Politische Wunden

Kommentar16. November 2011, 18:42
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Im traditionell "linken" Berlin kommt Law und Order nicht besonders gut an

Die Zeit heilt auch politische Wunden. Vor zehn Jahren noch galt die große Koalition in Berlin als Schande. Nach dem Crash der Landesbank fand sich kaum jemand, der über Schwarz-Rot Gutes zu berichten hatte.

Jetzt jedoch kommt das Bündnis in Berlin wieder, wenn auch unter umgekehrten Vorzeichen. Den Regierungschef stellen die Roten (natürlich wieder mit Klaus Wowereit), die CDU gibt den gar nicht so kleinen Koalitionspartner - immerhin erhielt sie, ebenso wie die SPD, vier Ressorts.

Darunter ist auch das Schlüsselressort "Inneres", das wahrscheinlich CDU-Spitzenmann Frank Henkel leiten wird, auf dem alle Blicke ruhen. Einerseits vermitteln er und Wowereit, einander prächtig zu verstehen. Andererseits muss die CDU eigene Akzente setzen, kann nicht ewig so offensichtlich dankbar sein, dass Wowereit sie dann doch noch in die Regierung gelassen hat. Einfach wird das nicht werden. Denn im traditionell "linken" Berlin kommt Law and Order nicht besonders gut an.

Wowereit ist sowieso zufrieden, er hat nach Grünen und Linken mit der CDU den dritten Partner am Regierungstisch, was sich in Hinblick auf mögliche nächste Karriereschritte (SPD-Kanzlerkandidat) gut macht.

Ein Bild des Jammers hingegen geben die Grünen ab. Auf 17,6 Prozent kamen sie bei der Wahl, verpassten aber das Bürgermeister-Büro und sogar die Regierungsbeteiligung. Danach versanken sie in Streit und Zwist. Diese politische Wunde zu heilen wird ebenfalls jahrelang dauern. (DER STANDARD Printausgabe, 17.11.2011)

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