sich kaputt sparen für einen Moloch, der nie leistbar war. Die grösste Schnapsidee des 21. Jhd, welche zur Religion der Elite erhoben worden ist, erfordert eine neue Polizei, die schneller gegen die eigenen Bürger vorgehen kann.

zeitungsente
24
17.11.2011, 18:48
Das Bild sagt mehr als 100.000 Worte

Wurstbrot mit Sauergemüse
10
17.11.2011, 18:35

Tendenziöse Bildberichterstattung in meiner Tageszeitung stört mich. Wäre in Süddeutscher, FAZ oder New York Times undenkbar, oder?

zeitungsente
00
17.11.2011, 19:08
Mit den Jahren bekommt fast jeder das Gesicht,

dass er sich verdient.
Ich glaube, dass Halbportraits wie dieses (neben Ostermyer) eine Tendenz ersichtlich machen.

Ein Redakteur kann manches weglassen. Der Fotograf nicht.
Oder glauben Sie, der Fotograf hat den Mund auf diese Größe wegretuschiert?

luquas
00
17.11.2011, 18:34

Diese Frau Mikl-Leitner steht am Bild auf der Titelseite her, wie ein lebender Zaun...

Sehr tendenziös, lieber Standard.

walter prohaska
00
17.11.2011, 18:19

ich frag mich ob das wirklich nur ein boesartig ausgesuchtes bild von der frau bundesminister ist oder ob ihr gesicht ihren chrakter ausdrueckt. irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, dass man so ein bild von einem jeden menschen machen kann, da braucht man/frau schon eine veranlagung dazu.

grimsvotn eyjafjallajökull
00
18.11.2011, 08:50

In Hinkunft sollte man nur noch Models zu Ministern machen. Schönheit geht vor. Berlusconi hat ja schon in diese Richtung überlegt. Leider weiss das Volk solche Denker meist nicht zu würdigen - wie man sieht.

Edain
02
17.11.2011, 18:27

Diese Zeitung schafft's beim politischen Gegner prinzipiell nur Meuchelfotos zu veröffentlichen - Zufälle gibt's ...

Wobei ich nicht sagen will, dass es bei manchen Menschen nicht leichter ist, unsympathische Fotos zu schießen. ;)

Peter Hammer 06
01
17.11.2011, 20:03
Sie erinnern sich sicher (ungern) an die täglichen...

...Meuchelfotos von Gusenbauer in dieser Zeitung,oder?

tgaog
00
17.11.2011, 18:19

ohne dieses vorhaben zu bewerten, stell ich mir die frage, wie der von der regierung in aussicht gestellte drastische schuldenabbau realisiert werden sollte, wenn, wie in diesem fall, die frei werdenden mittel "natürlich" im ressort bleiben, anstatt ins bmf um schulden zu tilgen...

asdf 1234
00
17.11.2011, 18:46
das ganz gleiche habe auch ich mit soeben beim lesen gedacht;-))

Zufälle gibts;-))

OGHaha
00
17.11.2011, 19:23
He, wieso derf der mei Passwort als Nick nehmen?

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 246
1 2 3 4 5 6

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.