"Es ist verfrüht, jetzt von Neuwahlen zu sprechen"

16. November 2011, 18:27
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Präsident der Region Lombardei befindet, dass es keinen besseren als Monti für die Übergangsregierung gibt

Der Präsident der Region Lombardei, Roberto Formigoni, sieht in der Übergangsregierung Monti die einzige Lösung, um Italien aus der Krise zu holen. Thesy Kness-Bastaroli sprach mit ihm in Mailand.

Standard: Was ist Ihre Meinung zu dem Regierungswechsel?

Formigoni: Ich habe den Regierungswechsel unterstützt. Wichtig für Italien ist, die internationale Glaubwürdigkeit wiederzuerlangen. Und Professor Monti genießt mit seiner erfolgreichen Tätigkeit als EU-Kommissar ein hohes internationales Ansehen.

Standard: Ist der Nationalökonom Monti tatsächlich die geeignete Person, um Italien aus der Krise zu holen?

Formigoni: Es gibt derzeit keinen Besseren.

Standard: Könnte Monti, als Ex-Berater von Goldman Sachs, möglicherweise zugunsten der Investmentbanken agieren?

Formigoni: Monti hat sich auch von den multinationalen Konzernen wie Microsoft bei seiner Tätigkeit als EU-Kommissar nicht beeinflussen lassen, umso weniger wird er jetzt dem Einfluss der Investmentbanken unterliegen.

Standard: Ist ein reines Techniker-Kabinett gut für das Land?

Formigoni: Ich habe dafür plädiert, dass auch Politiker in der Regierung vertreten sind. Aber ich schließe mich der Linie meiner Partei an, die keinen politischen Vertreter in der Regierung wollte.

Standard: Wie lange wird die Regierung im Amt bleiben. Wann rechnen Sie mit Neuwahlen?

Formigoni: Zuerst muss Professor Monti sein Schuldenabbau- und Reformprogramm umsetzen. Das benötigt Zeit. Es ist absolut verfrüht, bereits jetzt von Neuwahlen zu sprechen. Das Mandat läuft im Frühjahr 2013 aus.

Standard: Schafft es Italien, die Rezession in Kürze zu überwinden?

Formigoni: Das hängt nicht nur von Italien ab. Wenn es Monti gelingt, den Schuldenabbau voranzutreiben und Wachstumsimpulse zu setzen, sind die Chancen günstig.

Standard: Wie sieht die Situation in der Lombardei aus?

Formigoni: Hier ist das Wachstum höher und die Arbeitslosenrate niedriger als im italienischen Schnitt. Zwei Drittel aller ausländischen Investitionen werden in der Lombardei getätigt. (DER STANDARD Printausgabe, 17.11.2011)

  • Roberto Formigoni (64) hat seine politische Karriere bei den 
Christdemokraten begonnen. Das Mitglied von Berlusconis "Popolo della 
Libertà" wurde 2010 als Regionalpräsident zum vierten Mal wiedergewählt.
    foto: epa

    Roberto Formigoni (64) hat seine politische Karriere bei den Christdemokraten begonnen. Das Mitglied von Berlusconis "Popolo della Libertà" wurde 2010 als Regionalpräsident zum vierten Mal wiedergewählt.

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