ORF beantragt sieben Prozent mehr Gebühren

16. November 2011, 18:37
  • Artikelbild
    foto: apa/schlager

    Für Alexander Wrabetz und Richard Grasl weisen mehr Gebühren in die richtige Richtung.

  • Artikelbild
    grafik. der standard
  • Artikelbild
    grafik. der standard

Stimmt der Stiftungsrat zu, hebt der ORF ab Juni 2012 sieben Prozent mehr Programmentgelt von den Gebührenzahlern ein - Auf die oftmals geforderte, umstrittene Ausweitung der Werbezeiten wird indes verzichte

Wien - Sieben Prozent mehr Gebühren will der ORF ab Juni 2012 einheben. Das Ja dazu soll der Stiftungsrat noch im Dezember geben. Den "richtigen Zeitpunkt" für die Erhöhung, sieht Generaldirektor Alexander Wrabetz bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz: "Weil wir imagemäßig gut liegen."

Sieben Prozent bedeuten pro Haushalt rund 16 Euro, mit regionalen Unterschieden je Landesabgaben. Nachdem diese Abgabe variiert, liegt der Betrag, den ein Haushalt aktuell für Radio und Fernsehen in Österreich zahlen muss, zwischen 18,61 (in Vorarlberg und Oberösterreich) und 23,71 Euro (in Kärnten und der Steiermark). In Zahlen fließen 2012 19 Millionen Euro in den ORF, ab 2013 36 Millionen.

Die Anpassung muss laut ORF-Gesetz nicht mehr die Inflation der vergangenen, sondern nunmehr der folgenden fünf Jahre berücksichtigen. Die letzte Erhöhung der ORF-Gebühren erfolgte im Juni 2008 um 9,4 Prozent.

Der Fahrplan zur Gebührenerhöhung: Nach dem Finanzplan, den die Stiftungsräte Dienstagabend bekamen, legt die ORF-Führung den Gremiumsmitgliedern als nächsten Schritt eine mittelfristige Finanzvorschau vor. Den darin enthaltenen formellen Antrag zu Hebung des Entgelts müssten die Mitglieder des Gremiums bei der nächsten Sitzung am 15. Dezember genehmigen. Innerhalb von acht Wochen müssten die Publikumsräte zustimmen. Ein Nein von ihnen hätte lediglich aufschiebende Wirkung: Per Beharrungsbeschluss würde der Stiftungsrat die Erhöhung trotzdem durchbringen. Zuletzt prüft die Medienbehörde, und zum 1. Juni flattern neue Erlagscheine in die Gebührenhaushalte.

Einen überraschenden Rückzieher macht Wrabetz bei Werbezeiten. Die mehrfach geforderte Ausweitung ist offenbar vom Tisch: "Weil ich glaube, dass es klug ist", sagt Wrabetz. Was er meint: Gebührenerhöhung und mehr Werbezeiten wären vor Privatsendern wohl kaum zu argumentieren gewesen. Die Abschaffung jener Gesetzesklausel, die dem ORF eine Senkung der Pro-Kopf-Kosten vorschreibt wurde ebenfalls vorerst ad acta gelegt.

925 Millionen Euro Umsatz - ein Plus von 8,5 Millionen Euro gegenüber 2011 - erwartet Finanzdirektor Richard Grasl. Die Werbeeinnahmen sollen nächstes Jahr um drei Millionen Euro auf 218 Millionen Euro steigen.

Mitarbeiterabbau

2970 Mitarbeiter soll der ORF 2012 zählen, rund hundert weniger als jetzt, zählt Wrabetz. 596 Millionen aus Programmentgelt inklusive 30 Millionen aus der Gebührenrefundierung werden erwartet. Für das Programmbudget veranschlagt der ORF 2012 493 Millionen (2011: 485 Millionen). Insgesamt sieht der Finanzplan 2012 für den Gesamtkonzern ein positives Betriebsergebnis von 3,5 Millionen vor.

Reaktionen aus den politischen Lagern: FP und BZÖ lehnen sie ab. FP-Stiftungsrat Norbert Steger will nach Standard-Infos der Gebührenerhöhung nicht zustimmen. SPÖ und ÖVP stimmen zu. Der Privatsenderverband sieht sich einmal mehr "ungeschützt im Wettbewerb mit dem ORF".

Stiftungsrat Franz Medwenitsch (VP) hält die Gebührenanpassung für "maßvoll und vertretbar", schränkt allerdings ein: "Aber nur, wenn das Publikum die Gebührenerhöhung auch im Programm spürt." Was mit Fortsetzungen von Dancing Stars und Die große Chance erfüllt sein dürfte. (Doris Priesching, DER STANDARD; Printausgabe, 17.11.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 86
1 2 3
bartleby schreiber
 
00
18.11.2011, 15:15
bribe

der orf muss mir etwas bezahlen - damit ich den mist überhaupt einschalte ..

Captain Smoker
01
17.11.2011, 15:07

Wenn die SPÖ den ORF schon als Parteisender benützt, kann sie dann nicht bitte auch gleich für die Kosten aufkommen?

sober only
 
00
17.11.2011, 13:59
Wer interessiert..

..sich eigentlich noch für Dancing Stars? Gibts eigentlich noch irgendwelche C oder D Promis, die noch nicht dabei waren?

Snoopy47
02
17.11.2011, 13:31
Privatisieren

heißt die Lösung
- keine Fernsehgebühr mehr
- kein Parteineneinfluß mehr (außer Krone oder heute kauft)
- keine Landesstudios - würde ein privater sofort in Bräunungsinstitute verwandeln
- nur mehr 1 oder 2 Direktoren
- und wir würden unmerklich mehr Werbung sehen (sehen wir ja derzeit auch weil wir wegen schlechten ORF Programms auf private Senden ausweichen)

kidjo
01
17.11.2011, 12:37

Für untalentierte Moderatoren, die schon im Radio tierisch genervt haben und uns jetzt auch noch im TV begrüßen?
Oder müssen mehr sinnlos Serien eingekauft werden? Eventuell wird aber auch die Sparte Volksverblödung ausgebaut?

ORF drei lebt ja leider auch nur von den alten Produktionen - die neuen werden es wohl auf diesen Sender nicht schaffen - oder wie soll man Goldpashin mit Kultur verbinden?

marty fink
00
17.11.2011, 12:24
Wofür?

Für 10 Minuten Werbepause zwischen dem Ende eines Fussballspiels des Nationalteams und dem Beginn der Analyse?

Kommt die Erhöhung schick ich meine Karte retour und auf nimmer Wiedersehen!

bärli bär
01
17.11.2011, 11:29
Uns auf der Anderen Seite ist die ORF Führung brav am werkeln

seine technischen Mitarbeiter wahlweise Verhungern oder Ausbluten zu lassen.

Wer glaubt in einer staatlichen Medienanstalt verdienen ALLE so super, hat sich aber fest geirrt.
Technische Hilfskräfte: Putzfrauengehalt und weniger.
Technische Assistenzkräfte: Hilfsarbeiterentlohnung
Technische Fachkräfte: ÜberlastungsBurnout bei vielen Dauer-Fremdanmietungen. Überstundenverbot für die Festangestellten.
Allgemein: Personalmangel an allen Ecken. Preisdumping am freien Markt (Auslagerung fast aller Sportereignisübertragungen geplant oder bereits Vollzogen) und damit verbundene Qualitätsverluste, die vielleicht noch nicht überall sichtbar sind.
Und dafür kann ma sich von den DESIGN&ART&CREATVE Directors-Dumpfnüssen auf den Schädl scheißen lassen.

MemoryDragon
00
17.11.2011, 14:03
Ist generell

ein österreichisches Phänomen gerade im halböffentlichen Bereich.
Management und "Wichtige" suhlen sich vor dem Buffet und erpresstem öffentlichen Geld.
Die die die eigentliche Arbeit tun bekommen einen bettel. Aus diesem Grund bin ich auch aus diesem Bereich weg und arbeite mittlerweile nicht mehr in Österreich, ich hab das leider oft genug erlebt. Extremfall 20 Personen beteiligt, duzende Buffets und Meetings. Nach allen Meetings wurde das Projekt dann einem umgehängt der das machen sollte der dann grad mal nach KV bezahlt wurde. Es war jeder beteiligt nur nicht der Fachmann der die Arbeit machen sollte.

kingkade21
02
17.11.2011, 10:59
Genau das war ja absehbar

Zuerst die beiden vollkommen unnötigen neuen Spartensender einführen.

Und dann mit der Gebührenerhöhung daherkommen.

Und kurz davor die Gehälter der Direktoren um 10 % angeben.

Da kann man sich nur fragen:
Haben die beim ORF noch alle Tassen im Schrank?

+++

Mein Vorschlag:

• Gebühren drastisch senken
• Alle Spartenkanäle sofort wieder auflassen
• Landesstudios stark abspecken (wozu braucht ein Mini-Land wie Österreich überhaupt Landesstudios???)
• Gehälter des Managements nur "valorisieren" (wie das so schön bei den ORFlern heisst) = max. um die Inflationsrate anheben. WARUM 10 %? - gibt es dafür eine sachliche Begründung?

Chancen auf Umsetzung dieses Vorschlages: 0 % ;-(

Besen Ding
 
00
17.11.2011, 10:00
Noch eine unsachliche Anmerkung zum Bild:

Im Synchronschwimmen wären die beiden Burschen sicherlich besser.

U-47
12
17.11.2011, 09:56
ORF III ist somit das teuerste Schlafmittel der Welt.

Besen Ding
 
00
17.11.2011, 10:01
Dazu müsste es aber wer anschauen.

DschiEm
00
17.11.2011, 13:03

Ich hab's versucht, ...bin eingeschlafen....

Besen Ding
 
00
17.11.2011, 09:55
Tja, was soll man dazu noch sagen?

Die Pro-Kopf Kosten senken zu wollen/müssen und gleichzeitig die des Managements um 10% erhöhen wollen ist vielleicht etwas unsensibel. Das Argument, man hätte die Managementkosten ja ohnehin um 25% (durch Abschaffung von 2 Direktionen) geht ohnehin völlig ins Leere.
Zwei neue Spartenkanäle - naja, da könnte man auch darüber nachdenken.
Aber so lange Medienpolitik in diesem Land nur bis zur Frage "Wie oft komme ich in den ZIBs vor" reicht, wird da wohl nicht viel anders werden können.

Schade. Ein ORF könnte auch anders sein, wenn man wollte.

Godiva.
03
17.11.2011, 07:05
Die Abschaffung jener Gesetzesklausel, die dem ORF eine Senkung der Pro-Kopf-Kosten vorschreibt wurde ebenfalls vorerst ad acta gelegt.

das heißt, daß das personal dort weiter bis aufs blut ausgesaugt wird. gleiches gilt fuer den gebuehrenzahler.

mehr gebuehren ersetzen keine mitarbeiter und garantieren auch kein besseres programm.

jeder der fuer den politfunk gebuehren zahlt, macht sich der beihilfe zu freunderlwirtschaft, postenschacherei und volksverbloedung mitschuldig.

pepe123
01
17.11.2011, 07:03

SPERR ZU SCH ORF

Vermutlich unschuldig
01
17.11.2011, 04:38
"Aber nur, wenn das Publikum die Gebührenerhöhung auch im Programm spürt." Was mit Fortsetzungen von Dancing Stars und Die große Chance erfüllt sein dürfte.

Dieser ironische Schlusssatz beschreibt die Misere hervorragend.

Dazu fiele mir ein: Occupy ORF.

meresi
00
17.11.2011, 04:21
und ich sage...

fernseher abmelden für ein jahr und dafür mehr sport betreiben, sich mal um die kinder kümmern und auch mehr zeit mit der eigenen frau verbringen!!! und und und...die eigene bildung verbessern...nachbarschaftshilfe leisten und dergleichen mehr...also ämerl aufgekrempelt...

sir karl popcorn
01
16.11.2011, 23:31

ich sage nur : bukake

micksen
00
17.11.2011, 04:40

Das sagens aber oft.

via Telering Handy
01
16.11.2011, 23:30

"Was er meint: Gebührenerhöhung und mehr Werbezeiten wären vor Privatsendern wohl kaum zu argumentieren gewesen."

na zum glück gibts die privaten. weil vor den gebührenzahlern braucht man anscheinend nicht zu argumentieren. immer schlechtere programmauswahl, weniger mitarbeiter aber mehr geld. aber is ja besser da konzentriert sich halt die halbe milliarde! auf weniger.

site:°~+*-||!#.\>
08
16.11.2011, 23:27

Frechheit!

Für diese Volksverblödung und dieses Landesstudio-Landeskaiser-Selbstbeweihräucherungs-Fernsehen ist jeder Cent zu viel und eine Zwangsenteignung der Bevölkerung.

Privatisiert endlich den ORF – schlimmer kann es nicht werden.

Weg mit den Zwangsgebühren.

Erasmus von Mises
05
16.11.2011, 23:16
krank, einfach nur krank

immer weniger Zuseher, immer schlechter werdende Programmqualität und dennoch wird jeder genötigt, zu zahlen, sofern er einen Fernsehapparat hat. Und das im Jahr 2011, wo Fernsehen eine immer kleinere Rolle einnimmt und man dank Inet qualitativ anspruchsvolles ohne Probleme binnen Sekunden zur Verfügung hat.

Wiener Blut
03
16.11.2011, 23:10
Sperrts den ORF endlich zu.

Den Häuslsender braucht eh keiner .
Gott sei dank zahl ich nicht ;)

ukkoobergott
00
17.11.2011, 08:05
Wenn Sie nicht zahlen...

... wieso reden Sie dann mit?

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 86
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.