Schwieriger Start mit guten Chancen

  • Ausführliche Informationen rund um das Thema Frühchen sind im Internet unter www.fruehchen.at abrufbar.
    foto: apa/daniel karmann

    Ausführliche Informationen rund um das Thema Frühchen sind im Internet unter www.fruehchen.at abrufbar.

Am 17. November wird auf die besonderen Bedürfnisse der Kleinsten der Kleinen aufmerksam gemacht

Weltweit wird jedes zehnte Kind zu früh geboren - in Österreich sogar fast jedes neunte. Die großen gesundheitlichen Probleme der Frühgeborenen sind auf das noch nicht voll entwickelte Immunsystem und die unreife Lunge zurückzuführen. Heute können durch den medizinischen Fortschritt auch schon extrem unreife Frühgeborene erfolgreich ins Leben starten. Die Angst der Mütter und die psychosoziale Belastung bleiben laut einer international durchgeführten Umfrage jedoch bestehen. 

Der internationale Weltfrühchentag (World Prematurity Day) wird am 17. November begangen. Eine Umfrage unter 1.300 Müttern zeigt, dass es besonders wichtig ist, auf die Bedürfnisse von zu früh geborenen Kindern und die damit verbundenen medizinischen und psychosozialen Herausforderungen für die Kinder und deren Mütter aufmerksam zu machen. 

10,9 Prozent der in Österreich geborenen Kinder kommen vor dem Beginn der 38. Schwangerschaftswoche auf die Welt. Durch die verkürzte Zeit im Mutterleib sind die Organe der betroffenen Kinder noch nicht vollständig entwickelt und in ihrer Funktion entsprechend eingeschränkt. Darüber hinaus besitzen die zwischen der 33. und 35. Schwangerschaftswoche geborenen Frühchen nur 50 Prozent des Immunsystems reifgeborener Kinder. Daher kann es bei zu früh geborenen Babys zu einer Reihe von möglichen Komplikationen und Erkrankungen kommen. 

Die Lunge muss geschützt werden

In der kalten Jahreszeit wird das Respiratory Syncytial Virus wieder aktiv, das für einen Großteil der Atemwegserkrankungen bei Säuglingen und Kleinkindern verantwortlich ist. Besonders bei Frühgeborenen ist das Risiko für eine schwere RSV-Infektion erhöht, denn ihr Immunsystem ist bei der Geburt noch unausgereift. Normalerweise werden die schützenden Antikörper der Mutter erst im letzten Drittel der Schwangerschaft übertragen - durch die verfrühte Geburt erhalten die Kleinen diesen „Schutzschild" nur unzureichend. Ein zusätzliches Risiko stellt die unreife Lunge der Frühchen dar.

Darüber hinaus haben auch Babys mit Lungenerkrankungen oder angeborenen Herzfehlern ein erhöhtes Risiko für schwer verlaufende RSV-Infektionen. Für besonders gefährdete Kinder aus diesen Risikogruppen gibt es jedoch eine spezielle Schutzmöglichkeit: eine sogenannte passive Immunisierung, die das Immunsystem beim Abwehren der RS-Viren unterstützt.

Psychosoziale Aspekte einer Frühgeburt

Ein eigenes Kind ist für alle frischgebackenen Eltern eine Freude und Herausforderung zugleich. Speziell für Mütter von Frühchen ist die neue Lebenssituation deutlich komplexer und mit vielen Sorgen behaftet. Wochenlange Unsicherheit über die gesundheitliche Situation des Babys macht  Angst. Auch der persönliche Kontakt zum Neugeborenen ist durch die technischen Gegebenheiten in einer Intensivstation mitunter erschwert. Die Eltern sind hier auf die gezielte Unterstützung und individuelle Betreuung durch Ärzte und das Pflegepersonal angewiesen und nennen diese in der Umfrage als ihre Hauptquelle für Fragen und Informationen. 

Der intensive Austausch zwischen Eltern, Ärzten und Pflegepersonen ist nicht nur für die gemeinsame Zeit im Krankenhaus von Bedeutung, auch die Entlassung aus dem Spital sollte entsprechend gut vorbereitet werden. Denn die Umfrage zeigt, dass die Hälfte der Mütter mehr Informationen über die Risiken im Zusammenhang mit einer Frühgeburt wünschen. Die Schulung  für die Zeit nach dem Krankenhaus sehen Ärzte und das Pflegepersonal als eine ihrer zentralen Aufgaben. Ein wichtiges Hilfsmittel dafür stellt die sogenannte Elternmappe dar, eine umfassende Informations- und Sammelmappe, die in den Stationen Eltern von Frühgeborenen zur Verfügung gestellt wird und den Eltern in dieser schweren Zeit mit Informationen und vielen Kontakt- und Notfallsadressen weiter hilft.

Die Umfrage wurde weltweit in 13 Ländern durchgeführt. Sie enthält Rückmeldungen von 1,300 Müttern von Säuglingen und Frühchen und werdenden Müttern. Hauptaugenmerk war, das Verständnis um die Bewusstsein von Frühgeburtlichkeit im Allgemeinen und auch die Belastung einer Frühgeburt sowie deren Risiken zu erfragen. (red)

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