Houston, wir haben noch kein Problem

16. November 2011, 19:56
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Die Texans spielen sich an die Spitze der AFC, verlieren aller­dings ihren Quarterback. In der NFC klebt San Francisco den Packers an den Fersen.

Das 37:9 über Tampa Bay (4-5) war der bereits vierte überzeugende Sieg in Folge für die Houston Texans (7-3). Und spätestens der bringt das Team von Gary Kubiak, erstmals in seiner erst kurzen Geschichte, in eine Favoritenrolle für den Gewinn der AFC South. Selbst ein Platz unter den ersten zwei der Conference (und damit verbunden ein Freilos für die erste Playoff-Runde) scheint in Reichweite. Derzeit stehen die Texaner sogar ganz oben. Auch weil ihre härtesten Verfolger - Pittsburgh (7-3) und New England (6-3) - sich immer wieder Aussetzer leisten.

Nach dem Auszug der Oilers Richtung Tennessee im Jahr 1996 dauerte es bis 2002 bis Houston wieder ein NFL-Team haben sollte. Und das war damals eigentlich nur einer kalifornischen Ohnmacht zu verdanken, da Los Angeles es im Jahr 1999 tatsächlich nicht schaffte, selbst ein Team auf die Beine zu stellen, obwohl alle damals damit gerechnet hatten. So bekam der Milliardär Bob McNair den Zuschlag und der gründete die Texans. Den bisher größten Erfolg feierten die Neulinge gleich in ihrem ersten Spiel. Das 19:10 über die Dallas Cowboys war der erste Sieg im ersten Spiel eines neuen Teams seit 1961. Danach ging es aber stetig bergab und die Saison endete bei 4-12. 2009 konnten die Texans zum ersten Mal eine Spielzeit mit einem Winning Record beenden. Noch steht aber ein Gewinn der Division und/oder eine Playoff-Teilnahme aus. Heuer könnte es so weit sein, wenn...

Die Stars im Lazarett

In Woche 5 verloren die Texans Linebacker Mario Williams für die gesamte Saison. Wide Receiver Andre Johnson fiel bereits nach Woche 4 mit einer Oberschenkelverletzung aus. Seine Rückkehr war für Woche 12 geplant (die Texans gehen in ihre Bye-Week) und just im letzten Spiel vor dem Johnson-Comeback fällt nun Quarterback Matt Schaub mit einer Fußverletzung (Lisfranc Fraktur) aus. Vermutlich für den Rest der Saison. Nur wie lange wird die dann überhaupt noch? Matt Leinart muss ran. Man hört das Raunen. Das Vertrauen in den 28-Jährigen ist enden wollend. Der USC-Absolvent schaffte die Transformation von einem formidablen College-Quarterback zu einem passablen NFL-Spielmacher bisher nicht. Der Anti-Newton quasi. Es ist vermutlich Leinart's letzte Chance zu beweisen, dass er in der NFL mehr sein kann als bloß ein Bankwärmer mit klingendem Namen. Das Restprogramm liest sich weder vielversprechend, noch müsste man die Köpfe hängen lassen: @Jacksonville, Atlanta, @Cincinnati, Carolina, @Indianapolis, Tennessee. Ich sehe - trotz Leinart - ein 10-6 auf Houston zukommen und damit erstmals das Erreichen der Playoffs. Danach wird es allerdings schwierig.

Bissige Tiger und die Schamraben

Ganz anders als in den vergangenen Jahren präsentieren sich auch die Cincinnati Bengals (6-3). Trotz einer recht unglücklichen 17:24-Niederlage gegen die Steelers (7-3) - zwei späte Picks sicherten Pittsburgh den Sieg - befinden sie sich derzeit noch auf einem Playoff-Platz. Das auch deshalb, weil New England (6-3) die New York Jets (5-4) mit 37:16 vernaschte. Den Bengals entgegen kommen auch die Baltimore Ravens (6-3), die bei den Seattle Seahawks (3-6) mit 17:22 verloren haben. Dieses Spiel erstaunte die Beobachter. 52 Mal (!) ließ man Joe Flacco passen, während der beste Mann in Baltimores Offensive, Ray Rice, den Tag mit nur fünf Läufen beendete. Was sich John Harbaugh dabei gedacht hat, oder nicht gedacht hat, das liefert derzeit die Satire zu PTI und SportsNation auf ESPN. Sehr lustig, außer man ist Fan der Ravens. Schon in Woche 9 fanden sich die Raben, nach einer Mid-Season Gatorade Dusche (Oh Nein!), im NFL-Shame Report von Dave Dameshek wieder. Gut möglich, dass sie auch diese Woche dort einen Auftritt haben. (Nachtrag: So ist es auch!)

Westen, nicht wild

Bereits am Donnerstag fuhr Oakland (5-4) den ersten Sieg mit Carson Palmer als Quarterback ein. Wenn man ein Opfer sucht, welches einem aus der Krise hilft, dann ist San Diego (4-5) oft ein verlässlicher Partner. Palmer mit 299 Passing Yards, 2TDs, einem Lost Fumble und einer Interception, dazu ein losgelassener Michael Bush (242 Offensive Yards, 1TD) reichten knapp gegen die Chargers. Philip Rivers spielte fast mit Palmer-Stats bei 274 Passing Yards, ebenfalls 2TDs, einem Lost Fumble und einer Interception. Allerdings warf Rivers 47 Pässe (49 Prozent Completion Rate), Palmer nur 20 (70 Prozent Completion Rate).

Das ist allerdings nicht das einzig Interessante an der AFC West.

Die Denver Broncos (4-5) haben sich nun offenbar doch dazu entschieden „Tebowing" auch am Feld zu praktizieren und zeigten gegen Kansas City typische College-Spielzüge. Die Triple-Option hält Einzug, die Wildcat ist ja schon länger wieder modern. Kansas City machte man damit zumindest fertig. Tebow brachte nur zwei seiner acht Pässe an, darunter war aber auch der entscheidende Touchdown-Pass. Den ersten Score lief Tebow bei einem seiner neun Laufversuche. Ein Quarterback der öfter läuft als wirft? Jetzt ist es passiert! Ist das nun tatsächlich auch die Methode in Denver? Tebow gewann drei Spiele bei seinen vier Starts. @Miami, @Oakland und @Kansas City. Alles andere ist primär, sagte schon Jets Fan Hans. Zeit die Klappe zu halten. Das Denver-Restprogramm: New York Jets, @San Diego, @Minnesota, Chicago, New England, @Buffalo, Kansas City. Schwierig? Jein. Potentiell sind noch vier Siege in Sicht. 8-8 wäre in der AFC West womöglich der Division-Titel. Allerdings nicht nur für die Broncos. Möge das geringste Übel gewinnen.

Das aktuelle Playoff-Bild der AFC (1-6 im Playoff):

1. Houston Texans (7-3, South)
2. Pittsburgh Steelers (7-3, North)
3. New England Patriots (6-3, East)
4. Oakland Raiders (5-4, West)
5. Baltimore Ravens (6-3, North)
6. Cincinnati Bengals (6-3, North)

Auf der Lauer:
7. New York Jets (5-4, East)
8. Buffalo Bills (5-4, East)
9. Tennesee Titans (5-4, South)

Der Rest der AFC-West:
10. San Diego Chargers (4-5)
11. Denver Broncos (4-5)
12. Kansas City Chiefs (4-5)

 

Den Packers gehört die NFC, fast

Die Green Bay Packers (9-0) setzten Montagnacht ihren Siegeszug fort. Die Minnesota Vikings (2-7), im Hinspiel durchaus noch eine Herausforderung, waren beim 45:7-Erfolg der Packers über weite Strecken nur staunende Zuschauer der Aaron Rodgers-Show. Der aktuell beste Spielmacher der Liga komplettierte 76,7 Prozent seiner Pässe für 250 Yards und vier Touchdowns. Fast schon selbstverständlich: Zero Interceptions. 28 Saison-Touchdowns (die meisten der Liga) stehen nur drei Interceptions (die wenigsten der Liga) gegenüber. In Summe ergibt sich ein Rating von 130.7. Außerirdisch. Der erste Erdling (Tom Brady) weist einen Rückstand von 28.7 Punkten auf.

Den ersten Platz mit den wenigsten Interceptions muss sich Rodgers allerdings teilen. Und zwar mit 49ers-Spielmacher Alex Smith. Ansonsten ist Mr. Smith (nomen est omen) eher ein Durchschnittstyp (1709 Passing Yards, 11 TDs, 64 Prozent Completion Rate), der wenig falsch macht, dafür das was ihm von Headcoach Jim Harbaugh aufgetragen wird, stets zu dessen Zufriedenheit erledigt. Das Kernstück der Niners ist ihre Defense, speziell jene gegen den Lauf (#1 der Liga). 73.2 Rushing Yards lässt San Francisco pro Spiel im Schnitt zu und noch viel wichtiger: Das Team hat in neun Spielen keinen einzigen (!) Touchdown durch einen Laufspielzug kassiert. Auch die Leistung ist von einem anderen Stern und die wesentliche Ursache für den derzeitigen Erfolg. Kann man gegen ein Team den Lauf nicht halbwegs etablieren, dann wird es mit der Offense allgemein schwierig. Außer vielleicht man heißt Green Bay, denn gegen den Pass (#26) sind die Kalifornier anfällig. Auf die Packers wird man, geht es so weiter, aber erst im Conference Final treffen.

Das 8-1 überrascht auch deshalb, da der Schedule der 49ers gar nicht so einfach war. Siege gegen Cincinnati, Philadelphia, Tampa Bay, Detroit und aktuell gegen die New York Giants (6-3) zeigen auch, dass das alles sicher kein Zufall ist. Sie sind annähernd auch so stark wie ihr Record. Das Niners-Restprogramm: Arizona, @Baltimore, St. Louis, @Arizona, Pittsburgh, Seattle, @St. Louis. Wer aller sieht SF am Ende mindestens bei 13-3 da stehen? Das wäre wohl Platz zwei der NFC und die 49ers stünden nicht nur im Playoff, sie hätten auch eine Bye-Week, denn es kommt auf den ersten Verfolger, die New Orleans Saints (7-3), mit den Giants, Detroit, Tennessee und Atlanta ein relativ unangenehmes Restprogramm zu. Die Saints müssten wohl alle Spiele gewinnen, um San Francisco noch zu überholen, geht die Vorhersage oben auf. Die Giants, aktuell auf Rang 4, müssen noch nach New Orleans und Dallas, dazu kommen Green Bay, die Jets und dann nochmal Dallas zu Hause. Den vierten Platz zu behaupten, damit verbunden sich auch Dallas vom Leib zu halten, das alleine wird schon ein schwieriges Unterfangen.

Löwentrudel


Untenrum im Playoff-Bild gab es eine direkte Begegnung zwischen Chicago und Detroit. Die Lions, deren Formkurve nun schon sehr deutlich nach unten zeigt, verloren mit 13:37, produzierten dabei sechs Turnovers (mehr als in den Spielen zuvor zusammen), durch vier Interceptions von Matthew Stafford (gleich viele wie in den Spielen zuvor zusammen) und Fumbles von Calvin Johnson bzw. Nate Burleson. Die Bears scorten alleine drei Touchdowns mit ihrer Defense und Detroit sah zum ersten Mal in der Saison richtig übel aus. Das Restprogramm der Lions ist zwischen heiter und Hurrikan einzustufen. Schönwetter ist (falls überhaupt) vorher gesagt bei Carolina, Minnesota und San Diego, dafür kommt eine dreifache Sturmwarnung auf sie zu: Zwei Mal Green Bay und in den Superdome muss man auch noch. Dagegen schaut der Spielplan von Chicago wie ein Spaziergang aus, wenn San Diego, Seattle und Kansas auf Besuch kommen und man nach Oakland, Denver und Minnesota fährt. Die erste Green Bay-Watsche hat man schon kassiert, auch bei einer zweiten - dann am Lambeau Field - könnte das noch eine schöne Saison für die Bears werden.

Vick wer?

In Philadelphia (3-6) kann man langsam die Lichter dimmen. Wenn ein John Skelton zum Co-Held von Larry Fitzgerald am Lincoln Financial Field avanciert, dann heißt das eigentlich, dass man mit der Saisonvorbereitung 2012 beginnen kann. Nachdem der Philly-Quarterback, ein gewisser Michael Vick, der 2010 mit einem Kolb im Rücken noch sehr gut spielte, daher 2011 auch ca. das Salär eines Drew Brees' kassiert, aber eben nur wie ein Matt Moore spielt, könnte man an dieser Stelle den Salary Cap sehr einfach entlasten, ohne an Qualität einzubüßen. Die Eagles sind zu einem großen Teil einfach nur mehr ein lächerlicher Haufen von verhätschelten Werbeträgern. Team Nike, Team Miller Light, Team Pizzeria Giorgio, das „Кaufen sie JETZT ein iPad2"-Team. Alles, nur kein Footballteam. Die wöchentlichen Beschwörungen bei Pressekonferenzen (alles wird besser), sind mittlerweile völlig unglaubwürdig. Headcoach Andy Reid sollte gleich mit gehen, denn er hat den scheußlichen Zustand schließlich zu verantworten. Die Eagles sind wie Scooter: Hyper, Hyper, ansonsten ordinär substanzlos. Um es in eine NFC-Ordnung zu bringen: Hinter Arizona. Da sind auch noch andere, aber die Eagles sahen sich vor zehn Wochen noch vor Green Bay. Das ist kein Witz.

Das aktuelle Playoff-Bild der NFC (1-6 im Playoff)

1. Green Bay Packers (9-0, North)
2. San Francisco 49ers (8-1, West)
3. New Orleans Saints (7-3, South)
4. New York Giants (6-3, East)
5. Detroit Lions (6-3, North)
6. Chicago Bears (6-3, North)

Auf der Lauer:
7. Dallas Cowboys (5-4, East)
8. Atlanta Falcons (5-4, South)
9. Tampa Bay Buccaneers (4-5, South)

Der traurige Rest:
10. Seattle Seahawks (3-6, West)
11. Arizona Cardinals (3-6, West)
12. Philadelphia Eagles (3-6, East)
13. Washington Redskins (3-6, East)

Kommenden Sonntag überträgt Puls 4 das Heimspiel der momentan High-Flyin' Bears gegen die Chargers. Zum ersten Mal werden Michael Eschlböck und Pasha Asiladab zusammen kommentieren. Ich gehe, um hier auch ein wenig Mitleid zu erregen, in mein erstes freies Wochenende seit Ende August. Meine Freundin, die hier die Beistriche setzt und Bindestriche entfernt, will daher alle lieb grüßen lassen. Die Verben gehen sie nicht an.

Chicago Bears vs. San Diego Chargers
SO, 20. November 2011, 23:15 PULS 4
Kommentatoren: Michael Eschlböck und Pasha Asiladab

NFL-Ergebnisse Woche 10:

San Diego Chargers - Oakland Raiders 17:24
Dallas Cowboys - Buffalo Bills 44:7

Philadelphia Eagles - Arizona Cardinals 17:21

Carolina Panthers - Tennessee Titans 3:30

Tampa Bay Buccaneers - Houston Texans 9:37

Miami Dolphins - Washington Redskins 20:9

Atlanta Falcons - New Orleans Saints 23:26

Cincinnati Bengals - Pittsburgh Steelers 17:24

Kansas City Chiefs - Denver Broncos 10:17

Indianapolis Colts - Jacksonville Jaguars 3:17

Chicago Bears - Detroit Lions 37:13

Cleveland Browns - St. Louis Rams 12:13

Seattle Seahawks - Baltimore Ravens 22:17

San Francisco 49ers - New York Giants 27:20

New York Jets - New England Patriots 16:37

Green Bay Packers - Minnesota Vikings 45 :7

 

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  • Der Weg zum 
Erfolg führt bei den San Francisco 49ers über ihre Defense. Die 
Kalifornier ließen heuer noch keinen einzigen Rushing-Touchdown zu.
 
 
    foto: epa/john g. mabanglo

    Der Weg zum Erfolg führt bei den San Francisco 49ers über ihre Defense. Die Kalifornier ließen heuer noch keinen einzigen Rushing-Touchdown zu.

     

     

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    Texans Spielmacher Matt Schaub (8) fällt für unbestimmte Zeit aus. Houston muss sich ab sofort auf Matt Leinart verlassen.

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