Die Weisheiten und Irrtümer des K.P. Liessmann

Kommentar der anderen | Alexander Pollak, 16. November 2011, 18:29

Warum das Bildungsvolksbegehren trotz auf den ersten Blick mäßigen Erfolgs sehr ernst genommen werden sollte

Konrad Paul Liessmann hat Recht, die Einführung einer Gesamtschule ist für sich genommen keine Garantie für ein gut funktionierendes Schulsystem. Konrad Paul Liessmann hat jedoch auch Unrecht, denn das Beibehalten einer Selektion im Alter von 10 Jahren ist eine Garantie für ein schlecht funktionierendes Schulsystem. Frühselektion bedeutet zwangsläufig, dass Kinder aus sozial schwächeren Familien systematisch benachteiligt werden und Kinder mit Lernschwierigkeiten immer weiter zurückfallen.

Alle, die ambitionierte Hobby- oder Leistungssportler sind, wissen, dass man sich am schnellsten und stärksten verbessert, wenn man von und mit Besseren lernen und sich mit ihnen messen kann. Sportlerinnen und Sportler wissen auch wie wichtig positive Motivation ist. Nur ganz, ganz wenige haben so viel Energie und Auflehnungskraft in sich, dass sie es auch dann nach oben schaffen können, wenn ihnen immer wieder ein "aus dir wird nie was" entgegengehalten wird.

Umgelegt auf die Schule bedeutet das: Für Kinder, die als lernschwach eingestuft werden, bringt das Zusammenarbeiten mit lernstarken Kindern in jedem Fall große Vorteile und Chancen mit sich. Und für lernstarke Kinder muss die gemeinsame Kompetenzaneignung aller 6 bis 14-Jährigen keineswegs einen Nachteil oder eine Bremsung bedeuten. Ein OECD-Bericht zu Polen, das erst vor wenigen Jahren sein Schulsystem in Richtung Gesamtschule umgestellt hat, hält fest: "Die direkt nach der Reform messbare Verbesserung der Resultate bei lernschwachen Kindern ging nicht auf Kosten der lernstarken Kindern, deren Resultate sich nach der Reform ebenfalls verbesserten." (Siehe: OECD, 2007, The Programme for International Student Assessment, S. 39 ff.)

Ich habe übrigens erst vor wenigen Tagen mit Freunden gesprochen, die erzählt haben, dass sie in der Volksschule als lernschwach gegolten haben und nur mit Ach und Krach ins Gymnasium durch gerutscht sind, weil ihre Eltern viel Überzeugungsarbeit bei den Lehrern geleistet haben. Diese Freunde haben später mit Auszeichnung maturiert und ein Studium abgeschlossen. Wie hätten sie sich wohl entwickelt, wenn ihnen im Alter von 10 Jahren sowohl die Bildungsmotivation geraubt als auch die Möglichkeit genommen worden wäre, mit als lernstark geltenden Kindern zusammenzuarbeiten?

Konrad Paul Liessmann hat Recht. Die Qualifikation der Lehrerinnen und Lehrer ist ein entscheidendes Kriterium für die Möglichkeit von Schülern sich soziale, wissensbezogene und politische Kompetenzen anzueignen. Eine gute Lehrerausbildung sowie Angebote und Anreize zur Weiterbildung sind für ein funktionierendes Schulsystem unabdingbar. Liessmann hat jedoch zugleich Unrecht. Denn es ist auch für den bestqualifizierten Lehrenden nicht egal in welcher Schulorganisationsform er oder sie lehrt. Die Frage, wie das Korsett gestrickt ist, in dem LehrerInnne agieren können, wie viele SchülerInnen sie betreuen, wie Klassen zusammengesetzt sind, wie rigide der Lehrplan ist, ob die Kinder den ganzen oder nur einen halben Tag in der Schulumgebung verbringen, ob es unverrückbare 50-Minuten Einheiten oder eine anders geformte Tagesaufteilung gibt, beeinflusst maßgeblich die Möglichkeiten guter Lehrender tatsächlich Kompetenzen zu vermitteln.

Konrad Paul Liessmann hat Recht. Das Bildungsvolksbegehren war zu schwammig und zu kompromissorientiert formuliert, um zu einer großen Mobilisierung zu führen. Es war kein Feuer hinter dem Begehren, keine Wut, kein klar fokussiertes Verlangen, sondern der Versuch, ganz behutsam Schwachstellen anzusprechen und Alternativen aufzuzeigen. Dass dennoch fast 400.000 Menschen unterschrieben haben ist erstaunlich. Insofern hat Liessmann Unrecht, denn anhand der vergleichsweise hohen Beteiligung an einem vergleichsweise lahm gestalteten Volksbegehren lässt sich sehr wohl eine tiefgehende Unzufriedenheit mit dem Nichtfunktionieren des jetzigen Schulsystems ablesen.

Alle, denen die Zukunft der in Österreich lebenden Menschen tatsächlich ein Anliegen ist, sind daher gut beraten, die Forderungen des Volksbegehrens ernsthaft zu studieren und zu diskutieren. Denn nicht nur die Frühselektion von Kindern, sondern auch die Frühausselektion eines Volksbegehrens kann gesellschaftlichen Schaden anrichten. (Alexander Pollak, DER STANDARD, Printausgabe, 16.11.2011)

Zur Person: Alexander Pollak ist Sprecher von SOS Mitmensch

Kommentar posten
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ergo43
02
18.11.2011, 11:13
im gegensatz zu liessmann

bleibt pollak sachlich - auf diesem niveau geführt, könnte die bildungsdebatte glatt noch zu den notwendigen veränderungen führen. aber die polemiker liessmann, taschner & co können beruhigt sein, das wird schon nicht passieren.

Kriti Kaster
11
17.11.2011, 21:07
Nichts gegen SOS-Mitmensch

Aber um Sprecher von SOS-Mitmensch zu werden, muss man von dieser Denkungsart sein. Leider.

MimiTheKid
11
17.11.2011, 19:37
Aus dem Artikel trieft es nur von Ausgrenzung und "ich bin besser" Glauben

Es ist gut, dass die Freunde maturiert haben. Applaus, spricht vielleicht aber auch gegen die Schule, wo sie reif geworden sind.

Nur weil die Eltern glaubten, dass ihre Kinder bei den Türken in der Hauptschule verkommen, wollten sie sie ja nicht dort haben. Irgendein Gymnasium, das die halt nimmt. Aber ja nicht die leistungsschwachen Ausländern. Womöglich wird das Kind dann sogar noch Tischler oder Optiker.

In meinem Ort, wären die Kinder in die HS gegangen, hätten dort eine solide gute Ausbildung bekommen, wären entweder Handwerker geworden, oder in eine berufsbildende höhere Schule gegangen, und würden einem Beruf nachgehen, den sie sich ausgesucht haben.

Und gute Handwerker verdienen mehr als Ethnologen oder Psychologen.

Ein Opel im Schafspelz
00
17.11.2011, 19:23
Offtopic - oder doch nicht?

Seltsam, anstatt die Gelegenheit zu nutzen zu diskutieren, wie man die Schulen in einigen Dingen praktisch verbessern kann (wie z.B. Hr. Liessmann in hochphilosophischer Weise gemeint hat ;-) ) werfen sich die Disputanten (vor allem wir Poster) gegenseitig Gemeinheiten und Beleidigungen an den Kopf, schwelgen in philosophischen, praxisfernen, ideologie-besetzten Träumen, nützen die Gelegenheit anonym verbal auf den vermeintlichen politischen Gegner hinzuschlagen.
Und es kommt - wie immer - nichts raus.

Es kann doch keiner leugnen, dass es große Probleme in den Schulen gibt - deren Gründe gibt es viele: TV/Internetkultur, Zuwanderung/Integration, Wohlstandsbequemlichkeit, Schnelllebigkeit, Informationsüberflutung, Bewegungsmangel....

1116er
02
17.11.2011, 19:18
wozu brauchen wir die schule überhaupt?

um den lehrstoff zu lernen?
quatsch, das wäre weitgehend problemlos auch via 'blended learning' möglich.

der hauptzweck der schule in der vergangenheit, heute und auch in der zukunft ist:
zeig heranwachsenden menschen, dass es ausserhalb der (kleinst)familie auch noch etwas gibt. mach einen 'sozial' agierenden menschen aus ihm, der sich einerseits durchsetzen, andererseits mit begehrlichkeiten und persönlichkeit anderer auseinanderzusetzen weiss.

wer glaubt, sein kind sei etwas besseres und sollte daher nur mit anderen 'besseren' kindern zusammensein, macht aus seinem kind einen (lebensunfähigen oder gar gefährlichen) soziopathen.

Physikus75
00
17.11.2011, 23:47
Können sie all den Gesamtschulbefürwörtern mitteilen, die ihre Kinder in Privatschulen stecken

sandor gjalski
11
17.11.2011, 18:45

in wirklichkeit sind es genau 2 dinge die in der schule wie sie jetzt ist antrainiert wird:

um 8 in der arbeit zu sein
den chef (lehrer) in den allerwertesten zu kriechen um durchzukommen

also man kriegt arbeitsroutinevorbereitung, dabei werden sämtliche eigenen kreativen talente, natürlichen regungen abgedreht und unterdrückt

hat man das kapiert kommt man durch in der arbeitswelt und der schule

wenn wir dies ändern d.h. system schule wird sich die arbeitswelt mitändern müssen

so schauts aus

und liessmann & taschner und andere präpotente komiker die den stand der dinge ausnutzten um sich zu profilieren brauchma nicht

sandor gjalski
30
17.11.2011, 18:26

ein system die solche reservebank pseudointellektuelle wie liessmann heranzüchtet gehört reformiert!

alles was liessmann sagt sagt er gegen sich selbst er ist im permanenten selbstwiederspruch der typ

Physikus75
00
17.11.2011, 23:48
selbstwIEderspruch

...aber von Pseudointellektuellen der Reservebank reden

sandor gjalski
00
18.11.2011, 01:29

hauptsache dei iq reicht für grammatik aus sinnerfassed reden lerst dann noch

alsowirklich
00
20.11.2011, 23:40

aber mit grammatik hat das nix zu tun...

sandor gjalski
00
18.11.2011, 01:28

schuster bleib bei deinen leisten

Hercules
32
17.11.2011, 17:50
Ich kann sie nicht mehr hören...

...diese ewigen "G´schichtln" von Pseudo-Gutmenschen:"ich hatte einen Freund der ... mit Ach und Krach ins Gymnasium...später mit Auszeichnung maturiert und ein Studium abgeschlossen."
Es mag den einen oder anderen geben, der vom System nicht bevorzugt wird aber stellen wir uns doch der Realität. Es gibt eben auch viele "lernschwache" aka nicht so intelligente Menschen in unserer Gemeinschaft. Und wenn jemand intellektuell nicht folgen kann, muss man das auch akzeptieren und das Feld für Bessere räumen.
Und es ist schlicht Schwachsinn zu behaupten, dass, wenn der Lehrstoff auf Lernschwache ausgelegt ist, Auffassungsstärkere nicht dadurch benachteiligt werden würden.
Schluss mit dieser Einheitsbrei Akzeptanz, es sind eben nicht alle gleich.

byron sully
21
17.11.2011, 16:46

zustimmung, kann mich dem kommentar nur anschließen.

Physikus75
74
17.11.2011, 15:33
Damit die sich überlegen fühlenden Standard Poster

nicht nur voller Arroganz den Liessmann bespucken:

Der Taschner pflichtet Liessmann iW bei:
http://diepresse.com/home/mein... sen-machen

Zwei profunde Stellungnahmen von echten Fachleuten und nicht Wichtigtuern wie Juristen und Menschenrechtsaktivisten (das Wichtigtuer bezieht sich nur auf die Bildungsdebatte und nicht auf Pollacks SOS-Mitmenschfunktion).

Solche Leute sollten die Schmied beraten und nicht solche Quatschköpfe wie der Theologe und Unternehmensberater Schnider!

Markus2001
00
17.11.2011, 19:42

Also, der Artikel vom Taschner ist aber ziemlich fürchterlich. Das hat eine unbehagliche Stoßrichtung gegen das Feindbild 68er. Und diese als "Fantasten" und "Utopisten" abzufertigen, das ist billig und altbekannt.

Dass Liessmann insbesondere auch gegen die Ausrichtung von Bildung an Forderungen der Wirtschaft angeschrieben hat, unterschlägt der Herr natürlich, denn das ginge ja gegen seine eigene Weltanschauung.

sandor gjalski
21
17.11.2011, 18:29

der taschner dieser elitäre salonpseudomathematiker der spielt innerhab der selben liega und bläst ins selbe horn oder den liessmann einen

die zeiten haben sich geändert solche kuriosa und elitäre selbstverliebte gockeln gehören ins museum

der taschner hat so einem irritanten habitus eines der noch nie in seinem leben gearbeitet hat und dem alles in die wiege gelegt wurde und dafür noch von den strukturen belohnt wird...sorry solche leut gehören abgschafft

sandor gjalski
00
17.11.2011, 19:14

sorry sollte heiße solche strukturen die solche leute herauspressen gehören reformiert

was passiert in der schule (bürgerliche institution) die lehrer halten die bürgerlichen kinder für intelligenter und klüger als jene der prolos oder migrantinnen nona da sie zu hause wie in der schule sich gleich verhalten können und eben daher als frühreif etc... gelten dies wird in der shcule verstärkt die "dummen" kommen anschließend in die hs - poly, sonderschule, lehre, die intelligenten studieren physik oder philo etc....

censeo
10
17.11.2011, 19:04

Wie willst du diese Leute denn abschaffen? Wer bist du denn schon, dass du dir anmaßt Menschen als Pseudo zu bezeichen.
Alle die dir nicht passen sind Pseudos.
Du bist einfach infantil, nicht ernst zu nehmen und disqualifizierst dich selbst mit deinen obskuren Ansichten.

sandor gjalski
00
17.11.2011, 23:04

ich bin der der dopelt so viele bücher wie liessman gelesen und zu dem unterschied auch verstanden

mein name ist gottfried du kannst gott zu mir sagen

alsowirklich
01
20.11.2011, 23:44

nehmen sie bitte die pillen wieder.
sofort!

Veronika Lenz
11
17.11.2011, 18:15

endlich Menschen, die die Dinge beim Namen nennen--Gott sei Dank gibt es diese auch
Tachner und Liessmann sei Dank!
diese ewigen Utopisten nerven nämlich langsam!

Deß Dr. Gonzo Merck=Wuerdige Meynungen & Merckungen
 
13
17.11.2011, 17:38

was macht einen mathematiker, der ein nettes projekt zur poularisierung von mathematik leitet, zum fachmann in bildungsfragen?

Physikus75
01
17.11.2011, 20:11
Er ist zufällig selber Lehrer!

Grantscherben
01
17.11.2011, 15:12

Was hat das stupide Auswendiglernen für Tests in diversen Anstalten mit Bildung zu tun!?

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