Kopf des Tages

Ein Sanierer für das marode Italien

Gerhard Mumelter, 16. November 2011, 19:08

Corrado Passero agiert nach dem Motto "Wachstum kann überall enstehen"

"Wir sind nicht Griechenland, wir müssen uns selbst retten." Als Corrado Passera sich vergangene Woche zur Schuldenkrise Italiens äußerte, konnte er noch nicht ahnen, dass die Erledigung der Aufgaben ihm selbst anvertraut werden würde. Als Superminister für Industrie, Infrastrukturen und Verkehr soll er seinem Land nun aus seiner bisher schwersten Krise helfen.

In der Sanierung angeschlagener Firmen sah der 58-jährige aus Como schon immer eine Herausforderung, ob bei der Post oder der Alitalia. In 30 Jahren hat der Absolvent der Mailänder Wirtschaftsuniversität Bocconi mit US-amerikanischem MBA in fast allen Wirtschaftssektoren gearbeitet. Über Jahre amtierte er als Chef der Verlagsgruppe Espresso-La Repubblica. Der smarte Manager und "harte Idealist" gilt als Mann der Visionen, "mit dem Herz in der Mitte und dem Blick nach links". Der überzeugte Katholik ist Sympathisant des Partito Democratico, an dessen Vorwahlen er sich stets beteiligt.

Einer seiner Sanierungsfälle war die Banca Intesa, ein aus der Fusion von drei kleineren Banken entstandenes Sammelsurium ohne eigene Identität. Als Passera die Bank 2002 übernahm, schweißte er das Ganze zusammen. Dann rationalisierte der ehemalige McKinsey-Mann den Betrieb, expandierte nach Osteuropa, investierte ins Humankapital. Nach seinem Motto "Wachstum kann überall entstehen" fusionierte er mit dem Banco San Paolo und schuf damit Italiens zweitgrößte Bank mit sechs Millionen Kunden und 2000 Filialen.

Der stets bescheiden gebliebene Familienvater lässt sich fast täglich von seinen vier Kindern in langen Telefonaten ihre Erlebnisse und ihren Schulalltag schildern. Ihn von einem einmal eingeschlagenen Kurs abzubringen ist ein schwieriges Unterfangen.

Einen großen Rivalen hat Passera indes ausgestochen: Ex-UniCredit-Chef Alessandro Profumo war sein Gegenspieler. Die Büros der beiden lagen in Mailand nur wenige hundert Meter voneinander entfernt. Beide sind gleich alt, studierten an der Bocconi, begannen ihre Karriere bei McKinsey und lieferten sich stets ein Fernduell. Durch geschicktes Taktieren hat sich Passera die Mächtigen des Landes zu Freunden gemacht. Bei einem funktionierte das nicht. Silvio Berlusconi legte der Manager letzthin den Rücktritt nahe. Jetzt hat der Top-Manager erneut Gelegenheit, seine Fähigkeit als Sanierer unter Beweis zu stellen - im maroden Großbetrieb Italien. (DER STANDARD Printausgabe, 17.11.2011)

jovanotti_for_president
00
22.11.2011, 00:04
Vorsicht vor möglichen Interessenskonflikten!

Er ist sicherlich fachlich wesentlich kompetenter, als es jeder Berlusconi-Minister/Kofferträger je hätte sein können.

Allerdings gibt es Kritik an möglichen Interessenkonflikten besonders an diesem neuen Minister.
Passera ist für "Wirtschafliche Entwicklungen", Transport, Verkehr und (Tele-)Kommunikation zuständig.

http://www.youtube.com/watch?v=pfnDdUjEdNk

Passera war bis vor ein paar Tagen Geschäftsführer der Bank "Intesa-SanPaolo", diese betreibt u.a. mit der Telekomitalia einen Fernsehsender (LA7), besitzt Anteile an der Alitalia (Fluglinie) und beteiligt sich an zukünftigen Schienenverkehrsprojekten (private Konkurrenz zur FS).
Für diese Bereiche ist er nun als Minister zuständig...

Mo Ché
00
16.11.2011, 22:55

"Der stets bescheiden gebliebene Familienvater lässt sich fast täglich von seinen vier Kindern in langen Telefonaten ihre Erlebnisse und ihren Schulalltag schildern."

Stammt das aus einer Presseaussendung seines Referenten für Öffentlichkeitsarbeit oder hat der Standard da selbst recherchiert?

W s
20
16.11.2011, 19:57
Bravo r.-k. Kirche!

Poldi Fesch
00
17.11.2011, 11:49
sie posten

beaengstigent dumm

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