Bessere Heilungschancen und größere Probleme

17. November 2011, 09:22
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Bislang nicht therapierte Patienten profitieren von neuen antiviralen Medikamenten besonders - Probleme der Resistenzentwicklung

Hannover - In Österreich sind etwa ein Prozent der Gesamtbevölkerung mit dem Hepatitis C Virus chronisch infiziert, etwa 42.000 sind chronische Hepatitis B-Virusträger; weltweit sind es rund 500 Millionen, so die Schätzung von Experten. Wenn Infektionen mit dem Hepatitis-Virus B oder C nicht rechtzeitig erkannt und entsprechend behandelt werden, können diese Infektionen dauerhaft (chronisch) werden und dann zu Leberzirrhose und Leberzellkrebs führen.

Durch die Zulassung von zwei neuen Medikamenten gegen die Hepatitis C gibt es jetzt für viele Erkrankte eine neue Chance auf eine erfolgreiche Behandlung auch wenn die Krankheit bereits chronisch ist. „Mit diesen neuen Substanzen stehen wir am Anfang einer neuen Ära in der Therapie der chronischen Hepatitis C. Für die Patienten stehen jetzt effektivere Medikamente mit einer kürzeren Therapiedauer zur Verfügung", erläutert Michael P. Manns, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Leberstiftung anlässlich des 12. Deutschen Lebertages am 20. November 2011.

Heilungschancen für Genotyp 1 steigen

Die Hepatitis C kann gut behandelt und sogar geheilt werden. Man unterscheidet bei dem Hepatitis C-Virus verschiedene Genotypen. Die Heilungsraten und die Therapiedauer sind bei den verschiedenen Genotypen sehr unterschiedlich. Die Genotypen 1 und 4 werden meist über 48 Wochen behandelt, während bei den Genotypen 2 und 3 in der Regel eine 24-wöchige Therapie ausreichend ist und mit der Standardtherapie zu einer Heilungsrate von 70 bis 90 Prozent der Fälle führt.

Für den Genotyp 1 sah es bislang schlechter aus. Hier wurden mit der Standardtherapie lediglich etwa 40 bis 50 Prozent der Patienten geheilt. Mit den neuen Substanzen, die in der zweiten Hälfte diesen Jahres zugelassen wurden (Boceprevir und Telaprevir) haben sich die Aussichten dieser Patienten auf eine Heilung der Hepatitis C erheblich gesteigert. Die Wirksamkeit der Wirkstoffe wurde in den letzten Jahren in großen, internationalen Phase III-Studien belegt.

Die beiden neuen Substanzen sind direkt wirkende antivirale Medikamente, sogenannte HCV-Proteaseinhibitoren. Sie hemmen das Virus in seiner Vermehrung, indem sie ein Schlüsselenzym blockieren.

Therapieerfolg ist unterschiedlich 

Allerdings werden nicht alle Patienten mit den neuen Therapien gleichermaßen erfolgreich behandelt werden können. Profitieren werden vor allem bislang nicht behandelte Patienten und Patienten, die in der vorherigen Therapie einen Rückfall erlitten haben („Relapse-Patienten"). Hier werden Ansprechraten von 67 bis 88 Prozent erreicht werden. Bei Patienten, die in einer vorherigen Therapie nur sehr begrenzt auf das Interferon angesprochen haben (sogenannte „Nullresponder") werden Heilungsraten von 30 Prozent erwartet, da auch für den Erfolg der Behandlung mit den neuen Substanzen das Ansprechen auf Interferon sehr wichtig ist.

Für den Erfolg ist außerdem unbedingt erforderlich, dass die neuen Therapien sehr sorgfältig durchgeführt werden. „Wir raten den Patienten, sich von einem versierten Facharzt behandeln zu lassen. Nicht jeder Arzt hat die unbedingt notwendigen Vorkenntnisse, um die neuen Behandlungen optimal für den Patienten umzusetzen", betont Manns. „Es sind viele Faktoren bei den neuen Therapien zu beachten. So gibt es das Problem der Resistenzentwicklung und die Gefahr der Medikamenten-Interaktion. Aufgrund der zusätzlichen Nebenwirkungen muss der Facharzt auch Kollegen aus anderen Bereichen in die Behandlung einbinden und den Patienten umfassend betreuen", fordert er. Aufgabe der nächsten Jahre sei jetzt auch, mehr Daten zur Effektivität und den Nebenwirkungen der aktuellen Therapien zu sammeln, um diese bestmöglich einzusetzen.

Die Entwicklung der Hepatitis C-Therapie wird in den nächsten Jahren weitere Fortschritte machen. Verschiedenen Substanzen sind in der Erprobung. Durch die Kombination verschiedener direkt antiviral wirkender Substanzen mit unterschiedlichen Wirkmechanismen wird in einer nicht allzu fernen Zukunft eine Therapie ohne Interferon möglich sein. Verschiedene Studien haben die Machbarkeit einer derartigen Therapie bereits gezeigt. Da die Behandlung der Hepatitis C mit Interferon viele Nebenwirkungen hat, ist dies von großer Bedeutung. (red)

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    Die Diagnose der Erkrankung erfolgt anhand von Blutuntersuchungen.

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