Voest kippt nach starkem Halbjahr Prognose

17. November 2011, 13:17
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Der operative Gewinn stieg um 28,3 Prozent auf 531,4 Millionen Euro, der Umsatz erhöhte sich um 15 Prozent auf 5,978 Milliarden Euro

Wien - Angesichts der zunehmenden Verunsicherung infolge der Staatsschuldenkrise, der gedämpften Konjunktur und der schwächeren Nachfrage muss der börsenotierte Stahlkonzern voestalpine seine Produktion in der Division Stahl drosseln. "Wir nehmen die Kapazitäten im laufenden Quartal um 10 Prozent zurück", gab Konzernchef Wolfgang Eder am Donnerstag bei der Präsentation der Halbjahresbilanz bekannt. Die Produktion wird bis zum Jahreswechsel um rund 140.000 Tonnen gesenkt. Kurzarbeit steht den Angaben zufolge nicht an.

In der Stammbelegschaft soll es zu keinen Stellenstreichungen kommen, beim Leihpersonal sehr wohl. "Wir werden das über Zeit- und Urlaubsguthaben abfangen können, den Rest über Leasingmitarbeiter - im Bereich der Stammbelegschaft sind keine Maßnahmen geplant", sagte Eder.

Per Ende September 2011 vergrößerte sich die Gesamtbelegschaft gegenüber dem Vorjahresstichtag um 4,4 Prozent auf 47.109 Mitarbeiter und damit wieder auf Vorkrisenniveau - davon entfielen 5.941 auf Leihpersonal und Lehrlinge. Die Stammbelegschaft wuchs um 3,3 Prozent oder 1.306 auf 41.168 Mitarbeiter. Die Zahl der Leiharbeiter schnellte um 21,2 Prozent bzw. 759 Personen auf 4.343 in die Höhe. Die Lehrlingszahl ging um 4,2 Prozent auf 1.598 zurück.

Sinkende Nachfrage im Stahlbereich

Die Nachfrageschwäche betreffe nur den Stahlbereich, betonte Eder. Alle vier anderen Divisionen entwickelten sich ganz normal. Im Jänner werde - "in Abhängigkeit von der dann gegebenen Konjunktursituation" - eine Entscheidung über die weiteren Produktionsmengen getroffen.

Im ersten Halbjahr erzielte das Unternehmen noch kräftige Gewinnsteigerungen gegenüber der Vorjahresperiode, allerdings schwächte sich die Dynamik bereits im Laufe des zweiten Quartals merklich ab.

Die voestalpine habe "keine besondere Exposition gegenüber Krisenregionen oder -industrien", bekräftigte Eder. In Italien erziele der Konzern rund 7 Prozent des Gesamtumsatzes, in Spanien und Griechenland zusammengenommen "nicht einmal 1 Prozent". "Wir bewegen uns mit weniger als 10 Prozent unseres Umsatzes in Krisenländern."

Ergebnisplus

In den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres 2011/12 (per Ende September) legte das operative Ergebnis (EBIT) noch um 28,3 Prozent auf 531,4 Mio. Euro deutlich zu, der Gewinn nach Steuern stieg (vor Minderheitsanteilen und Hybridkapitalzinsen) um 38,6 Prozent auf 346,1 Mio. Euro. Die EBITDA-Marge blieb bei 13,8 (13,7) Prozent stabil, die EBIT-Marge verbesserte sich von 8,0 auf 8,9 Prozent. Der Gewinn je Aktie erhöhte sich von 1,24 auf 1,82 Euro. Der Umsatz wuchs um 15,1 Prozent auf 5,978 Mrd. Euro. Das Gearing (Verschuldungsgrad) verbesserte der oberösterreichische Stahlkocher von 65,8 auf 60,9 Prozent.

Die Nachfrage in den für den Konzern wichtigsten Industriesegmenten entwickelte sich den Angaben zufolge solide. Einzig die Bau- und Bauzulieferindustrie sei seit der Krise 2008/09 anhaltend schwach. Zudem seien in der Konsumgüter- und Hausgeräteindustrie seit heuer im Frühjahr Rückgänge zu verzeichnen.

Sehr gut liefen hingegen die Automobil- und Nutzfahrzeugindustrie, hervorragend der Maschinenbau, die Öl- und Gasindustrie sowie Eisenbahn und Luftfahrt. "Nur ein geringer Teil unseres Portfolios war ein Problem, der weitaus größere Teil ist sehr gut gelaufen", so Eder. Mit den Kunden aus der Bauindustrie erwirtschaftet die voestalpine etwa 10 Prozent ihres Gesamtumsatzes (APA)

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