Elga und die Angst vor dem ärztlichen Machtverlust

16. November 2011, 18:33
  • "Die Ärzte haben nicht Angst vor dem gläsernen Patienten, sondern vor dem gläsernen Arzt", sagt Bachinger.
    foto: standard/newald

    "Die Ärzte haben nicht Angst vor dem gläsernen Patienten, sondern vor dem gläsernen Arzt", sagt Bachinger.

Um Elga zu verhindern, schwingen sich die Ärzte zu Patientenvertretern auf - Intern geht es aber um mehr: Angesichts der bevorstehenden Kammerwahl kommt ein gemeinsamer Außenfeind gerade recht

Wien - Die Sujets liegen schon seit Monaten in der Schublade der Wiener Ärztekammer: Eine nackte Frau und ein nackter Mann als Symbol für den schutzlosen Patienten, der mit der Elektronischen Gesundheitsakte (Elga) zwangsbeglückt wird. Nun, da die Verhandlungen in der heißen Phase sind, dreht die Kammer an der Eskalationsschraube und schaltet Inserate in praktisch allen österreichischen Zeitungen. Elga verletze "zutiefst das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patienten" , heißt es in einer Resolution, die der Vorstand der Wiener Kammer am Dienstagabend beschloss.

Ärzte als Vertreter entrechteter Patienten - so lautete schon der Duktus der Proteste 2008, damals ging es gegen Reformen von Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky (ÖVP). "Patientenfighter" nannten sich die Ärzte damals. Das geht dem, der von Gesetzes wegen für die Patienten "fighten" soll, besonders gegen den Strich: Die Ärzte würden die Patienten "für ihre Eigeninteressen einspannen" , meint Patientenanwalt Gerald Bachinger. Derzeit laufe eine "Desinformationskampagne" , die, so sie effektiv sei, Reformen à la Elga auf Jahre blockieren könne.

Tatsächlich lassen sich einige Argumente der Ärztekammer relativ leicht entkräften. Etwa der Vorwurf des Zwangs: Die Opt-out-Regelung erlaubt es jedem Patienten, bestimmte Informationen aus der elektronischen Akte herauszunehmen. Oder die Behauptung, dass ein Kreis von 100.000 Personen jederzeit Zugriff auf die Daten habe: Der Gesetzesvorschlag sieht vor, dass die Krankendaten nur im Beisein des Betroffenen (respektive seiner E-Card) abgerufen und danach für 28 Tage im Krankenhaus oder beim Arzt gespeichert werden können.

Der wahre Grund für den Widerstand der Ärzte, sagt Bachinger, sei ein anderer: "Die Ärzte haben nicht Angst vor dem gläsernen Patienten, sondern vor dem gläsernen Arzt." Mit dem "Informationsmonopol" der Mediziner sei es mit Elga vorbei, schließlich ist ein Portal vorgesehen, auf dem jeder seine Krankendaten abrufen kann, inklusive der Information, wann sie von wem angeschaut wurden. "Wissen ist Macht, und die geht mit Elga vom Arzt auf den Patienten über."

Eine andere Machtfrage spielt im Hintergrund eine entscheidende Rolle: Im Frühjahr stehen Ärztekammer-Wahlen an, in Wien hält die VP-nahe Vereinigung die Mehrheit. Dass Walter Dorner, der sowohl Präsident der Wiener als auch der Österreichischen Ärztekammer ist, für den Vorsitz der Landeskammer noch einmal antreten will, hat viele in seiner Fraktion verärgert. Sein Auftreten gegenüber Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) hält man in Teilen der Vereinigung für zu konsensual. Und auch wenn es in den nächsten Monaten nicht zu einer offenen Konfrontation kommen soll: Mit Johannes Steinhart scharrt ein möglicher, scharfzüngiger Nachfolger Dorners bereits in den Startlöchern.

Stöger unter Druck

Da kommt der gemeinsame Außenfeind gerade recht. Das scheint Stöger so sehr auf die Nerven zu gehen, dass er für seine Verhältnisse recht deutliche Worte fand und von der Wiener Kammer als "zerstrittenem Haufen" sprach. Er steht freilich unter Druck: Er kann einen Erfolg ebenso sehr brauchen wie die Ärzte, muss aber erst die ÖVP zu Elga überreden. Dabei war die Vernetzung der Gesundheitsdaten ursprünglich ein Projekt der schwarzen Ministerin Kdolsky. Bei ihr könnte sich Stöger auch erkundigen, wie weit man als Gesundheitsminister kommt, wenn die Ärzte dauerrenitent sind. (Andrea Heigl, DER STANDARD, Printausgabe, 17.11.2011)

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Ginge es nach der Ärztekammer, dann hätten wir noch immer Kreisärzte statt Wahlfreiheit.

Die Kammer führt eine Kampagne, die in ihrer Schäbigkeit eher einer linken NGO, als den Vertretern einer wichtigen Berufsgruppe angemessen ist.

Die Elektronikbranche, die fett verdienen wird und staatlichen Stellen die ein Interesse an der Kontrolle haben, führen eine Kampagne die von Lobbyisten organisiert in ihrer Schäbigkeit eher der Mafia entspricht. Beispiel: Club 2 vor ein paar Tagen - 4 seltsame Fürsprecher- die Vertreterin der zukünftigen Betreibergesellschaft, unsere liebe Exministerin Kdolsky jetzt Besitzerin einer Beratungsfirma, Kurt Langbein, dem ein Arzt als Kind wahrscheinlich einen Abszeß ohne Betäubung geöffmnet hat, warum er den Stand immer noch hasst und eine selbsternannte Patientenvertreterin gegen zwei schweigsame Gegner von Elga. Die Übermacht wurde wenn notwendig noch durch agressive Lautstärke betont

"...Vertretern einer wichtigen Berufsgruppe.."

das einzige, das die vertreten sind ihre schuhabsätze...

meine Aerztin hat mir gesagt, sie schreibt lieber nicht in meine Akte,

dass ich keine regelmaessige Mammografie will, weil das klingt nicht so gut. Sie schreibt hinein, dass ich es selbst organisieren werde.... nun, ich frage mich, warum das so wichtig ist, wenn eh niemand Zugang hat... ich schaetze, sie baut schon vor.

bei 9 von 10 Patienten: Bitte entscheiden doch Sie, tun Sie das was Sie für besser halten... Ich freue mich über mündige Patienten, aber die sind halt selten.

3.) Wenn man merkt (in meiner Fachrichtung ein wichtiges Thema), mit welchem Druck sich Versicherungen, Führerscheinbehörden, Krankenkassen usw. Patientendaten besorgen, wenn sie sie wirklich brauchen, kann man gar nicht glauben, dass hier ELGA Daten wirklich sicher sind. Opt out wird sicher früher oder später mit Sanktionen (z.B. höheren Beiträge) belegt.

4.) Als Spitalsarzt fühle ich mich von der miserablen ÄK nicht vertreten, aber beim Thema ELGA bin ich mit deren Ablehnung ausnahmsweise einmal einer Meinung.

wie gut sie die talking points der ärztekammer zitieren können! guter bub!

*lol*

ja, vor allem mit "Als Spitalsarzt fühle ich mich von der miserablen ÄK nicht vertreten" ist er als unreflektierter nachplapperer von ärztekammerparolen gnadenlos entlarvt!

Es tut einfach weh, mit wie wenig Wissen in dieser Diskussion argumentiert wird.

1.) Ein (Spitals-)Arzt KANN die Krankenkasse auch durch 10 - fach Befund nicht bescheissen. Wieso? Weil die Ausgaben sowieso fix budgetiert und gedeckelt sind. Das heisst im Klartext, ich kann 100 Lungenröntgen statt einem machen, das KH bekommt dafür aber nur 1/100 bezahlt, weil der Leistungspunkt entsprechend weniger wert wird. Extremannahme: in einem Bundesland wird in einem ganzen Jahr nur eine einzige medizinische Leistung erbracht. Dann bekommt das gesamte Budget für den intramuralen Bereich die erbringende Abteilung gutgeschrieben...
2.) Der mündige Patient ist, bis auf ganz wenige Ausnahmen, eine Illusion. Ich höre beim Aufklärungsgespräch

es ist doch so, dass die Ärzte die mündigen Patienten

so gar nicht mögen, denn dann müßten sie argumentieren und das ist meist mühsam, insbesondere, da eine Argumentation immer auch ein Test für den Arzt beinhaltet.
Götter werden nicht getestet, die liebt man oder schickt sie zur Hölle.

das habe ich leider in letzter Zeit auch wieder verstaerkt gemerkt.

Schau, wie sich in den Foren jene wichtig machen, die nur punktuelles Viertelwissen haben und nicht in Zusammenhängen denken können.
Kann mir schon vorstellen das es als Arzt mühsam ist, jedem netdoktor-Leser einzeln alles zu erklären.
Wenn diese Leistung gewünscht ist, dann muss sie auch bezahlt werden.

und nun 'denken' sie, sie Göttergläubiger

was verlangt man von allen anderen Berufen, die einstmals Fachleuten allein vorbehalten waren wie Lehrer, Architekten, Verkehrsplanern usw., in welche Diskussionen sie sich einlassen müssen mit halb/viertel/gar nicht gebildeten, die sich in deren Fachgebiete einmischen.
Haben sie sich nie zu Wort gemeldet in einem Fachgebiet, das sie nicht studiert haben und den grossen Wissenden hervorgekehrt, und ich meine da nicht den Fußball.

Ich habe überhaupt nichts dagegen, dass Ärzte jedem alles einzeln erklären müssen.
ABER: So viel Realitätssinn muss man schon haben, dass dies nicht ohne hohe Zusatzkosten funktionieren kann.
Jede Stunde die ein Arzt erklärt, ist eine Stunde weniger die er arbeiten kann.
Somit braucht man entsprechend mehr Personal.
Ob uns das so viel wert ist, dass wir auch bereit sind die Mehrkosten zu tragen, ist eine gesellschaftspolitische Entscheidung.
Zum Nulltarif gibt es nichts.

da wird es halt eine Entscheidung geben müssen,

aber ich denke, ein Arzt, der mit seinen Patienten redet, nämlich länger als die 19 Sekunden, bis er den Patienten unterbricht und dann nie mehr zu Wort kommen läßt (dazu gibt es Studien, wurden in D in entsprechenden Sendungen vorgestellt), hilft ihm auch, denn das verständnisvolle Zuhören und auf die Rundumprobleme eingehen fördert den Heilungsprozess (auch erwiesen)
Es würden sich dadurch nämlich keine Mehrkosten ergeben, das ist eine falsche Einschätzung, aber jedenfalls geringere Medikamentenkosten.
Abgesehen davon gehört das jetzt schon zu seinen Pflichten, denen er meist nicht nachkommt - so sollte man das sehen.

sind sie tatsächlich experte für eh fast alles, oder haben sie einfach nur angst vor kontrollverlust? wie gehts ihnen, wenn sie in ein flugzeug einsteigen und sich auf die fähigkeit der crew verlassen müssen? wollen sie auch eine diskussion mit dem capitain über seine checklist, und verlagen sie von ihm eine rechtfertigung, warum er dies gemacht und jenes unterlassen hat, was er ihrer meinung nach machen sollte?

ein bisschen einfältig, ihr Einwand

insbesondere, da sie die unterschiedlichen Situationen nicht unterscheiden können.
Was hat eine Behandlung bei einem Arzt mit einem Flug zu tun, was hat ein Flug mit einem Architektengespräch zu tun?

Einfältig, ja, das sind sie, ihnen fehlt die Fantasie, sich andere Situationen vorzustellen.
Schade, da entgeht ihnen viel im Leben.

lassen sie ihre hobbypsychologie, die geht völlig daneben.

also beides hat damit zu tun, dass ich mich drauf verlassen muss, dass ein experte das richtige macht. mehr ist da nicht. klar genug?

nein. ich muss mich nicht darauf verlassen, dass der Experte alles perfekt fuer mich macht.

Der Experte ist ein Mensch und gerade in der Schulmedizin gibt es mehr als genug Beispiele, dass der Experte nicht MEIN bestes INteresse im Sinn hat, sondern die seines Geldboersls.

...jaja ausser es handelt sich um die expertise von psychiatern und psychopharmakonzernen...

wenn sie Experten unbedingt glauben wollen,

dann tun sie es und gehen sie damit zugrunde.

Wenn ihnen das bislang noch nicht aufgegangen ist, dann kann man ihnen ohnehin nicht helfen.
Wir leben in einer freien Gesellschaft und da darf sich jeder seinen Gott oder menschlicher: Guru, selbst aussuchen.

natürlich steht es ihnen frei, selbst zu wählen, ob sie sich auf gegoogelte informationen verlassen oder auf den rat von leuten, die ihren job gelernt haben: so lange sie mit ihrer entscheidung nicht jemanden anderen gefährden. deshalb dürfen sie in ihrem haus auch keine gasleitungen selbst verlegen und auch kein flugzeug fliegen. ich hab kein problem mit ihrer einstellung, ich halte diese aber einfach, entschuldigen sie, für beknackt, und nicht mehrheitsfähig.

ein letzter Versuch: wenn sie irgendetwas über ihre Krankheit

oder das, was sie glauben zu haben, ergoogelt haben, dann wird es ein Arzt wohl mit ihnen diskutieren müssen, allein schon deshalb, weil er ja eine Diagnose stellen muss (!). Also muss er aus den Gestrüp von echten und eingebildeten Symptomen das richtige herausfinden.
Soweit das eine, das ander ist:
auch Fachleute und Experten sind unterschiedlicher Meinung (siehe Griechenland, Verkehr, Umwelt), daher müssen sie diese auch mit ihren Patienten diskutieren können. Tun sie oder wollen sie das nicht, dann fehlt etwas.

Das hat alles nicht mit Flugzeug fliegen oder Gasleitungen verlegen zu tun, deshalb habe ich ihnen Einfältigkeit vorgeworfen, und da sie keine neuen Argumente gefunden haben, sondern nur das eine Bekannte wiederholt ..

Die einzigen die Angst vor ELGA haben sind die Ärzte und die Pillen Lobby !

Warum fragt man nicht die Patienten?

Ich bin kein Arzt und habe Angst (oder nenenn wir es berechtigte Sorgen oder begründete Vorbehalte) vor ELGA. Da mich dieses Thema bewegt habe ich mit mitlerweile über 100 verschiedenen Personen gesprochen. Nur zwei davon wollten ELGA (Klar die meisten wussten nicht mal um was es dabei genau geht).

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