Gegen den Strich gebürstet

16. November 2011, 19:15
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"Insulting Anarchy": Die Galerie Martin Janda zeigt ein Solo von Mladen Stilinovic

Wien - Ein einzelner Satz hat ihn Anfang der 1990er-Jahre auch im Westen bekanntgemacht: Zunächst in weißen Lettern auf eine rote Decke gestickt, ließ Mladen Stilinoviæ den Spruch "An Artist Who Cannot Speak English Is No Artist" später auch auf T-Shirts verbreiten. Beides, sowohl das Nachdenken über die Art der Verbreitung als auch die Tendenz zu prägnanten, kunstbetriebskritischen Kommentaren, zeichnen das Werk des 1947 in Belgrad geborenen Künstlers aus: In Form von Collagen, performativen Aktionen, Installationen, Büchern oder auch Malerei hat der Künstler schon Anfang der 1970er-Jahre die "politisch kontaminierte" Sprache des titoistischen Jugoslawien gegen den Strich gebürstet.

Dass Mladen Stilinoviæ allzu simple Sprach- und Bildformeln heute noch meidet, deutet in seiner aktuellen Präsentation schon allein der Titel Insulting Anarchy an: Obwohl um eine antirepräsentative, "anarchistische" Hängung bemüht, schlich sich laut dem Künstler ganz automatisch eine das herrschaftsfreie Chaos "beleidigende" Struktur ein.

Im Werk von Stilinoviæ sind es immer wieder ironische Wendungen wie diese, mit denen er gleichzeitig sowohl politische Dogmen als auch die Uneinlösbarkeit seiner eigenen künstlerischen und politischen Ansprüche entlarvt. Schließlich ist der Künstler, der das offizielle Ausstellungssystem lange gemieden hat, heute mit seiner Arbeit in vielen internationalen Häusern und auf sämtlichen Biennalen präsent; 2007 nahm er an der documenta 12 teil.

Die Galerie Martin Janda zeigt Collagen und Bildobjekte, mit denen Stilinoviæ zwischen 2005 und 2007 auf Ereignisse und Tendenzen in Kunst und Politik reagierte: Korupcija steht etwa in riesigen Lettern auf einer Collage, auf der ein Junge die Geburtstagskerzen ausbläst. Die Unschuld, daran lässt er keinen Zweifel, verliert man schon früh. Später will dann aber doch keiner dabei gewesen sein. Und so zeigt Stilinoviæ das Foto einer Versammlung, bei der jeder einzelne mit erhobener Hand Zustimmung signalisiert. Seine Absicht, die "Grammatik des Systems" zu zerstören, beginnt jedoch bereits vor diesen politischen Gesten. Das zeigt eine Reihe formaler Versuchsanordnungen, die nicht nur Hammer und Sichel betreffen, sondern auch Zahlen: Aus 1 und 1 muss bei ihm nicht unbedingt 2 werden. (Christa Benzer, DER STANDARD/Printausgabe 17. November 2011)

Info

Bis 7. 1., Galerie Martin Janda, Eschenbachgasse 11, 1010 Wien

 

  • "Korupcija" - Korruption - stempelt Mladen Stilinoviæ bereits die 
"Geschenkannahme" in kindlichem Alter ab. Die Galerie Martin Janda zeigt
 die erste österreichische Einzelausstellung des bedeutenden kroatischen
 Künstlers.
    foto: galerie martin janda

    "Korupcija" - Korruption - stempelt Mladen Stilinoviæ bereits die "Geschenkannahme" in kindlichem Alter ab. Die Galerie Martin Janda zeigt die erste österreichische Einzelausstellung des bedeutenden kroatischen Künstlers.

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