Wikipedia muss Briefmarken mit Loriot-Motiven entfernen

17. November 2011, 12:17

Einstweilige Verfügung der Tochter des verstorbenen Humoristen

Einstweilige Verfügungen kennen auch dann keinen Humor, wenn es um Loriot geht. Die Tochter des verstorbenen Humoristen, Susanne von Bülow, hat einen Beschluss des Landgericht Berlin gegen die Betreiber der Online-Enzyklopädie Wikipedia erwirkt. Stein des Anstoßes waren Fotos von Briefmarken mit Loriot-Motiven im Wikipedia-Artikel über Vicco von Bülow.

"Eine Zustimmung des Künstlers oder seiner Erben für eine Veröffentlichung dieser Motive im Internet ... liegt nicht vor", befand das Gericht. Bei den Briefmarken handelt es sich um die vier Wohlfahrtsmarken der Deutschen Post AG in diesem Jahr - und Briefmarken unterliegen dem Urheberrechtsgesetz, weil es sich dabei seit der Privatisierung der Post nicht mehr um "amtliche Werke" handelt.

Vor Gericht

Susanne von Bülow hatte der Wikipedia-Betreiberin, der Wikimedia Foundation in den USA, zunächst eine Abmahnung wegen Verletzung der Urheberrechte geschickt. Als es daraufhin keine Reaktion gab, ging sie vor Gericht. Einen Monat nach der Einstweiligen Verfügung, datiert vom 6. Oktober und ausgestellt mit der falschen Bezeichnung "Wikipedia Foundation", wurden die Abbildungen der Briefmarken am 8. November entfernt, wie aus der Versionsgeschichte des Artikels hervorgeht.

Auch die Kosten für das Verfahren, festgelegt mit einem Wert von 30.000 Euro, muss die Wikimedia Foundation tragen. Die Organisation will nach einem Bericht von "Heise Online" vom Donnerstag keine Rechtsmittel gegen die Einstweilige Verfügung einlegen. Die in Wikipedia abgebildeten Briefmarken zeigten die Loriot-Motive "Das Frühstücksei", "Herren im Bad", "Auf der Rennbahn", "Der sprechende Hund" sowie ein Schriftzug von Loriot.

Kritik

Die Verfügung des Landgerichts stieß im Internet auf ein überwiegend kritisches Echo. Der Hamburger Rechtsanwalt Martin Bahr sagte der Nachrichtenagentur dpa, das Vorgehen der Erbin und die Einstweilige Verfügung seien formaljuristisch korrekt, auch wenn die Zustellung des Beschlusses an die Wikimedia Foundation in den USA ein eher aufwendiger Rechtsweg sei. Aber "Loriot würde sich wahrscheinlich im Grab umdrehen", weil Vicco von Bülow wenig für solche Konfrontationen übrig gehabt habe. "Wikipedia ist eine anerkannte Online-Enzyklopädie", sagte Bahr. Er könne die Inhaberin der Rechte verstehen, doch werde da "mit Kanonen auf Spatzen geschossen". (APA)

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Der Vater schafft an

und die Erben bringens durch.
Loriot spielt sicher Karussell im Grab ob der Gier seiner Tochter.

hab grad anläßlich des Wikipedia-Aufrufs 10 Euro gespendet. Und zwar für die Wikipedia Idee! Weil Wikipedia etwas vom schönsten im Internet ist.

Und was muss ich sehen, es 3000 solcher Spenden, werden für einen Blödsinn wie diesem vertan!

Ich spend nix mehr!

Es geht... wie immer ums GEld!

Die Urheberrechtsklagerei scheint langesam eine Seuche zu werden. Hier hat sich mal ein Wiener erfolgreich gewehrt -> www.versicherungen1.com

Loriot würde sich im Grab umdrehen

Und wie ....
Vor allem, wenn ich daran denke, dass Hr. Bülow beispielsweise von Amateurtheatergruppen für die Aufführung seiner Sketche null Euro für die Aufführungsrechte verlangte.

ganz schoen beknackt, die alte

wenn wir schon dabei sind, sollten die gerichte den urheberschutz auch in eine andere weise ueberarbeiten: bei ableben des urhebers erloescht der schutz, schmarotzende erben (yoko ono hat hier die pole position) und verlage kriegen nix - sollen lieber selber was schaffen.

Erben sind das Letzte.

Eine gemeinnützige Organisation, an der 1000e Menschen gratis mitarbeiten - an die 1000e Mensch Geld spenden.

Oh mein Gott, eine Briefmarke...

Genau. Und das Allerletzte sind deren Handlanger aus der Rechtsverdreherzunft!

Die Aasgeier und Leichenfledderer hier sind das Letzte.

Die Wohlfahrtsmarken dürfen schließlich weiterhin verkauft werden, und der Erlös kommt auch weiterhin der Wohlfahrtspflege zugute. Also kein Grund, hier moralisch zu tun.

Bitte zeigts ihr Google Bilder Suche, dann beißt sa sich dort wo's hinghört

Berta!

Das Ei ist hart!

Ich finds gut, dass die Dame das klargestellt hat

und werde Ihr deshalb auch ein Dankesschreiben schicken.
Unfrankiert natürlich - wir wollen ja nicht auf die Urheberrechte anderer spucken.

Da hat sich die gute Frau aber formidabel blamiert. Fast schon unfreiwillige Komik, aber wenn man genauer darüber nachdenkt wohl eher ganz profane Dummheit.

Offensichtlich hat "Loriot" die gesamte Humorfähigkeit seiner Sippe abbekommen. Für dein Töchterchen blieb nichts mehr übrig...

Für Interessierte: Loriot googln. Briefmarkenset und Einzelbilder.

Der Dame zum Trotz

hier ein Link zu den Marken.
http://www.wohlfahrtsmarken.de/wohlfahrt... chmunzeln/

Danke!

Ihre Sorgen möchten wir haben,

Frau von Bülow!

A so a blede Funsn.
Soll gfälligst gacksn gehn die Deppate.

Statt mit der Gratis-Werbung zufrieden zu sein...

wobei es sich auch noch um erhältliche Wohlfahrtsmarken handelt auf deren Web-Site 'Abdruck honorarfrei' steht.

Der Artikel "Wohlfahrtsmarken 2011 lassen schmunzeln" ist zum Abdruck honorarfrei.
Daraus lässt sich nicht ableiten, das reine Bildmaterial honorarfrei abdrucken zu dürfen.
Es gibt auch keine entsprechende Freigabe bei den einzelnen Markenmotiven.

Da wird nicht mit Kanonen

auf Spazen geschossen. Das war ein gut plazierter Schuss in's eigene Knie. Frau Susanne von Bülow hat nicht verstanden, dass dem Werk ihres Vaters nichts besseres passieren konnte, als in der Wikipedia representiert zu werden. Ausserdem hat sie nicht verstanden, dass Wikipedia kein gewinnorientiertes Unternehmen ist, von dessen Gewinn man etwas mitschneiden könnte.

Ich glaub, die giftet sich, weil es Wohlfahrtsmarken sind, an denen sie möglicherweise nicht mitschneidet.

Lächerlich.

Anstatt dass sie ein Interesse daran hätte, dass Loriots Werk in der wichtigsten offenen Online-Enzyklopädie geeignet vertreten ist...

Artikel zu Loriot am besten offline nehmen und Frau Susanne B. fragen, ob ihr das lieber ist.

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